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Meerbusch
Historisch: Tunnel kommt in Meerbusch an

Meerbusch: Historisch: Tunnel kommt in Meerbusch an
Ein Mitarbeiter öffnet das Endstück, um den Weg für den Bohrer freizugeben. FOTO: Dackweiler, Ulli (ud)
Meerbusch. Der neue Abwasserdüker von Düsseldorf nach Ilverich hat gestern sein Ziel erreicht. 11,5 Millionen Euro kostet das Bauwerk. Von Sebastian Peters

Von einem "historischen Moment" sprach gestern Abend Claus Henning Rolfs, Betriebsleiter der Düsseldorfer Stadtentwässerung: "So ein Bauwerk wird in den nächsten 100 Jahren nicht wieder erstellt werden." In einem 980 Meter langen neuen Tunnel wird ab dem kommenden Jahr das Abwasser des kompletten Düsseldorfer Nordens nach Meerbusch befördert und dort im Klärwerk Nord in Ilverich gereinigt. 90 Millionen Liter Abwasser werden täglich durch den Düker fließen. Der entscheidende Bauschritt wurde gestern gemacht: Ein Bohrkopf von 2,40 Meter Durchmesser hat seit Februar einen Tunnel unter dem Rhein hindurch gegraben. Es war Milimeterarbeit - passgenau erreichte der Bohrer am Abend sein vorgesehenes Ziel hinter dem Deich in Büderich.

Seit 1965 reinigen die Düsseldorfer ihr Abwasser auf Meerbuscher Seite im Klärwerk Nord - das Bauwerk gehört der Stadt Düsseldorf. Ein alter, 1962 gebauter Abwasserdüker unter dem Rhein verband Jahrzehnte lang den Düsseldorfer Norden (alles nördlich des Rheinturms) mit der Kläranlage Nord. Dieser Düker (Fachbegriff für "Unterführung eines Rohres") war zweigeteilt und ursprünglich so konzipiert, dass die eine Hälfte gereinigt werden kann, während durch die andere Abwasser fließt. Bei einer Inspektion stellten die Techniker dann fest, dass die mittlere Trennwand an Dichtigkeit verlor. Zudem bemerkte der Düsseldorfer Stadtentwässerungsbetrieb im Jahr 2000, dass sich zahlreiche Feststoffe im alten Kanal abgesetzt hatten. Die Variante, den Düker mehrere Monate stillzulegen, schied aus - niemand hätte dann im Düsseldorfer Norden Duschen oder zur Toilette gehen können.

"Wir haben uns dann entschieden, für 11,5 Millionen Euro einen neuen Düker zu bauen", erklärte gestern Stadtentwässerungs-Betriebsleiter Claus Henning Rolfs. Die Alternative, stattdessen ein neues Klärwerk im Düsseldorfer Norden zu bauen, stellte sich nicht: "Ein neues Klärwerk kostet locker 200 Millionen Euro, das hätten wir auch nicht genehmigt bekommen", sagt Rolfs.

2014 hatten die ersten Arbeiten für den neuen Kanal auf Düsseldorfer Seite begonnen. Eine 27 Meter tiefe Baugrube wurde errichtet. Unten startete die Bohrung in der Horizontalen. Das Prinzip funktioniert so: Ein Bohrer fräst sich durch das Erdreich, die gelösten Teile werden mit einer Gleitmasse vermischt und nach hinten abgesaugt. Während die Maschine gräbt, werden hintenan Stahlbetonrohre mit einem Außendurchmesser von 2,40 Meter eingesetzt. "Im Mittel hat der Bohrer 16 Meter pro Tag geschafft", erklärt Claus Henning Rolfs. Fünf Meter unter der Sohle des Rheins verläuft der Tunnel.

Der neue Düker hat einen Durchmesser von 1,80 Meter, der alte einen von 3,80 Meter. Dennoch können beide die gleiche Menge Abwasser fördern. "Der alte war ja zweigeteilt", erklärt Rolfs. Er erinnert sich: "Als der alte Düker in Betrieb genommen wurde, durfte man zur Eröffnung von der einen zur anderen Seite laufen, das bekäme man heute nicht mehr genehmigt." Er habe dennoch die seltene Chance gehabt, mit einem Bauteam einige Meter im neuen Kanal gehen zu können.

Kuriosität am Rande: Während in Düsseldorf das Klärwerk linksrheinisch liegt, also genau auf der Seite, wo es weniger Düsseldorfer Einwohner gibt, liegt in Köln das Klärwerk rechtsrheinisch - ebenfalls dort, wo weniger Kölner wohnen. Auch die Kölner haben einen Düker unter dem Rhein.

Quelle: RP
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