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Meerbusch
"Hitlerjunge Salomon" zu Gast im Gymnasium

Meerbusch. Sally Perel war "Jude und Nazi in einem Körper", wie er selbst sagt. Vor 25 Jahren wurde sein Leben verfilmt. Gestern erzählte der 90-Jährige im Mataré-Gymnasium Schülern über die NS-Zeit Von Angelika Kirchholtes

"Sally, geh. Du sollst leben!" Diesen Abschiedsworten seiner Mutter, die ihm eine magische Kraft gaben, habe er sein Überleben zu verdanken, schilderte Sally Perel, der als "Hitlerjunge Salomon" die Schrecken der Nazizeit überstand. Am letzten Schultag war er gestern ins Büdericher Mataré-Gymnasium gekommen, um den Schülern der Oberstufe aus seinem 1990 verfilmten Leben zu erzählen, aber gleichzeitig auch vor den Gefahren kritiklosen Hinterherlaufens zu warnen.

"Das ist der absolute Höhepunkt des Schuljahres und eine große Ehre", begrüßte Schulleiter Christian Gutjahr-Dölls den agilen 90-Jährigen, der vor wenigen Tagen aus Israel angereist war. Nicht die Abenteuer seines Lebens standen im Mittelpunkt seines Vortrags, sondern was diese aus ihm gemacht hatten. Nämlich einen Menschen, in dem ein ewiges Tauziehen zwischen zwei Welten stattfand. "Ich war Jude und Nazi in einem Körper", erklärte er. Die Propaganda der Nationalsozialisten habe auch ihn erfasst. Mit Begeisterung habe er "Sieg, Heil" gebrüllt.

Als er mit 16 Jahren in das nationalsozialistische Internat in Braunschweig kam, hatte er bereits eine Odyssee hinter sich. Seine glückliche Kindheit in Peine endete abrupt, als er in Folge der Nürnberger Rassegesetze aus der Schule geworfen wurde: "Das ist bis heute eine offene Wunde", gestand Perel.

Seine Eltern flohen mit der Familie ins polnische Lodz. Nach dem deutschen Überfall auf Polen entschlossen sich die Eltern, ihre Söhne nicht mit ins Ghetto zu nehmen. Sally floh nach Ostpolen, wo ihn die Wehrmacht 1941 gefangen nahm. Jetzt stand der 16-Jährige vor der Frage: "Lügen oder zu seiner Identität stehen?"

Mit den Worten seiner Mutter im Ohr entschied er sich für die Lüge und somit für das Leben. Sein "Doppelleben" begann. Bald empfand er die Hakenkreuze auf seiner Kleidung nicht mehr als Verkleidung, sondern er identifizierte sich mit der Nazi-Ideologie: "Das klang alles so logisch!" Noch heute sei er diese Gehirnwäsche nicht mehr vollständig losgeworden. Erst sein Besuch in Auschwitz, wo er in einer Baracke auf Kinderschuhe und -locken blickte und sich klar machte, dass 1,5 Millionen Kinder dort vergast wurden, machte ihm sein einzigartiges Schicksal und seinen Auftrag klar: als Zeitzeuge für die Wahrheit zu kämpfen.

Den Schülern, die gebannt seinen Ausführungen gefolgt waren, empfahl er den Besuch eines KZ.

Quelle: RP
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