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Frank Maatz
"Ich bin jemand, der gern im Wettbewerb steht"

Frank Maatz: "Ich bin jemand,  der gern im  Wettbewerb steht"
FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Seit 100 Tagen ist der Erste Beigeordnete im Amt. Im Interview spricht der 56-Jährige über Kirchturmdenken, mögliche Ambitionen aufs Bürgermeisteramt — und seine Schwächen Von Martin Röse

Eigentlich wollte er seinen Job in Meerbusch erst zum 1. April antreten, sich in Ruhe einlesen, als Beigeordneter im sauerländischen Meinerzhagen eine geordnete Übergabe machen. Doch so viel Zeit ließ die Bürgermeisterin ihrem neuen Stellvertreter nicht. Maatz, dem man seine norddeutsche Herkunft anhören kann, ist gut gelaunt, wirkt entspannt. Der erste Urlaub seit seinem Amtsantritt in Meerbusch steht vor der Tür.

Sie waren Soldat, Polizist, haben in der Staatskanzlei von Niedersachsen gearbeitet und sind nun seit 100 Tagen im Amt als Erster Beigeordneter der Stadt Meerbusch. Wie oft haben Sie seither bereut, den Job angetreten zu haben?

Maatz Keinen Moment, auch wenn die letzten Wochen sehr anstrengend waren.

Sie sind für zahlreiche Bereiche zuständig: Ordnung, Sicherheit, Umwelt, Jugend, Soziales, Kultur, Sport und Service Recht. Was ist Ihr Lieblingsbereich?

Maatz Die rein verwaltenden Tätigkeiten erledige ich natürlich zuverlässig, aber - das will ich gerne zugestehen - nicht mit so einer Begeisterung, Freude und Leidenschaft wie die Herausforderungen, die Entwicklungsfragen betreffen. Ich bin gerne gestalterisch tätig.

Entwicklungsfragen klingt erstmal abstrakt. Haben Sie da ein Beispiel?

Maatz Schulentwicklung ist so ein Thema. Im Sommer werden wir den Beschluss fassen, zwei Grundschulen zusammenzulegen. Das ist natürlich der demografischen Entwicklung geschuldet. Wir werden weniger Menschen, älter, mit weniger Kindern. Das ist nichts, was einen froh macht. Wir müssen dafür die Infrastruktur der Stadt anpassen, eine sozial verträgliche Infrastruktur schaffen - und dürfen das Finanzielle dabei nicht aus dem Blick verlieren. Diese Aufgaben stehen jetzt in vielen Bereichen an.

Ein anderes Beispiel ist die Situation der weiterführenden Schulen. Die Gesamtschule musste jüngst fast ebenso viele Meerbuscher Kinder abweisen wie sie angenommen hat...

Maatz ...und diese bedauerliche Situation wird mit Beginn des Schuljahres im Jahr 2017 zufriedenstellend gelöst sein. Wir wollen dazu interkommunal zusammenarbeiten, haben bereits erste Gespräche geführt und werden am 20. April die Bürgermeister der betroffenen Kommunen mit einbinden. Das Ziel ist ausdrücklich nicht, viele Meerbuscher Schüler durch die Gegend zu fahren.

Wann erfährt die Öffentlichkeit, was Sie genau planen?

Maatz Dafür ist es jetzt noch zu früh. Wir sondieren ja gerade noch, klopfen Möglichkeiten ab. Im Herbst soll es dann eine öffentliche gemeinsame Sitzung der Schulausschüsse der möglichen Kooperationskommunen geben.

Verraten Sie uns Ihre größte Schwäche!

Maatz Ich habe zwei: Ungeduld und Schokoladensucht. Als Kind war ich Nutella-süchtig. Jetzt mit zunehmendem Alter bin ich auf Zartbitter umgestiegen. Eine Tafel ist da nix. Warum nicht? Ich rauche nicht, ich trinke Alkohol ganz selten. Wenn man viel arbeitet und eine hohe Stundenbelastung hat, muss man einen Ausgleich schaffen. Das ist für mich der Sport. Und Sport und Alkohol, das verträgt sich nicht.

Welcher Sport?

Maatz Laufen. Möglichst jeden Abend. Ich laufe gern an der Rheinaue entlang, am Wasser. Das ist eine schöne Runde: am Modellflughafen links, am Restaurant von Franjo Pooths Eltern vorbei, dem Landhaus Mönchenwerth. Das ist schön, wenn ein Riesenpott so langsam neben einem fährt und man gucken kann, ob man nicht schneller ist. Neulich bin ich leider abgehängt worden. Ich bin jemand, der gern im Wettbewerb steht. Aufgeben geht gar nicht. Wer aufgibt, hat schon verloren. Das ist etwas, womit ich ganz schlecht umgehen kann. Wenn's regnet oder kalt ist, gehe ich ins Fitnessstudio. Früher habe ich Handball und Fußball und Tischtennis im Verein gespielt, dafür reicht die Zeit leider nicht mehr.

Die Norddeutschen gelten eher als unterkühlt, und den Sauerländern sagt man nach, sie bekämen die Zähne nur auseinander, wenn sie an den Elektrozaun pinkeln. Sind Sie mit der rheinischen Lebensart schon warm geworden?

Maatz Frau Mielke-Westerlage, die Mitglieder des Rates der Stadt Meerbusch und die Kolleginnen und Kollegen der Stadtverwaltung haben mir den Einstieg in das rheinische Berufsleben leicht gemacht. Privat liegt mir die kontaktfreudige rheinische Lebensart ohnehin.

Aus Ihrer Sicht als Neubürger: Was gefällt Ihnen an Meerbusch?

Maatz Die geordneten sozialen Lebensverhältnisse, die hohe Aufenthaltsqualität, das vielfältige Freizeit- und Kulturangebot und die gute Anbindung an die umliegenden Oberzentren Düsseldorf und Köln.

Was würden Sie gern aus Ihrer vorherigen Wirkungsstätte Meinerzhagen importieren?

Maatz Die einzigartige Naturlandschaft der wunderschönen Stauseen und des Naturerlebnisparks. Zur Vorbereitung auf den Köln-Marathon habe ich die Laufstrecken dort sehr genossen. Der Bigge-See wird scherzhaft die Cote d'Azur des Sauerlands genannt, nicht ganz zu Unrecht.

Wo muss sich Meerbusch noch verbessern?

Maatz Bei gesamtstädtischen Herausforderungen - zum Beispiel die Demografie - dürfen einzelne Stadtteilinteressen etwas mehr in den Hintergrund treten. Ich würde mir wünschen, dass das Bewusstsein verstärkt vorherrschen wird, dass man sich den gesamtstädtischen Herausforderungen mehr widmen muss als den Stadtteilinteressen.

Bisweilen endet der Tellerrand auch an der Stadtgrenze. Verraten Sie uns: Werden wir uns künftig eine eigene Musikschule, eine eigene VHS leisten können?

Maatz Wir haben von der Politik den Auftrag erhalten, auch bei diesen Einrichtungen eine interkommunale Zusammenarbeit zu prüfen. Da sind wir am Anfang, in der Sondierungsphase. Da geht's um Fragen wie: Was haben wir? Wo sind mögliche Partner? Wo wollen wir eigentlich hin? Im September wird die Verwaltung im Kulturausschuss einen Bericht abgeben und eine Empfehlung aussprechen. Und dann kann der Rat entscheiden.

Was ist Ihr Ziel für die nächsten 100 Tage?

Maatz Meine Arbeitshaltung weiterleben: "Every day I do my best" (Ich gebe alles - jeden Tag).

Der Erste-Beigeordnete-Posten ist ein gutes Sprungbrett. Können Sie ausschließen, in fünf Jahren als Kandidat bei der Bürgermeisterwahl anzutreten?

Maatz Die Stadt Meerbusch hat mit Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage eine exzellente Amtsinhaberin. Ich wünsche mir, gemeinsam mit ihr noch viele Jahre konstruktiv für die Stadt Meerbusch arbeiten zu können. Aus Respekt vor der Lebensleistung von Frau Mielke-Westerlage verbietet sich für mich jegliche weitere Antwort, egal in welche Richtung.

Quelle: RP
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