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Meerbusch
"Ich bin zuständig für Segnungen aller Art"

Meerbusch: "Ich bin zuständig für Segnungen aller Art"
Gerd Krewer engagiert sich seit Jahren in der Pfarrei St. Mauritius Heilig-Geist. Er lebt seit 1984 in Meerbusch. FOTO: Dackweiler
Meerbusch. Seit Jahren engagiert sich der Büdericher Gerd Krewer in der Pfarrei St. Mauritius Heilig-Geist. Heute wird der 51-Jährige von Kardinal Rainer Maria Woelki im Kölner Dom zum Diakon geweiht Von Martin Röse

"Ich werde weiter ein verheirateter Mann bleiben, ich werde immer noch Vater zweier Töchter sein und meinem Zivilberuf nachgehen" - das schrieb der Büdericher Gerd Krewer vergangene Woche in den Pfarrnachrichten der katholischen Pfarrei St. Mauritius Heilig-Geist. Anlass des Schreibens: Heute wird der 51-Jährige im Kölner Dom zum Diakon geweiht - "dadurch aber wahrscheinlich keine komplette Veränderung erleben", sagt er lächelnd. Viele Mitglieder der Pfarrei begleiten ihn - ein Bus nach Köln wurde gechartert. Morgen gibt's um 11 Uhr ein Hochamt in der Pfarrkirche St. Mauritius. "Die Festpredigt hält der Priester, der meine Frau und mich getraut hat."

Wie kommt man auf die Idee, sich mit 51 Jahren zum ständigen Diakon weihen zu lassen? "Es geht für mich darum, zwei Welten in Einklang zu bringen", sagt Krewer. "Die Welt des Glaubens und die Alltagswelt." Viele Leute gingen sonntags in die Kirche - "aber man ist auch montags noch Christ."

Priester wollte der Wahl-Büdericher, der früher Messdiener war und in der Jugendarbeit seiner Heimatpfarrei im Bistum Trier aktiv war, nie werden. "Als Jugendlicher habe ich überlegt, aber festgestellt: Das ist nicht mein Weg." Diese Entscheidung habe aber, betont Krewer, nicht am Zölibat, der Ehelosigkeit der Priester, gelegen.

Seit Krewer mit seiner Frau Saskia 1984 nach Meerbusch kam, engagiert sich das Paar in der Pfarrei: Sie als Lektorin, im Taufkreis, er war Mitglied des Pfarrgemeinderates, arbeitete als Kommunionhelfer und Katechet für Firmlinge. "Die Idee, Diakon zu werden, war ein gemeinsames Steckenpferd von uns", berichtet Krewer. Die ersten Überlegungen liegen bereits sechs Jahre zurück. "Da waren die Töchter selbstständiger, man hatte mehr Zeit." Gemeinsam fuhr das Ehepaar zum Bistum, dort meldete sich Krewer an. Heimlich. "Nicht mal unsere Eltern wussten Bescheid; ich wusste ja nicht, ob ich das wirklich durchhalte."

Neben einem Vollzeit-Job als Leiter eines Tagungshauses in Essen legte Krewer mit seinem theologisch-philosophischem Studium los, jedes zweite Wochenende in Klausur - 24 Prüfungen, mehrere Hausarbeiten... "Das war manchmal echt heavy", erinnert sich der 51-Jährige. "Zumal einem in diesem Alter auch nicht mehr alles so zufliegt, als wenn man Anfang 20 ist."

Ein Diakon darf predigen, er assistiert dem Priester bei Messen, kann trauen, beerdigen, taufen. "Ich bin zuständig für Segnungen aller Art", sagt Krewer lachend. Bereits in den vergangenen Monaten begleitete er Pfarrer Michael Berning, beispielsweise bei Braut- und Taufgesprächen. "Die Leute gucken sofort auf meinen Ehering. Das ist wie ein Reflex", erinnert er sich. Bisweilen stellten die Menschen dann auch andere Fragen, als wenn nur der Priester dabei ist. Zum Beispiel: Wie ist das denn mit den schlechten Tagen?

Quelle: RP
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