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Heimat genießen - in Meerbusch
Im Gänsemarsch von der Wiese in den Stall

Heimat genießen - in Meerbusch: Im Gänsemarsch von der Wiese in den Stall
Waltraud Hofmann inmitten der Gänseschar auf dem Hof an der Broicherseite zwischen Bovert und Büderich. 800 Tiere werden dort gehalten, deren Leben aber befristet ist. Denn die Zeit des Martingans-Essens beginnt bald. FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Martinsgänse frisch vom Bauern: Auf dem Fehmeshof an der Meerbuscher Stadtgrenze zu Kaarst wachsen die Gänse natürlich auf, ehe sie im Backofen landen. Küken kommen im Alter von drei Wochen auf den Hof Von Angelika Kirchholtes

Aufgeregt schnattern die Gänse auf der Wiese am Rande des Meererbuschs, wenn sich ihnen neugierige Radfahrer nähern oder Autos laut vorbei preschen. Das erinnert an die Legende des Heiligen St. Martin, der von schnatternden Gänsen verraten worden sein soll, als er sich aus Angst vor der Bürde des Bischofsamtes im Gänsestall verstecken wollte. Und die darum seitdem rund um das Martinsfest im Backofen schmoren.

"Die Gänsezeit finde ich toll", sagt Waltraut Hofmann, Besitzerin dieser Geflügelschar, die jedes Jahr auf dem Fehmeshof von Bauer Berrisch groß gezogen wird. Und ergänzt: "Gänse sind mein Lieblingsgeflügel, und das jährliche Gänseessen ist schon etwas ganz Besonderes." Seit mehr als 25 Jahren gibt es die Gänsezucht bei Bauer Berrisch an der Broicherseite zwischen Bovert und Büderich. Die Anfänge liegen aber schon weiter zurück.

Als ihr Mann Josef noch ein Junge war, sei er auf die Idee gekommen, sein Taschengeld mit eigener Arbeit aufzubessern, erzählt Hofmann. Er habe sich Gänseküken gekauft und diese erfolgreich großgezogen. Daraus ist die heutige Aufzucht entstanden. Sie umfasst inzwischen um die 800 Tiere, die sich auf der grünen Wiese direkt am Wald offensichtlich pudelwohl fühlen. Sie kommen im Alter von drei Wochen als Küken Anfang Juli aus Norddeutschland nach Meerbusch. "Den dortigen Landwirt kennen wir seit mehr als 20 Jahren", erzählt Hofmann, die selbst von einem fränkischen Bauernhof stammt.

Die kleinen Gänschen haben zunächst noch etwas Flaum zwischen den Federn und müssen daher bei Feuchtigkeit im Stall bleiben. Aber kaum haben sie ein richtiges Federkleid, dürfen sie sich tagsüber nach Herzenslust auf der Wiese tummeln. "Unsere Tiere wachsen ganz natürlich auf. Wir füttern nur hofeigenen Weizen zu", erzählt die Landwirtin. Trinken können die Tiere an dem Bächlein, das am Waldesrand vorbeifließt oder in einer der Tränken auf der Wiese. "Unsere Gänse werden regelmäßig vom Tierarzt untersucht. Seit mehreren Jahren haben wir keine Medikamente mehr geben müssen. Die Tiere waren glücklicherweise immer gesund."

Hofmann hält die Aufzucht für unproblematisch. Aber natürlich müsse man Tiere und Ställe immer sauber halten. Abends marschieren die Tiere nämlich gruppenweise im Gänsemarsch in ihre feste Unterkunft. Läuft eine los, watscheln ihr schnatternd die Kollegen hinterher. Das hört sich nach einem schönen Tierleben an. Aber es endet jäh zwischen Ende Oktober und Mitte Dezember, wenn die Gänse ihr Schlachtgewicht von 3,5 bis 6,5 Kilo erreicht haben. "Wir schlachten selbst auf dem Hof und haben dafür natürlich den notwendigen Sachkundenachweis", unterstreicht die Gänsemutter. Dazu versammelt sich frühmorgens eine Mannschaft aus acht Personen und macht den Tieren, die vorher separiert wurden, um die Herde nicht aufzuregen, den Garaus. Nach getaner Arbeit gibt es ein gemeinsames gemütliches Frühstück.

Auch Kinder und Enkel sind schon mit dabei. "Als einer der Enkel einmal im Kindergarten erzählt hat, dass er heute Morgen beim Gänseschlachten geholfen hat, haben alle gedacht, es handele sich um eine Fantasygeschichte", erzählt Hofmann lächelnd. Für die Kinder des Hofes sei das aber ein ganz natürlicher Vorgang. Die geschlachteten Tiere werden maschinell gerupft, abgeflämmt, ausgenommen und teilweise portioniert. "Wir verkaufen nicht nur ganze Gänse, sondern auch Brust oder Keule", berichtet Hofmann. Man könne aber auch Hals oder Flügel bestellen. Aus den Resten und Innereien werden Suppen gekocht und Soßen zubereitet, die im Weckglas im Hofladen zum Verkauf stehen. Der Rotkohl im Glas wird mit Gänseflomen verfeinert.

Die meisten Gänse werden im November als Martinsgänse oder vor Weihnachten verkauft - Vorbestellung notwendig. Die Kunden können ein hofeigenes Rezept mitnehmen, wenn sie unsicher in der Zubereitung sind. Waltraut Hofmann selber mag Gänse am liebsten klassisch - mit Maronen, Boskop-Äpfeln und Rotkohl. "Wenn die Familie Berrisch mit vier Generationen dann um den großen Tisch versammelt ist und die Gänse tranchiert werden, ist das ein ganz besonderer Moment."

Quelle: RP
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