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Meerbusch
Im Überflug mit der Drohne

Meerbusch: Im Überflug mit der Drohne
Pilot Lukas Kremkau (l.) und sein Kollege Andreas Müller bringen die Drohne für die Inspektion der Windkraftanlage in Position. FOTO: Anja Tinter
Meerbusch. Die Firma Spectair aus Meerbusch ist einer der größten Drohnen-Dienstleister Deutschlands. Zu ihrer Arbeit gehört unter anderem die Inspektion von Industrieanlagen. Von Philip Ziche

Wie eine riesige fliegende Spinne sieht die Drohne aus, als sie mit brummenden Propellern abhebt und an der Windkraftanlage emporsteigt. Sie soll die Rotorblätter aus nächster Nähe inspizieren. Vom Boden aus kontrollieren zwei Piloten das kleine Flugobjekt mit großer Präzision, um scharfe Großaufnahmen zu machen. Diese werden dann ausgewertet und an den Betreiber der Anlage, die Duisburger Stadtwerke, geschickt. Mit diesem umfassenden Angebot will sich Spectair vom Großteil der Konkurrenz abheben.

Spectair ist ein Drohnen-Dienstleister aus Meerbusch, wurde 2012 gegründet, sitzt auf dem Areal Böhler und ist von dort international tätig. Am Anfang war Spectair Pionier in der Branche. Inzwischen ist das Drohnengeschäft deutlich größer geworden. Offizielle Zahlen gibt es nicht, aber es sind in Deutschland hauptsächlich kleine Unternehmen, die Dienstleistungen mit Drohnen anbieten. Die unbemannten kleinen Flugmaschinen können zum Beispiel Filmaufnahmen und Fotos machen oder schwer zugängliche Orte untersuchen und begutachten. Amazon und die Deutsche Post arbeiten derzeit zudem an einem Drohnen-Modell, mit dem Pakete versandt werden können.

Nach Angaben des Unternehmens ist Spectairs Angebot - zumindest in Deutschland - einzigartig. Neben der Mutterfirma gehören auch die Drohnen-Manufaktur Height Tech und das Forschungszentrum Flairics zur Unternehmensgruppe. Insgesamt beschäftigt die Unternehmensgruppe 40 Mitarbeiter."In Deutschland gibt es nicht viele Anbieter in dieser Größenordnung", sagt eine Sprecherin.

Meistens kommen Aufträge aus der Industrie. Per Drohne sollen vor allem technische Anlagen oder Bauwerke auf Mängel inspiziert werden. Damit das problemlos funktioniert, bildet Spectair seine Piloten in der eigenen Akademie aus. Zusätzlich bringen die Piloten Fachwissen in Bereichen wie Geologie oder Windenergie mit. So ist gesichert, dass den Inspektoren nichts entgeht. Die Bilder der Drohne wertet Spectair auf Wunsch aus; manche Kunden möchten diesen Schritt aber auch selbst machen. Neben Inspektionen bietet Spectair auch Filmaufnahmen oder die Erhebung von Geodaten an. Letzteres wird mit speziellen Kameras gemacht, die die Topographie eines Geländes aufnehmen können. Mit diesem Verfahren werden unter anderem Baugruben vermessen. Zum Repertoire gehört zudem ein Scanner, der selbst durch Vegetation hindurch Oberflächen erfasst. Diese Technik kam unter anderem bei einem Auftrag in England zum Einsatz, wo Spectair für das Museum of London Archaeology Strukturen unter Bepflanzung sichtbar machen sollte.

Dank der hauseigenen Drohnen-Herstellung können viele unterschiedliche Bereiche abgedeckt werden. Beispielsweise hat eine spezielle Drohne, im Gegensatz zu vielen anderen Modellen, das Kameragestell vor statt unter sich. "Dadurch kann die Drohne auch nach oben fotografieren. So ist es möglich, Schäden an und unter Brücken zu dokumentieren", erklärt Drohnen-Pilot Lukas Kremkau.

Im Gegensatz zu privaten Drohnen-Piloten kann Spectair seine "unbemannten Luftfahrtsysteme" jederzeit starten. Im Flug gelten aber die normalen Regeln - Flughäfen müssen gemieden werden, zudem muss ständiger Blickkontakt zur Drohne bestehen.

Die Meerbuscher sind auch international gefragt. Neben dem archäologischen Auftrag aus London wurden Funkmasten in England von Spectair inspiziert. Zudem arbeitet die Firma in Kooperation mit der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FOA) an einem Prototypen, dem "Moskitocopter". Die speziell gebaute Drohne soll bei der Bekämpfung von durch Mücken übertragene Krankheiten wie Malaria oder Zika helfen. Dafür verteilt der "Moskitocopter" sterilisierte Mückenmännchen in gefährdeten Gebieten; mit Hilfe der Drohne können vor allem auch entlegene Gegenden erreicht werden. Die Mücken-Weibchen paaren sich dann mit den sterilisierten Männchen, ohne dass weiterer Nachwuchs entsteht. Mit dieser Methode wäre es für die FOA möglich, das Risiko der von Mücken übertragenen Krankheiten einzudämmen, da Mücken sich nur ein einziges Mal im Leben fortpflanzen.

Dass die Branche noch jung ist und die Bevölkerung oft nicht genau weiß, was mit Drohnen alles machbar ist, zeigt ein Auftrag, den Spectair von einem Anwohner bekommen hat: Der Mann soll darum gebeten haben, seinen verloren gegangenen Hund mit Drohnen in einem Wald zu suchen. Der Auftrag wurde allerdings abgelehnt.

Quelle: RP
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