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Gastbeitrag Pfarrer Wilfried Pahlke
"Integration und liebevolle Aufnahme tun not und gut"

Meerbusch. Pfarrer Wilfried Pahlke von der evangelischen Kirchengemeinde Büderich hat für alle Gemeinden einen Beitrag verfasst

"Ich hoffe, dass du nie flüchten musst aus deiner Heimat", wiederholte meine Großmutter Martha zu allen passenden Gelegenheiten mit einem großen Ernst in der Stimme. Nicht selten flossen auch Tränen. Meine Vorfahren mussten aus Ostpreußen fliehen, wo wiederum deren Vorfahren vom Preußenkönig angesiedelt wurden, als sie als "Protestantische Salzburger" aus Österreich fliehen mussten. Ich bin schon ein wenig stolz auf diesen Stammbaum.

Über Schleswig-Holstein kamen sie ins Rheinland. Um es vorsichtig auszudrücken: Die Aufnahme hier hätte schon freundlicher sein können. Nein, meine Vorfahren erlebten im Rheinland viel Hass, aber Gott sei Dank auch Hilfe.

Und nun haben wir Massen an Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen - es sollen möglicherweise bis Ende des Jahres eine Million sein.

Ängste und dummer Protest auf der einen Seite, herzliches Willkommen und viele ehrenamtliche Zeitspenden in allen möglichen Bereichen auf der anderen. In Büderich und in ganz Meerbusch gab es und gibt es eine Welle der Hilfsbereitschaft, über die wir alle nur dankend staunen können. Wir Christen sind beim Thema "Flucht" und "Flüchtlinge" quasi zu Hause. Die Geschichte Gottes mit uns Menschen ist eine Geschichte von Flucht und Fremdheit. Abraham und Sara sind Migranten. Sind nicht die Söhne Jakobs sogar Wirtschaftsflüchtlinge, als sie zu ihrem Bruder nach Ägypten fliehen? Und auch Jesus selbst musste als kleines Kind bereits fliehen, weil sein Leben bedroht war. Der König Herodes hatte Angst vor einem neuen König der Juden. Skrupel- und gewissenlos brachte er deshalb alle männlichen Personen bis zum Alter von zwei Jahren um.

Aus vielerlei Gründen, ob nun rassische oder kriegerische, ethnische oder religiöse, kommen Menschen aus anderen Kulturen zu uns. Integration und liebevolle Aufnahme tun not und gut. Schon im Alten Testament ist es gesetzlich verankert: "Die Fremdlinge sollt ihr nicht unterdrücken". Jesus selber spricht in der wichtigen Rede vom Weltgericht: "Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen. Was ihr getan habt einem meiner geringsten Brüder, das habt ihr mir getan." Es ist also die Frage, wie wir mit den Migranten umgehen, denn das lässt einen Schluss zu, was das Flüchtlingskind Jesus, der Mann der gelebten Nächstenliebe, das Vorbild ausnahmsloser Annahme uns bedeutet.

DER AUTOR: WILFRIED PAHLKE IST PFARRER DER EVANGELISCHEN KIRCHENGEMEINDE BÜDERICH

Quelle: RP
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