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Meerbusch
Jetzt brauchen die Helfer Geld

Meerbusch: Jetzt brauchen die Helfer Geld
Verena Uhl und Felicitas Klein (v.l.) sortieren gemeinsam mit Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage die gespendete Kleidung. Ab heute können keine Kleiderspenden mehr im Pappkarton angenommen werden, die Räume platzen aus allen Nähten. FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Tausende von Meerbuschern haben in der vergangenen Woche tonnenweise Kleidung, Schuhe, Bettwäsche, Handtücher und Kinderspielzeug im Pappkarton abgegeben. Unterkunft in Turnhalle bleibt mindestens drei Monate Von Anke Kronemeyer

Die alte Jugendfreizeitstätte, der "Pappkarton" am Fouesnantplatz in Strümp, platzt aus allen Nähten. Hunderte von Kartons stapeln sich - sortiert nach Damen-, Herren- oder Kinderbekleidung - im Eingang. Im größeren Raum liegen unsortierte Berge von Kleiderspenden, die bis an die Decke reichen. Die Regale an den Wänden sind pickenpackenvoll mit Hosen, Hemden, Taschen oder dicken Jacken.

Ingeborg Horstmann-Rabba (l.) nimmt die Kleiderspenden von Jutta und Lyn Peters aus Strümp an. FOTO: Dackweiler, Ulli (ud)

"Wir können jetzt leider keine Kleiderspenden mehr annehmen", erklärt Hans Günter Focken im Namen aller Ehrenamtler. "Was wir jetzt am meisten gebrauchen können, ist Bargeld, damit wir Kartons kaufen oder uns Transporter leihen können." Der SPD-Politiker ist einer von rund 50 Helfern, die seit einer Woche fast rund um die Uhr im Pappkarton aktiv sind. Eigentlich müssen nur fünf Helfer ständig da sein. "Es kommen aber jeden Tag 20 bis 30", freut sich Focken über die Hilfsbereitschaft vor allem von vielen jungen Leuten.

So wie Tom Burmann, der jeden Tag einfach vorbeikommt und genau dort mitanpackt, wo es nötig ist. Aber noch mehr freut sich Focken über die Spendenbereitschaft der Meerbuscher. Die habe ihn wirklich sprachlos gemacht. Ebenso sieht das Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage, die den Helfern und Spendern am Samstag einen Besuch abstattete. Sie packte - genauso wie Erster Beigeordneter Frank Maatz - nicht nur tatkräftig mit an, sondern fragte auch dezidiert nach den Bedürfnissen der Ehrenamtler.

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Sie versprach, sich heute oder morgen um den Transport von Spenden zu kümmern "Vielleicht können wir da mal einen Transporter der Stadtverwaltung fahren lassen." So müssen von den 700 gespendeten Koffern gut 500 woanders gelagert werden, weil der Raum an der früheren Jugendfreizeitstätte zum Schulanfang anderweitig gebraucht wird.

Ein anderes Problem ist Lagerplatz. Focken: "Wir brauchen dringend eine trockene Halle, die wir für einen längeren Zeitraum nutzen können."

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Die Sachen, die in der vergangenen Woche in der Kleiderkammer abgeben worden sind, werden nach und nach immer wieder an die Christuskirche nach Büderich gebracht. Dort holen sich die 150 Flüchtlinge, die seit einer Woche in der Mataré-Turnhalle untergebracht sind, das Nötigste. Aber auch die Flüchtlinge, die zum Teil schon seit Wochen oder Monaten in festen Einrichtungen betreut werden, sollen von den Spenden aus der vergangenen Woche profitieren. Außerdem öffnet dann bald, wie geplant, die Kleiderkammer im Pappkarton für alle Bedürftigen aus Meerbusch - egal, welcher Herkunft. In den Räumen soll im Laufe des Jahres ein Begegnungszentrum für Flüchtlinge, Helfer und Meerbuscher werden. Das Konzept dazu wird gerade unter Regie der Diakonie entwickelt.

Zu den Spendern gehörten auch Jutta Peters und ihre zehnjährige Tochter Lyn. Das Mädchen besucht das Mataré-Gymnasium und weiß, dass es im neuen Schuljahr erst einmal auf den Schulsport in der Halle verzichten muss. "Dann gehen wir eben raus", schlägt sie vor. Sie hat viele Anziehsachen von sich und ihrem elfjährigen Bruder Ole in der Kleiderkammer abgegeben, weil sie weiß, dass die Flüchtlingskinder das gut gebrauchen können. "Nur von meinen Kuscheltieren konnte ich mich noch nicht trennen."

Quelle: RP
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