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Meerbusch
Kinder an die Macht

Meerbusch: Kinder an die Macht
FOTO: RP/Schnettler
Meerbusch. Meerbusch wird Modellkommune für Teilhabe von Kindern und Jugendlichen. Jetzt wurde das Pilotprojekt Lehrern, Ratsmitgliedern und Mitarbeitern der freien Jugendarbeit vorgestellt. Erste Idee: ein Skaterpark Von Maike Billen

Ein Modellprojekt soll die soziale und politische Beteiligung der jüngeren Generationen fördern. Die Idee: die drei Säulen Schule, offene Jugendarbeit und Kommunalpolitik stärker miteinander vernetzen

Ulla Bundrock-Muhs von der Querkopf-Akademie hat ein klares Ziel: "Man darf kein Kind aus der Gesellschaft aussteigen lassen." Um dem vorzubeugen, will sie die junge Generation zur politischen und sozialen Teilhabe motivieren. "Ich will nicht gar nicht so viel auf Strukturen rumhacken." Ganz sein lassen kann die 59-Jährige es aber doch nicht, als sie das Projekt "Meerbusch wird Modellkommune für Partizipation von Kindern und Jugendlichen" im JuCa in Osterath vorstellt.

Das Pilotprojekt basiert auf ein Säulenmodell, bestehend aus Schule, offene Jugendarbeit und Kommunalpolitik. "Alle sind gleichwertig, aber zu wenig miteinander vernetzt", sagt die Initiatorin. Anders als die Schule sei Jugendarbeit ein bewertungsfreier Raum. In der Kommunalpolitik werden zentrale Entscheidungen getroffen.

In allen drei Säulen sei die Mitbestimmung verankert. Das Landesjugendamt Köln hat das Projekt als förderfähig eingestuft. Es soll von Juni 2015 bis Ende März 2016 laufen; die endgültige Finanzierungszusage steht noch aus. In der Zeit wird Bundrock-Muhs eine Bestandsaufnahme machen, sich nach demokratischen Strukturen wie Kinderparlamente oder Schülervertretungen erkundigen. Vor allem über die Schulen soll das Vorhaben bekannt gemacht werden. Auch bei der offenen Jugendarbeit und der Politik wird sie mit dem Projekt anklopfen. Darauf aufbauend will Bundrock-Muhs zwischen den Säulen koordinieren. Das Ziel ist, Win-win-Situationen zu schaffen. Zusätzliche Kosten sollen nicht entstehen. Als Beispiel nannte sie eine Schule, an der das Schülerparlament entschied, im Schulgebäude Hausschuhe zu tragen. "Die Reinigungskosten reduzierten sich um die Hälfte."

Das erste Vorhaben ist im Gange. Im September 2014 wandten sich ein neunjähriger Junge und ein elfjähriges Mädchen aus Osterath an die Bürgermeisterin. Sie hatten eine Liste von 88 Unterschriften dabei. Ihr Anliegen: ein Skaterpark. Angelika Mielke-Westerlage (CDU) nahm sich der Sache an, warb 6000 Euro Spendengelder ein und begutachtete den möglichen Standort Am Krähenacker. Den weiteren Bau werden die Skate-Fans planen, also Angebote einholen oder Finanzierungsquellen ausloten. Treffpunkt ist das JuCa. Einmal im Monat finden "Dilemma-Stunden" statt. Rückschläge oder Ideen, die im Sande verlaufen, werden diskutiert: "Man kann 100 Jahre auf einer Ebene bleiben oder die Ebene wechseln und das Dilemma lösen", erklärt Bundrock-Muhs. Den Druck, dass alles gelingen muss, soll es nicht geben.

Die jungen Menschen sollen von der Erfahrung zehren, dass sie etwas bewirken können: "Wie in einer Hängematte sollen sie sich fühlen", sagt Bundrock-Muhs. Sie wird die Fortschritte dokumentieren. Rund 30 Jahre war Bundrock-Muhs an der Realschule Osterath tätig, besonders aktiv im Bereich Schülervertretung, seit acht Jahren engagiert sie sich in der offenen Jugendarbeit. Ihre Querkopf-Akademie ist eine Art Denkfabrik mit dem Schwerpunkt Jugendförderung.

CDU-Ratsfrau Petra Schoppe sagt: "Alles, was Jugendliche betrifft, ist ein schnelllebiges Geschäft. Die Verfahren in der Kommunalpolitik nicht immer." Daher sei die Verbindung der Säulen so wichtig. Die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses will Bundrock-Muhs bald in eine Sitzung einladen. Anne Weddeling-Wolff, Leiterin der Martinus-Schule in Strümp, hält die Vernetzung für sinnvoll: "Partizipation ist ein wichtiges Thema - gerade in Schulen."

Peter Annacker, Leiter des Jugendamtes, sagt: "Wenn das Projekt gelingt, könnte es Modellcharakter für andere Kommunen haben." Nach und nach könnte sich eine Beteiligungskultur entwickeln. Es sei wichtig, dass Kinder und Jugendlichen eine Rückmeldung erhalten. "Sonst tritt Politikverdrossenheit und Resignation ein", sagt Annacker. Bundrock-Muhs möchte mit ihrem Projekt Synergieeffekte schaffen und das Ressortdenken aufbrechen: "Als Kommune müssen wir uns auf den Weg machen - bei allen Wenns und Abers, die es geben wird."

Quelle: RP
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