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Analyse
Konverterstandort: Landrat sollte Klartext reden

Meerbusch. Die Mitglieder der Initiative gegen den Doppelkonverter Osterath sind enttäuscht - zu Recht. Hans-Jürgen Petrauschke hat seine Teilnahme an der für kommenden Sonntag (27. August, 15 Uhr) geplanten Protestkundgebung gegen den Doppelkonverter auf dem Osterather Kirchplatz abgesagt. Der Landrat hat an diesem Sonntag bereits einen anderen Termin: das Neusser Bürger-Schützenfest.

Zur Erklärung für alle Nicht-Neusser an dieser Stelle: Das Neusser Schützenfest ist nicht irgendein Kostüm-Umzug - es ist das weltweit größte Schützenfest, das von einem einzigen Schützenverein organisiert wird und bei dem keine Gastzüge aus anderen Städten teilnehmen. Allein mehr als 7000 Marschierer werden am kommenden Sonntag auf der Straße sein. Der chinesische Botschafter aus Berlin wird als Ehrengast die Parade miterleben und der Landrat - quasi als Mit-Gastgeber - in der ersten Reihe stehen. Also: Ja, das Neusser Schützenfest ist ein wichtiger repräsentativer Termin. Und: Ja, Hans-Jürgen Petrauschke hat Glück, dass dieser genau auf den Tag der Konverter-Demo fällt. Sonst hätte er einen anderen wirklich guten Grund nennen müssen, warum er den Osterathern zur Konverterstandortsuche nicht Rede und Antwort steht. Und davon gibt es nicht besonders viele.

Schließlich war es der Landrat und Vorsitzende des Regionalrats, der seinerzeit die vom Netzbetreiber Amprion favorisierte Dreiecksfläche in Kaarst ins Gespräch gebracht hat. Würde Petrauschke am Sonntag zur Protestkundgebung kommen, könnte er zum Beispiel versuchen zu erklären, dass er als Landrat trotzdem dem Wohl des gesamten Kreises, und nicht einer einzelnen Kreis-Kommune verpflichtet ist. Er könnte sagen, dass er deshalb, genauso wie die schwarz-gelb-grüne Mehrheit der Mitglieder im Regionalrat, lieber keine Entscheidung gegen Kiesabbau auf der Dreiecksfläche und damit für einen Konverterstandort Kaarst treffen möchte. Das wäre dann nicht das, was die Meerbuscher hören wollen, aber es wäre ein Zeichen und - wenigstens ehrlich. Petrauschke könnte natürlich auch seinen Stellvertreter, Kreisdirektor Dirk Brügge, zugleich Fraktionsgeschäftsführer der CDU im Regionalrat und Kaarster, zur Konverter-Demo schicken. Aber auch das ist bisher nicht angedacht. Was bleibt, ist ein Gefühl von Ohnmacht. Die Osterather fühlen sich überrumpelt, ausgetrickst und alleine gelassen. Niemand spricht Klartext, alle schieben den Schwarzen Peter hin und her, wobei nach wie vor unklar ist, wer denn nun endgültig worüber entscheiden kann und, wer einen Vorteil aus einer Entscheidung gegen Kaarst - den unter den vorhandenen Standortfavoriten unumstritten besten, weil am weitesten von der Wohnbebauung entfernten Standort - zieht. Diese Fragen müssen geklärt werden.

julia.hagenacker@rheinische-post.de

Quelle: RP
 
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