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Meerbusch
Landhaus Kierst unter neuer Regie

Meerbusch: Landhaus Kierst unter neuer Regie
Franz-Josef und Heike Münker mit ihren Nachfolgern Evelyn und Marina Westerholt. FOTO: Falk Janning
Meerbusch. In Kierst geht eine Ära und Tradition zu Ende: Heike und Franz-Josef "Kuki" Münker haben ihren Reiterhof verkauft. Im Januar findet das erste Springen statt. Die neuen Besitzer planen einen großen Umbau Von Falk Janning

Bereits in der dritten Generation führen sie die Anlage im Schatten der Kierster Kirche. Mangels Nachfolger haben sie sich zu diesem Schritt entschlossen, das komplette Gelände zu verkaufen. Tochter Pia, die in Warendorf sportlich sehr erfolgreich ist und dem Bundeskader angehört, wollte mit 23 Jahren nicht in die Fußstapfen ihrer Eltern treten und den Leistungsreitsport gegen die Arbeit im "Haus Kierst" eintauschen. Und so übernimmt am 1. Januar die Familie von Evelyn und Norbert Westerholt mit ihren Kindern Sophie (20) und Marina (17) die Anlage - mitsamt dem historischen Wohnhaus, den beiden Reithallen, Ställen und Wiesen. "Wir haben uns dazu entschlossen, weil meine Frau und Töchter leidenschaftlich gerne reiten", sagt der 52-Jährige, der als Generalmanager bei Evonic in Krefeld arbeitet. Das Haus am Strümper Berg, wo sie bislang wohnten, ist bereits verkauft.

"Kuki" Münker erklärte jetzt am Rande einer stallinternen Abschiedsfeier: "Ich möchte in meinem Alter etwas kürzer treten, da kam das Interesse der Westerholts genau zum richtigen Zeitpunkt, es passt einfach perfekt." Sein Großvater hatte das "Haus Kierst" bereits bewirtschaftet, vor 100 Jahren allerdings noch ausschließlich als Landwirt. Das änderte sich erst 1969, als Franz-Josef Münker gemeinsam mit seinen Eltern Christa und Heinrich den ersten Pferdestall eröffnete. Schritt für Schritt wandelten sie den Bauernhof zu einem reinen Pferdehof um. "Kuki" Münker weiß sogar das Datum noch ganz genau, das die Zeitenwende einläutete: "Am 16. September 1971 kamen alle Kühe, Schweine und Hühner vom Hof", sagt der 65-Jährige. "Am 6. Juni 1972 eröffneten wir dann den Reitstall Haus Kierst, wenig später gründeten wir den Reiterverein."

Stall und Verein wuchsen schnell. Und so wurde 1985 die Vergrößerung und Erweiterung der alten Halle notwendig, 2006 eine zweite gebaut. Auch sportlich ging es steil bergauf, die Spring- und Dressurturniere wurden bundesweit bekannt, Europameister und Olympiasieger nahmen daran teil, und zuletzt gab es im gesamten Kreis Neuss nur noch das Haus Kierst mit einem regelmäßigen Vielseitigkeitsturnier. 2008 fand dort die Sichtung zur Europameisterschaft für Ponys statt, 2009 wurde an der Kierster Straße die Kreismeisterschaft ausgetragen und 2010 sogar das Landesturnier vom Rheinland.

Die Kierster Pferdefreunde sind in Aufruhr, seit sie erfahren haben, dass es bald einen neuen Besitzer geben wird, der im großen Stil umbauen möchte. Eine Menge Gerüchte zirkulieren im Dorf, es ist die Rede davon, dass der Reitstall in Zukunft nur noch einem kleinen elitären Zirkel zugänglich sein wird, der kein Interesse an Vielseitigkeitsturnieren hat. Eine ganze Reihe von Reitern sind in den vergangenen Wochen aus dem Reiterverein Haus Kierst ausgetreten und haben ihre Pferde woanders untergebracht.

Tatsächlich wollen die neuen Eigentümer im Januar mit einem großen Umbau beginnen, der sowohl das Wohnhaus als auch die Stallungen und die Gaststätte umfasst. "Viel ändern wird sich dadurch aber nicht", versichert Evelyne Westerholt, die bereits seit acht Jahren auf dem Hof reitet und sechs Pferde in den Ställen stehen hat. "Wir wollen die ganze Anlage lediglich etwas aufhübschen und die Anzahl der Pferde von 70 auf 50 verringern, um etwas Platz zu schaffen."

Im nächsten Jahr werde es wegen der Bauarbeiten zwar erst einmal keine Turniere geben. "Im übernächsten Jahr aber wollen wir die Tradition mit jeweils einem Spring- und einem Dressurturnier pro Jahr wieder aufleben lassen. Ich freue mich auf die neue Aufgabe." Norbert Westerholt betont, dass sie sich nicht abschotten wollen. "Wir werden zwar einen Zaun um den Hof ziehen, weil wir wissen möchten, wer alles auf dem Hof herumläuft. Der Hof soll aber weiterhin ein Teil des Dorfes bleiben, wir wollen uns aktiv in der Dorfgemeinschaft einbringen", sagt der gebürtige Berliner. Die Gaststätte wird allerdings nicht mehr geöffnet, der Raum soll ausschließlich den Reitern dienen. Im hinteren Bereich wird ein Büro errichtet.

Auch den Reitlehrer "Kuki" Münker wird es zukünftig im "Haus Kierst" geben. "Reiten ist mein Leben, das steckt mir im Blut, darauf kann ich nicht verzichten", sagt der 65-Jährige, der noch 16 Pferde besitzt und mit seiner Frau gerade in ein Mietshaus in Ilverich zieht.

Quelle: RP
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