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Meerbusch
Lanker rettet Löwen-Leben

Meerbusch: Lanker rettet Löwen-Leben
Auf dem Fußboden operierte der Lank-Latumer Tierarzt Dr. Jens Diel die 200 Kilogramm schwere Löwin Leah im Duisburger Zoo. FOTO: Andreas Probst
Meerbusch. Der Meerbuscher Tierarzt Dr. Jens Diel ist Spezialist für schonende Operationen. Im Duisburger Zoo sollte er die Löwin Leah kastrieren. Statt eines Routineeingriffs wurde es ein zweistündiger Einsatz auf Leben und Tod. Von Norbert Stirken

Eine Löwin operiert der Lank-Latumer Dr. Jens Diel nicht alle Tage. Die Kastration der Raubkatze Leah schien dennoch eher ein Routineeingriff zu werden. "Katze ist Katze", sagte der Tierarzt und Spezialist für minimal-invasive Operationstechniken zuversichtlich, als er von der Kollegin Dr. Kerstin Jurczinski aus dem Duisburger Zoo um Hilfe gebeten wurde. Doch dann geriet der Eingriff an dem 200 Kilogramm schweren Tier zu einem Wettlauf zwischen Leben und Tod.

Während der endoskopischen Untersuchung an der in ihrem Stall narkotisierten Löwin stellte sich heraus, dass der Raubkatze eine Zyste in der Größe einer Männerfaust an der Gebärmutter anhaftete. "Zum Glück war die Zyste mit Flüssigkeit und nicht mit einem Tumor gefüllt", berichtete Diel. Eine offene Operation hätte wahrscheinlich den Tod des Tieres bedeutet. Zwei Löwinnen waren im Zoo bereits verendet.

Der Versuch, die Raubkatzen mit Hormonimplantaten unfruchtbar zu machen, hatte gravierende Nebenwirkungen. Die Löwinnen bekamen Entzündungen der Gebärmutter. Das erste Tier starb an einer eitrigen Vergiftung, und das zweite leckte sich die Operationswunde auf und verspeiste seine eigenen Innereien. "Die Zunge der Löwen ist so rau, dass sie selbst mit Draht genähte Wunden ohne Probleme öffnen", berichtet Diel. Die Zoo-Tierärztin entschied kurzerhand, das Risiko einzugehen, Leah in der Narkose zu verlieren. Nach den bisherigen Erfahrungen kam eine konventionelle Operation aber nicht infrage.

Gut zwei Stunden hockte der Tierarzt im Stall des Zoos über Leah gebeugt, um den Zysten-Inhalt abzusaugen und den Geweberest zu entfernen sowie die Kastration durchzuführen. Assistiert wurde ihm von seinen Kollegen und Mitarbeitern der Meerbuscher "Kleintierklinik" im Gewerbegebiet In der Loh, Dr. Nina Keuer-Leber und Franziska Willms. "Das war Schwerstarbeit", sagte Diel, der durch die ungewohnte Haltung während des Eingriffs erhebliche Rückenschmerzen davontrug. Das Team des Zoos kümmerte sich derweil um die Überwachung der Narkose.

Der minimal-invasive Eingriff bei Großkatzen stellt einen Fortschritt dar, der in der Branche interessiert registriert wird. Während der Operation waren nicht nur andere Tiermediziner als Beobachter vor Ort, sondern auch ein Fernsehteam des Senders Vox zugegen. "Wenn die Löwin gestorben wäre, hätte das für die Popularität der den Patienten schonenden Methode einen Rückschlag bedeutet", sagt Diel. Jetzt haben er und sein Team, das im Alltag überwiegend Hunde und "Stubentiger" behandelt, Blut geleckt. "Wir können uns nun auch an größere Tiere herantrauen", sagt der 42-jährige Familienvater und denkt dabei an alle Arten von Raubkatzen wie Leopard, Tiger, Panther, aber auch an Wölfe, Schakale und Menschenaffen. "Die porkeln sich ihre Wunden nach einer konventionellen Operation auf", berichtet Diel.

Löwin Leah geht's nach dem dramatischen Eingriff wieder gut. Kerstin Jurczinski habe ihn per SMS informiert, dass der Patient wohlauf sei und schon wieder gefressen habe. "Der Einsatz hat richtig Spaß gemacht, vor allem auch, weil er ein Happy End hat", erklärte der Lank-Latumer.

(RP/rl)
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