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Meerbusch
Leben ohne Augenlicht

Düsseldorf. Im Sehbehinderten-Zentrum an der Helen-Keller-Straße in Strümp leben 24 Menschen in drei Gruppen. Einige arbeiten in der Gemeinnützigen Werkstatt Neuss, einige beschäftigen sich kreativ im Werkraum. Von Heike Schoog

Strümp Der Bohrer brummt. Rolf (24) lauscht begeistert. Er liebt das Geräusch des Werkzeugs. Mithilfe von Ergotherapeut Gerd Lambers schafft es der blinde junge Mann, ein Loch in ein Holzei zu bohren. Fertig. Das nächste bitte. Denn ein stummer Bohrer macht Rolf keinen Spaß.

Aus dem Holzei soll ein bunt bemaltes Steckei werden, das in Blumenkästen und in Gestecken einen Platz findet. Für die Farbe sorgt Jennifer (24). Sie ist ebenfalls blind und mehrfach behindert. Auch bei ihr geht es nicht ohne die Hilfe des Ergotherapeuten. Er nimmt ihre Hand, gibt ihr den Pinsel und führt die Hand zum Farbtopf. Leuchtend orange-farben wird da Ei. Auch Jennifer ist mit ihrer Arbeit zufrieden. Die beiden Bewohner des Blindenzentrums an der Helen-Keller-Straße in Strümp verbringen aufgrund ihrer starken Behinderung die meiste Zeit im Wohnheim. "Dort bieten wir ihnen so viel Programm wie möglich", sagt Heimleiterin Sigrid Lange. "Wir gehen mit unseren Bewohnern einkaufen, schwimmen oder besuchen Zoos und botanische Gärten", so die Sozialpädagogin, die seit sieben Jahren die Einrichtung leitet. Heute finden dort 24 seh- und mehrfach behinderte Menschen ein Zuhause.

"Eigentlich war die Einrichtung noch viel größer geplant", beschreibt Peter Henseler, der Geschäftsführer des Blindenzentrums und des Blinden-Verbands Nordrhein ist, der ebenfalls an der Helen-Keller seinen Sitz hat. Doch es habe sich bald herausgestellt, dass für ein so großes Zentrum gar kein Bedarf besteht. Es gibt zwar Wartelisten, aber die sind kurz.

Das Grundstück in Strümp, das ehemals für ein großes Blindenzentrum vorgesehen war, wird nun vom Seniorenheim Medina genutzt. "Deshalb wird unser Zentrum von den umliegenden Gebäuden eingerahmt", erklärt er den zentralen Standort an der Helen-Keller-Straße.

In drei Gruppen leben die 22 bis 56 Jahre alten Bewohner im Heim. "Zwölf davon arbeiten in der Gemeinnützigen Werkstatt in Neuss. Für die andere Hälfte bieten wir ein Programm", erläutert Lange. Dafür gibt es einen Heilpädagogin, die die Freizeitgestaltung übernimmt. "Wir gehen mit unseren Bewohnern raus in die Welt. Das heißt, der Frisör kommt nicht ins Haus, sondern wir gehen nach draußen", beschreibt Henseler den pädagogischen Ansatz. Dabei stoßen die kleinen Gruppen immer auf positive Resonanz. "Wir sind im Stadtteil willkommen", so Henseler.

Wenn's nach draußen oder in den Urlaub geht, helfen auch Freiwillige bei der Betreuung. "Das Verhältnis ist immer eins zu eins", so Henseler.

Im Haus selbst finden die Bewohner sich zum Teil eigenständig zurecht. "Sie bekommen Gegenstände in die Hand, die darauf hinweisen, wo es hingeht. An den Türen finden sie Gegenstände wieder: Ein Holzei markiert die Werkstatt, ein Kühlpack steht für den Snoezelen-Raum.

Quelle: RP
 
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