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Krankentransport in Meerbusch behindert
Kinder und Jugendliche räumten Barrieren von Rettungsweg

Rettungswagen in Meerbusch behindert
Rettungswagen in Meerbusch behindert FOTO: Verena Kensbock
Meerbusch. Mit einem Müllcontainer und Möbelteilen sollen drei junge Männer in Meerbusch versucht haben, einem Krankenwagen mit verletztem Kind den Weg zu versperren. Die Polizei geht jedoch nicht von einer geplanten Aktion aus. Andere Jugendliche halfen den Rettungskräften. Von Verena Kensbock

Der Abenteuerspielplatz am Frankenweg mit Schaukeln und buntem Bauwagen, Gemeinschaftsgarten und selbstgebauten Holztürmen liegt versteckt hinter einem Garagenhof, zwischen Bäumen und Fußwegen. Am Morgen ist es ruhig auf dem Spielplatz. Doch am Montagabend kam es hier zu einem Zwischenfall, der in der ganzen Region für Aufregung sorgte: Drei junge Männer sollen versucht haben, einem Rettungswagen mit einem verletzten Zwölfjährigen an Bord den Weg zu versperren - sie hatten offenbar eine Barriere aus einem Müllcontainer und Möbeln gebaut.

Zwei Meter tiefer Sturz

Der Zwölfjährige aus Meerbusch-Osterath sei zuvor auf den Dächern der angrenzenden Garagen herumgelaufen, berichtet ein Anwohner, der mit seinem Sohn am Montagabend auf dem Spielplatz war und anonym bleiben will. Der Junge habe versucht, von der Garage auf einen Bauwagen zu springen. Dabei sei er etwa zwei Meter tief gestürzt und habe sich am Bein verletzt. Der Anwohner rief nach eigenen Angaben einen Krankenwagen und wartete, bis die Einsatzkräfte ankamen. Dann ging er mit seinem Sohn nach Hause.

Zu diesem Zeitpunkt sollen nur noch wenige Kinder und Jugendliche auf dem Spielplatz gewesen sein. Ein junger Mann habe während des Einsatzes gestört, sagte eine Sprecherin der Polizei. Die Polizisten verwiesen den 19-Jährigen vom Einsatzort. Als die Rettungskräfte mit dem verletzten Jungen in Richtung Krankenhaus fahren wollten, stellten sie fest, dass die jungen Männer offenbar unbemerkt den Weg verbarrikadiert hatten. Zu diesem Zeitpunkt räumten andere Kinder und Jugendliche die Hindernisse bereits aus dem Weg.

"Kein Kavaliersdelikt"

Warum die Tatverdächtigen den Einsatz behindern wollten, ist noch unklar. "Das ist kein Kavaliersdelikt", sagt Marco König vom Deutschen Berufsverband Rettungsdienste. "Dass Rettungswagen im Einsatz behindert werden, ist ein großes Problem für uns. Es werden Fahrzeuge beschmiert, und es werden Gegenstände aus den Wagen gestohlen. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern kann im schlimmsten Fall auch Menschenleben gefährden."

Kommt der Patient zu Schaden, können die Täter mit einer Gefängnisstrafe rechnen. Problemgruppe seien vor allem alkoholisierte Männer im Alter von 20 bis 40 Jahren, sagt König. "Hinzu kommen aber auch Halbstarke und Jugendgruppen, die einen Rettungseinsatz immer mal wieder behindern."

Randalierer sind bekannt

Auf dem Meerbuscher Abenteuerspielplatz kommt es häufiger zu Problemen, vor allem mit Vandalismus. Im Sommer ist der städtische Spielplatz von 13 bis 19 Uhr für Kinder und Jugendliche geöffnet - und davon gibt es viele in der Nachbarschaft. Pädagogen betreuen die Kinder, spielen und basteln mit ihnen. 

Anwohner berichten, dass sich Jugendliche auch außerhalb der Öffnungszeiten auf dem Spielplatz treffen. Dabei würden mal die Hütten oder der Garten verwüstet, dann die Außenbeleuchtung oder Dachziegel zerschlagen. Die Randalierer seien bekannt, sagt Peter Annacker von der Stadt Meerbusch. Zwei Gruppen mit Jugendlichen trieben sich abends häufig auf dem Spielplatz herum.

Hilfe aus der Nachbarschaft

Den 19-jährigen Tatverdächtigen konnte die Polizei mit Hilfe von Zeugen noch vor Ort ausfindig machen. Gegen ihn wird nun wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr ermittelt. Der junge Mann bestreitet die Sabotage jedoch. Wer die anderen zwei jungen Männer sind, ist bisher unklar. Die Polizei geht nicht davon aus, dass es eine geplante Sabotage-Aktion war - die jungen Männer scheinen das Material für die Barrikade vor Ort gefunden zu haben, sagte die Polizeisprecherin. 

Dass sich die Fahrt zum Krankenhaus kaum verzögert habe, liege vor allem an der Hilfe aus direkter Nachbarschaft, heißt es von der Polizei. Die Kinder und Jugendlichen hatten gemeinsam schnell den Rettungsweg freigeräumt. Der Junge hat bei dem Sturz keine schwerwiegenden Verletzungen erlitten.

 
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