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Meerbusch
Mehrsprachig auf dem Tennis-Court

Meerbusch: Mehrsprachig auf dem Tennis-Court
Der 21-jährige Daniel Masur erreicht als erster Spieler das Viertelfinale, er steht direkt heute wieder auf dem Platz. FOTO: Stephan Frings
Meerbusch. Durch das Cittadino Challenger ist Meerbusch auf der Landkarte des internationalen Tenniszirkus präsent. Das merkt man auch am beinahe babylonischen Sprachgewirr im Sportpark Büderich. Von Tino Hermanns und Anke Kronemeyer

Meerbusch ist international, das weiß jeder. Ganz besonders international geht es derzeit im Sportpark Büderich zu. Beim Cittadino Challenger, einem Tennisturnier der weltweiten zweithöchsten Liga, schlagen Profis aus 16 Nationen auf. Es wird manchmal heftig auf russisch, flämisch, spanisch oder slowakisch geflucht. Aber es wird auch auf französisch, portugiesisch und natürlich deutsch gejubelt. Hauptsprache im Sportpark ist jedoch englisch.

Die Weltsprache wird auch meistens am Counter auf Platz eins der Tennishalle eingesetzt. Dort werden alle Fragen, alle Probleme von Spielern, Offiziellen, Schiedsrichtern, Entschuldigung Referees, vom Supervisor und Ballkindern geklärt. In Halle eins ist auch die Players Lounge aufgebaut, dort gibt es W-Lan, dort sitzt die Übertragungszentrale für den Livestream und das Livescoring-System, dort können sich die Racketschwinger aufwärmen und auf ihre Matches vorbereiten. "Ich bin froh, dass wir die Halle haben. Es ist kühl, und die Spieler können in ihrer Lounge abseits des Publikumsverkehrs entspannen. Das ist wichtig, damit sie auf dem Platz fokussiert sind und ihre beste Leistung abrufen können", so Turnierdirektor Marc Raffel.

Das tat Nicola Kuhn im Match gegen den Favoriten Florian Mayer. Kuhn, erst 16 Jahre alt, gilt als eines der größten Tennistalente auf dem Globus. Er war U14-Mannschaftsweltmeister und stand im Junior Davis Cup Finale, beides mit der Auswahl des Deutschen Tennis Bundes (DTB). Vor einigen Monaten entschloss sich Kuhn aber, die Staatsangehörigkeit zu wechseln. "Ich lebe seit meiner Kindheit in Spanien und fühle mich schon immer spanisch. Es war stets mein Traum, für Spanien zu spielen", sagte Kuhn.

So stand also auf der Anzeigetafel des Center Courts im Sportpark Büderich einmal Deutschland und einmal Spanien. Im Generationenduell - mit 32 ist Mayer doppelt so alt wie Kuhn - behielt der erfahrene Spieler die Oberhand. Der Wahlspanier kannte nur Vollgas-Tennis und drosch mit brutaler Gewalt auf alles ein, was flog und einen gelben Filzbelag hatte. Mayer hingegen spielte flexibel, variabel, streute Stoppbälle und Schläge mit Rückwärtsdrall ein. Er bewies, dass er weiß, wo das Feld zu Ende ist. Das gelang Kuhn vor allen Dingen im ersten Satz nicht immer. Zu viele seiner "Scharfschützengeschosse" flogen zehn, 20 Zentimeter weit ins Aus. "Junge Leute spielen heute eben so. Mit enormen Druck von hinten", analysierte Mayer. "Wenn ich versucht hätte, genauso zu spielen, wäre es wahrscheinlich schief gegangen." Doch gerade die unterschiedliche Spielweise machte das Match zu einem echten Hingucker. "Das war für mich ein guter Test. Es war schon anstrengend, deshalb bin ich froh, dass ich in zwei Sätzen und einer Stunde Spielzeit gewonnen habe", so Mayer, der sich mit 6:2 und 6:3 behauptete.

Kuhn hatte während des Matches ein paar Mal seinen Frust raus gelassen, auf vier Sprachen. Sein Vater ist Deutscher, seine Mutter Russin, er lebt in Spanien, und englisch ist im Tenniszirkus Pflicht. So international muss man in Meerbusch eben sein.

Und weil die Veranstalter das Turnier auch als gesellschaftliches Event im Kalender von Meerbusch positionieren wollen, wurde am Mittwochabend einfach mal gekocht. Am improvisierten Herd unter freiem Himmel stand Anthony Sarpong, der in Büderich ein Restaurant betreibt. Er brachte Rinderfilet und Risotto mit, bat die Gäste aber, ihm doch bitte schön zu helfen. Die ließen sich nicht zweimal bitten und schnibbelten oder rührten um die Wette. Mit dem Ergebnis, dass es allen am Ende noch besser schmeckte als sowieso. Gestern Abend dann hatte Wirtschaftsförderin Heike Reiß zur ATP-Business Night eingeladen, bei der der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach das Impulsreferat hielt. Heute Abend erklingt zum Auftakt des Final-Wochenendes Livemusik von den "Goldtones".

Quelle: RP
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