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Heimat erleben in Meerbusch
Mit dem Fahrrad von Mühle zu Mühle

Heimat erleben in Meerbusch: Mit dem Fahrrad von Mühle zu Mühle
Kinetische Objekte aus Edelstahl sind Markenzeichen der Osterather Turmwindmühle. FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Nur noch vier Mühlen zeugen in Meerbusch von der Geschichte, die sich mit diesen Gebäuden verbindet. Die Trumwindmühle wurde durch Edelstahlskulpturen aufgewertet, in der Heidbergmühle wird auch getrommelt. Von Angelika Kirchholtes

Meerbusch und der Niederrhein sind von Alters her landwirtschaftlich geprägt. Viele Windmühlen mahlten jahrhundertelang das Getreide, das die Bauern auf ihren Feldern ernteten, ehe es beim Bäcker zu Brot gebacken wurde. Doch Anfang des 20. Jahrhunderts verschwanden die Windmühlen, ihr Betrieb war nicht mehr rentabel. Die Dampfkraft lief der Wind-Energie den Rang ab. Viele Mühlen wurden abgerissen oder verfielen. So auch in Meerbusch. Es gibt nur noch vier Mühlengebäude, die die Zeit überstanden haben. Ihre Silhouette prägt das Ortsbild von Osterath und Lank.

Wenn man sich von Willich aus Osterath nähert, fällt der Blick am Ortsrand auf die Turmwindmühle. Ihre Flügel drehen sich zwar nicht mehr, dafür bewegen sich kinetische Objekte aus Edelstahl im Garten. Auch in dem Kreisverkehr gleich nebenan steht eine derartige Skulptur. Der Künstler Will Brüll hat sich dort ein Refugium geschaffen, in dem er mit seiner Frau wohnt und in dem er seine Kunst formt. "Als ich 1955 zum ersten Mal die Ruine der Turmwindmühle betrachtete, erfasste mich spontan eine derartige Faszination, die von dieser inneren Architektur ausging, dass mir augenblicklich klar war, dass ich diese besitzen wollte, um darin zu leben", sagt der bekannte Künstler.

Der weite Horizont des Niederrheins und das beschützende runde Umschlossensein seien die beiden Grundelemente, die sich in seinen Arbeiten dokumentierten. Doch so harmonisch, wie sich der heutige Zustand darstellt, war die Geschichte der Mühle nicht. Sie war vor ihrem Bau zum Zankapfel der Politik und zum Lehrbeispiel des mangelnden Verständnisses für den technischen Fortschritt geworden. Als ihre Vorgängerin, die über 500 Jahre treu und brav gedient und ihren Besitzern gute Gewinne abgeworfen hatte, 1882 zusammenbrach, beschloss die Pfarre, der 50 Prozent der Mühle gehörte, die anderen 50 Prozent zu übernehmen und neu zu bauen. Die Mühle sollte zum Golddukatenesel werden, der die Pfarre über Jahre finanzieren könnte. Doch der Kirchenvorstand hatte die Rechnung ohne den sich abzeichnenden Fortschritt gemacht.

Denn zeitgleich errichtete Müller Abels gleich neben der Kirche St. Nikolaus eine weitaus leistungsfähigere Dampfmühle, deren Gebäude heute noch steht, und die sich gleichfalls der Kunst widmet. Dort hat vor mehr als 30 Jahren Konrad Mönter das Buch- und Kunstkabinett eröffnet, das mit Lesungen, Ausstellungen (auch open air), Konzerten und einem ausgesuchten Sortiment an Büchern lockt. Über dem Mühlenneubau am Ortsrand stand dagegen kein guter Stern. Nach jahrelangen Streitereien mit den übergeordneten Behörden durfte die Pfarre ihre Windmühle zwar bauen, doch Gewinne warf sie nie ab. Der neue Pfarrer Groß erklärte sie 1891 zur Fehlinvestition und verkaufte sie. 1918 wurde der Betrieb eingestellt.

Auch in Lank sind zwei Windmühlen erhalten geblieben. Es handelt sich dabei einmal um die "Alte Mühle", die Heidbergmühle, eine Turmholländermühle, die auf dem Mühlenberg hinter Büschen verborgen an der Straße Richtung Nierst steht. Nicht nur Vogelgezwitscher bestimmt die Idylle, sondern manchmal sind auch urwüchsige fremde Trommeltöne zu hören. In der privat genutzten Mühle wohnt Monika Baumgartl, Leiterin der Taiko-Trommelgruppe Tentekko, die mehrmals im Forum Wasserturm auftrat. Die Mühle wurde Mitte des 18. Jahrhunderts gebaut und 1926 stillgelegt. In den 1920-er Jahren erregte sie den Unwillen der Besatzungsmacht, als Müller Hermann Bünten die Flügel schwarz-weiß-rot anstrich und mit der Kaiserflagge schmückte. Strafe: 1000 Mark!

Die zweite Mühle in Lank, die "Neue Mühle", wurde erst 1823 von Bäcker Adolphe Frangen als "in Stein errichtete Frucht-Windmahlmühle mit Wohnhaus, Scheune, Fruchtmagazin und Ackerstück" gebaut. 1863 wurde sie von der Familie Teloy gepachtet, später gekauft und bis 1912 betrieben. Danach verfiel sie in einem Dornröschenschlaf, aus dem sie die Stadt Meerbusch ab 1980 mit der Sanierung erweckte und zu einem städtischen Veranstaltungshaus ausbaute. Sie erhielt eine schöne Haube und ein komplett neues Flügelwerk und gilt als Wahrzeichen von Lank-Latum.

Quelle: RP
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