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Meerbusch
Mit fremder Lunge zur Bronzemedaille

Meerbusch: Mit fremder Lunge zur Bronzemedaille
Dritter Platz im 5000-Meter-Gehen, 17. im 5000-Meter-Laufen: Fabian Kreutzer ist mit seinen Ergebnissen sehr zufrieden. "Wir treten alle in einer Konkurrenz an", sagt er. "Durchschnittlich gesehen sind Nierentransplantierte fitter als Lungentransplantierte", sagt er. "Diesmal hatte ich auch ein bisschen Glück mit der Konkurrenz." FOTO: F. Kreutzer
Meerbusch. Bei den World Transplant Games 2017, der Weltmeisterschaft der Organtransplantierten, hat Fabian Kreutzer den dritten Platz im 5000-Meter-Gehen belegt. Mit seinem Erfolg will er auf das Thema "Organspende" aufmerksam machen. Von Julia Hagenacker

Vor gut einer Woche hat Fabian Kreutzer aus Osterath seinen 13. Geburtstag gefeiert. Am 19. Juli 2004 wurden dem heute 35-Jährigen beide Lungenflügel transplantiert. Was das für ein unfassbares Geschenk ist, sei ihm erst neulich wieder klar geworden, sagt er - als er bei der Siegerehrung der World Transplant Games 2017, der Weltmeisterschaft der Organtransplantierten, in einer Arena in Málaga mit einer Bronze-Medaille um den Hals auf dem Siegertreppchen stand: dritter Platz im 5000-Meter-Gehen. "2300 Athleten", sagt Kreutzer. "Das Stadion wäre leer gewesen, wenn es keine Organtransplantation gäbe. Daran sieht man, wie wichtig es ist, auf das Thema aufmerksam zu machen. Man kann es gar nicht oft genug tun."

In Deutschland hoffen aktuell mehr als 10.000 schwer kranke Menschen auf die Transplantation eines Organs. Für sie ist sie die einzige Möglichkeit, um zu überleben oder die Lebensqualität erheblich zu verbessern. Gleichzeitig gibt es zu wenig Spenderorgane. 421 Organspenden gab es im vergangenen Jahr deutschlandweit, Lebendspender ausgenommen. 2011 lag die Zahl noch bei 575. "Es muss auch nicht jeder Organspender werden", sagt Fabian Kreutzer. "Aber eine Entscheidung sollte jeder für sich treffen - das finde ich wichtig."

Tatsache ist: Ohne Organspende wäre der Osterather heute sehr wahrscheinlich nicht mehr am Leben. Fabian Kreutzer ist Sportler und Kämpfer, durch und durch. Mit knapp einem Jahr erhielten seine Eltern die Diagnose, dass ihr Sohn an Mukoviszidose leidet. Die Krankheit führt bei den Betroffenen unter anderem dazu, dass die Lunge durch zähen Schleim verklebt wird. Chronischer Husten, schwere Lungenentzündungen und starke Infektionen gehören zum Krankheitsbild. Immer wieder kam es dadurch zu Situationen, in denen Kreutzer dem Tod sehr nahe war.

Mit Anfang 20 war die Krankheit so weit fortgeschritten, dass er wusste, dass seine Lunge nicht mehr lange durchhalten würde. Er ließ sich auf die Liste für Spenderorgane setzen und bekam nach zwölf Monaten im Jahr 2004 eine neue Lunge. Doch damit war längst nicht alles gut.

2006 begann sein Immunsystem, die Spenderlunge abzustoßen - sein Lungenvolumen nahm mehr und mehr ab. Erst nach zwei Jahren verschlechterte sich sein Zustand nicht mehr weiter. Wenn Fabian Kreutzer heute Bahn fährt, trägt er einen Mundschutz, um sich vor Infektionen zu schützen. Nach dem Händeschütteln desinfiziert er seine Hände. Und wenn seine Studenten mit Erkältung in die Vorlesung kommen, dann bittet der Dozent für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Niederrhein sie, sich in die fünfte Reihe zu setzen. "Sicher ist sicher", sagt Fabian Kreutzer. Genauso wie die Krankheit gehört das Laufen zu seinem Leben. An den Deutschen Meisterschaften der Transplantierten hat er schon mehrmals erfolgreich teilgenommen. Die Bronzemedaille in Málaga war die erste bei einem internationalen Wettbewerb. Dabei war gar nicht sicher, ob er überhaupt würde teilnehmen können.

"Ich wurde beim Training von einem Hund in die Beine gebissen", erzählt der Osterather. "Abgesehen von den Schmerzen war das schon ein Schock, weil ich ja nicht wusste, welche Bakterien möglicherweise in meinen Körper gelangt sind. Für jemanden wie mich ist sowas sehr gefährlich."

Zweimal am Tag musste Kreutzer die Wunden säubern, zwei Wochen lang Antibiotika nehmen. Dann, zwei Tag vor dem geplanten Anflug, gab der Arzt grünes Licht. "Die Medaille kam für mich vollkommen unerwartet", sagt der 35-Jährige. "So oder so war diese Weltmeisterschaft eine tolle Erfahrung, weil ich Menschen getroffen habe, die die selbe Leidenschaft und dasselbe Schicksal wie ich teilen. Und weil sie dem Thema Aufmerksamkeit verschafft."

Quelle: RP
 
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