| 21.31 Uhr

Meerbusch
Mit Glockengeläut gegen die NPD

Fotos: Meerbusch stellt sich gegen NPD-Kundgebung quer
Fotos: Meerbusch stellt sich gegen NPD-Kundgebung quer FOTO: Dackweiler, Ulli
  • Rund 200 Meerbuscher demonstrieren friedlich gegen NPD-Kundgebung in Büderich
  • Pfarrer lässt Kirchenglocken während der Reden der Rechtsextremisten läuten
  • Wölli Rohde, Ex-Schlagzeuger der Toten Hosen, kassiert Anzeige wegen Polizistenbeleidigung

Von Martin Röse

Als die zwölf Mitglieder der rechtsextremen Partei um 18.06 Uhr mit ihrem 7,5-Tonner auf Meerbuschs größten Parkplatz einbogen, sahen sie sich einer deutlichen Übermacht von Gegendemonstranten gegenüber. Nach Polizeiangaben waren rund 200 Meerbuscher dem Aufruf des Bündnisses gegen Rechts gefolgt, für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit zu demonstrieren.

Die Polizei hatte mehrere Polizeibusse zwischen beiden Kundgebungen geparkt, so dass die NPD-Mitglieder nicht zu sehen waren. Dafür, dass sie nicht zu hören waren, sorgten die Mitglieder der Gegenveranstaltungen mit Trillerpfeifen und "Nazis raus"-Rufen.

"Sie zeigen mit ihrer Präsenz: In Meerbusch ist kein Platz für Menschen mit einer braunen Gesinnung, die Ressentiments gegen Ausländer schüren", sagte Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage (CDU) in einer kurzen Ansprache. Sie betonte: "Meerbusch ist eine internationale Stadt. Hier leben Menschen aus mehr als 100 Nationen friedlich miteinander.

Unter den Gegendemonstranten waren auch zahlreiche Schüler der Europa-Schule Mataré-Gymnasium. Schulleiter Christian Gutjahr-Dölls hatte sie eingeladen, für Toleranz und Weltoffenheit zu demonstrieren. "Ich freue mich, dass so viele gekommen sind", sagte er. Neben Vertretern aller Fraktionen des Stadtrats war auch Wölli Rohde da. Der ehemalige Schlagzeuger der Punkband "Die Toten Hosen", Komponist der Meerbuscher Stadthymne, wollte in den Bereich der NPD-Kundgebung stürmen, wurde von Polizisten daran gehindert. Ihn erwartet nun eine Anzeige wegen Beamtenbeleidigung. "Er hat eine Polizistin ,dumme Kuh' genannt", sagte ein Polizist. Einem anderen Mann, der ein Feuerzeug auf die NPDler warf, sprach die Polizei ein Platzverbot aus.

Tief erschüttert näherte sich die 85-jährige Rosemarie Vogelsang den NPD-Vertretern. Erst am Vortag hatte die ehrenamtliche Denkmalpflegerin der Stadt im Denkmalausschuss über die NS-Zeit in Büderich gesprochen – und darüber, wie viele Mitglieder der Hitlerjugend im Krieg ums Leben kamen. Dass in Büderich ein minderjähriges Mädchen die NPD-Fahne schwenkte, berührte viele Gegendemonstranten tief.

Sorgen hatte sich vor Beginn der Kundgebungen Jochen Schmitz-Linkweiler gemacht. Er betreut nach dem Tod seines Bruders die Plakatwand "Künstler gegen Ausländerfeindlichkeit" - und den Platz davor hatte sich die NPD als Kundgebungsort angemeldet. Dort befindet sich, im Boden eingelassen, auch das Kunstwerk "Engel der Kulturen". Die Intarsie aus Stahl war vor drei Jahren zum Abschluss der ersten interkulturellen Woche entstanden. Das Kunstwerk vereint das Kreuz des Christentums, den Davidstern des Judentums und den Halbmond des Islam. Um Wand und Kunstwerk vor Beschädigungen zu beschützen, stellte die Polizei einen Bus über das Kunstwerk und vor die Plakatwand.

Gegen 20 Uhr verließ die NPD den Dr.-Franz-Schütz-Platz. Felix Olbertz vom Bündnis gegen Rechts dankte den Meerbuschern für ihr Erscheinen.

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