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Meerbusch
Möhre und Chevrolet

Laute Motoren, Live-Bands und Spareribs
Laute Motoren, Live-Bands und Spareribs FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Die V8-Freunde teilen die Leidenschaft für US-amerikanische Autos und Motorräder. Jedes Jahr laden die Mitglieder zum Sommerfest und präsentieren ihre Schätze. V8-Freund Dirk "Möhre" Kühnen schwärmt von seinem Chevrolet Bel Air. Von Maike Billen

Mehrere Gewitter haben die Festwiese in Ilverich aufweichen lassen. Das "7th US Car & Harley"-Treffen der V8-Freunde am Wochenende ist dennoch gut besucht. Dirk Kühnen - Spitzname "Möhre" - stampft über die Wiese und fährt eine Schubkarre. Die V8-Freunde verteilen Rindenmulch und Stroh über den matschigen Boden, damit eine Corvette oder ein Duster nicht stecken bleiben. "Es macht riesigen Spaß, V8-Mitglied zu sein", sagt Kühnen. Seit rund vier Jahren ist er im Verein.

Möhre kam mit seinem Chevrolet Bel Air 2-Door Hardtop-Coupé. Seit 16 Jahren fährt er auch Harley Davidson. Zwei Stück stehen in der Garage, Baujahr 1948 und 2015. Die Frage nach dem Spitznamen ist schnell abgehakt: "Mein Vater hieß Möhre, ich kleine Möhre. Als mein Vater verstarb, war ich die große Möhre." Nur erklärte ihm keiner, was es mit dem Gemüse auf sich hat. Den Chevrolet in türkis-metallic, 6,6 Liter Motor, 400 PS, erwarb Kühnen vor sechs Jahren. "Das Modell wurde nur ein Jahr lang, 1957, gebaut. Ein Klassiker, sogar mit Heckflossen." Das Auto gab es in drei Varianten, Bel Air war die Top-Ausstattung. Der Schriftzug Chevrolet über dem Kühlergrill ist golden.

Am Rückspiegel hängen Plüschwürfel, die Sitze sind mit "Connolly Leather" überzogen. "Mit den Zusatzarmaturen im Fußbereich kontrolliere ich Temperatur, Drehzahl und Ladedruck vom Kompressormotor", sagt Möhre. Im Kofferraum lagern Abdeckplane, Werkzeug und Putzlappen. "Das Auto ist eine Wertanlage." Die letzte Komplett-Restauration war in den 1980er. "Man muss den Wagen pflegen." Den Wert schätzt er auf 35.000 bis 40.000 Euro. Um 5000 Kilometer im Jahr steigt der Tacho. Davor hatte Möhre eine Dodge Ram SRT-10, derzeit fährt er noch einen Chevrolet Tahoe.

Dirk "Möhre" Kühnen vor seinem Chevrolet Bel Air 2-Door Hardtop-Coupé. Auf die Frage nach seinem Spitznamen sagt er nur: "Mein Vater hieß Möhre, ich kleine Möhre. Als mein Vater verstarb, war ich die große Möhre." FOTO: Ulli Dackweiler

"Mit dem Auto rast man nicht, sondern cruist gemütlich", sagt der 49-Jährige. "Der satte Klang von alten V8-Motoren ist unverwechselbar. Da geht einem das Herz auf." Die USA bereist er gern. "Das amerikanische Lebensflair gefällt mir." Bei den V8-Freunden fühlt sich der Duisburger wohl: "Es sind entspannte Leute, die feiern können." Dass der Verein die Erlöse an soziale Projekte spendet, ist ihm wichtig. Auf seinem Muskelshirt prangt das Vereinsemblem: ein V8-Motor, aus dem Flammen steigen.

Die Tarnhose steckt in den Stiefeln. Möhre trägt Ringe und eine Kette mit Totenkopf-Kreuz. Auf der einen Körperhälfte sind die Tattoos bunt, darunter Zündkerzen und geflügelte Räder. Die andere Hälfte zieren schwarze Motive: der eigene Chevrolet, ein Wikinger und die Heilige Maria Mutter Gottes. Öfter findet sich der Ausdruck "Memento mori". "Erinnere dich, dass du stirbst", übersetzt Kühnen. "2008 lag ich nach einem Verkehrsunfall im Koma."

Möhre kriegt einen Flyer in die Hand gedrückt. In Ilverich sind auch andere Vereine mit dem Faible für US-Cars und Bikes vertreten. Es riecht nach Mulch, Abgasen und Pulled Pork. Das Barbecue-Gericht aus dem Smoker wird mit Brötchen und Zwiebeln serviert. Alternativ gibt es Spareribs oder Donuts und Muffins. Stände bieten Nostalgieschilder, Anhänger und Ledergürtel mit Cobra-Schnallen an. Abends spielen Livebands für die, die dem schlechten Wetter trotzen. Aber wer Möhre heißt, der wächst auch bei schlechtem Wetter über sich hinaus.

Quelle: RP
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