| 18.11 Uhr

Meerbusch
Mutiges Nierst feiert trotz Sturmwarnung

So zog der Rosenmontagszug durch Nierst
So zog der Rosenmontagszug durch Nierst FOTO: Dackweiler, Ulli
Meerbusch. Als einer der wenigen Karnevalszüge im Rheinland zogen am Rosenmontag 120 Narren durch das Dorf Nierst - morgens und nachmittags, zeitweise bei Sonne. Wegen der Wettervorhersage kamen allerdings deutlich weniger Besucher. Von Ulli Dackweiler (Fotos) und Sebastian Peters (Text)

Die Nierster Narren haben am Rosenmontagmorgen von ihrem frühen Zugstart profitiert. Während in früheren Jahren mancher Karnevalist stöhnte, warum ein Zug denn schon um 9.15 Uhr beginnen muss, war diese Startzeit gestern ein Segen für die ausrichtende KG Kött on Kleen.

Am Morgen konnten die Karnevalisten ohne große Zugänderungen wie geplant durch das Dorf ziehen - als einer der wenigen Züge überhaupt im gesamten Rheinland. "Wir haben lediglich bei zwei Wagen kleinere Umbauarbeiten vorgenommen, ansonsten lief alles wie geplant", sagte Bernd Wolters (49), der als Polizist der Bezirksdienststelle Lank den Zug bewachte. Zehn Wagen und zwei Fußgruppen zogen mit, besuchten nacheinander auch die Bauernhöfe. Am Nachmittag ab 14 Uhr zog der Zug dann - Tradition in Nierst - einmal in die andere Richtung, ehe im Festzelt weitergefeiert wurde.

Altweibersturm in Meerbusch 2016 FOTO: Dackweiler, Ulli

Von den Absagen in den umliegenden Städten haben die Nierster nicht profitiert -es kamen nur wenige Besucher aus umliegenden Städten. Auch säumten weit weniger Narren als in den vergangenen Jahren die Straßen. "Normalerweise haben wir hier 2000 bis 3000 Besucher, heute sind es aber deutlich weniger", sagte Polizist Bernd Wolters. Nur einige hundert Narren kamen. Am Morgen hatte es extrem geregnet, zum Zugbeginn rissen aber die Wolken auf, zeitweise zeigte sich sogar die Sonne. Für die, die kamen, hatte das positive Nebeneffekte: Die Kamellenmassen verteilten sich auf weniger Interessenten.

Die kleineren Umbauarbeiten am Morgen waren schnell vollzogen. "Wir haben uns alle Wagen vorher genau angeschaut", sagt Polizeisprecher Wolters. An einem großen Piratenschiff wurde das Segel heruntergefahren, an einer großen Geburtstagstorte der Karnevalsgesellschaft Kött on Kleen, die 111 Jahre alt wird, wurde laut Wolters eine große Kerze entfernt.

"Neesch, Helau" ist der Schlachtruf im Dorf Nierst. Die Nierster zeigten sicham Rosenmontag glücklich über ihren Zug: "Mir war klar, dass die ziehen. Da war ich zu 100 Prozent sicher", sagte Tobias Bölte (36), der im Ort geboren wurde und seitdem jedes Jahr beim Karneval war.

"Nierst ohne Karneval wäre nicht Nierst." Julia Grotenburg (30) sagte: "Ich feiere hier, seit ich denken kann. Der Vorteil an so einem kleinen Dorf wie Nierst ist, dass man den Zug zur Not auch um eine halbe Stunde nach vorne oder hinten legen kann. Mir gefällt hier, dass alles so schön überschaubar ist." Tapfer schlug sich auch Prinz Philipp I. (Vasen). Er war wegen seines im Karneval erlittenen Kreuzbandrisses im Rollstuhl unterwegs.

Prächtig waren wie immer die Wagen in Nierst, an denen die gut 120 Zugteilnehmer monatelang gearbeitet haben. Zu sehen war etwa ein spektakulärer Brauereiwagen mit zwei großen Pferden, das Restaurant "Diner" präsentierte sich mit zwei Bedienungen auf Rollschuhen (Thomas Frangen und Stefan Beeser), und mitten im Zug fuhr eine alte Dampflok, die echten Qualm spuckte. Ganz Nierst eine Feinstaubwolke - nur einmal im Jahr ist Karneval.

Quelle: RP
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