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Meerbusch
Nachtabschaltung, ade?

Meerbusch: Nachtabschaltung, ade?
Pünktlich um 1.30 Uhr schaltet sich die Straßenbeleuchtung in der Stadt ab, erst um 4 Uhr wird es wieder hell. FOTO: Dackweiler, Ulli (ud), Montage:
Meerbusch. Laut Berechnungen der Stadt könnte die Nachtabschaltung ohne Mehrkosten aufgegeben werden. Ob dies geschieht, entscheidet der Bauausschuss im Februar. Von Tim Specks

In Meerbusch gehen die Lichter aus. Pünktlich um 1.30 Uhr schaltet sich die Straßenbeleuchtung in der Stadt ab, erst um 4 Uhr wird es wieder hell. So geht es von Donnerstag bis Sonntag in jeder Nacht, ausgenommen sind nur die Hauptverkehrsstraßen. Die Verwaltung hat die nächtliche Abschaltung der Laternen im Jahr 2006 eingeführt, um Energie und Geld zu sparen. Seit ihrer Einführung sorgte die Nachtabschaltung jedoch für große Kritik aus der Bevölkerung.

Vor allem ältere Bürger fühlen sich in den Stunden, in denen die Lampen ausgeschaltet sind, nicht mehr sicher. Die Zeiten der Dunkelheit neigen sich nun offensichtlich ihrem Ende entgegen: In der nächsten Sitzung von Bau- und Umweltausschuss am 3. Februar soll die Nachtabschaltung per Beschluss mit sofortiger Wirkung aufgehoben werden. In einer Beschlussvorlage schlägt die Verwaltung dem Ausschuss vor, einem entsprechenden Antrag von CDU und Bündnis 90/Die Grünen zu folgen. Die UWG hatte bereits vor knapp vier Jahren das Ende der Nachtabschaltung beantragt. "Wir freuen uns, dass nun auch andere Fraktionen dem Bürgerwillen entsprechen und im Hinblick der Verbrechensbekämpfung den richtigen Weg einschlagen", sagte deren Fraktionsvorsitzende Daniela Glasmacher.

CDU und Grüne hatten die Verwaltung im November letzten Jahres gebeten, die Kosten einer möglichen Umrüstung der Straßenlaternen auf LED-Technik und die damit verbundene Senkung von Energieverbrauch und CO2-Emission zu berechnen. Die Stadt hat die Abschaltung vor rund zehn Jahren eingeführt, um den Energiebedarf um 345.000 Kilowattstunden jährlich zu verringern. Tatsächlich liegt die Ersparnis sogar bei 350.000 kWh im Jahr. Das entspricht einer Ersparnis von rund 70.000 Euro. Berechnungen der Stadt haben zudem ergeben, dass der Energiebedarf der Straßenleuchten seit 2005 - ein Jahr vor Einführung der Nachtabschaltung - durch Sanierungs- und Baumaßnahmen um rund 15 Prozent gesunken ist. Dies belegt auch eine Abrechnung der Stromkosten aus dem Jahr 2014. Eine Hochrechnung zeigt: Ausgehend vom Lampenbestand aus 2005 ergibt sich durch die Entwicklungen eine Ersparnis von 412.000 Kilowattstunden pro Jahr - ohne Nachtabschaltung.

Der Technische Beigeordnete der Stadt, Michael Assenmacher, rechnet mit Fertigstellung eines Bauprogramms in wenigen Wochen zudem damit, dass im Vergleich zur Abrechnung aus 2014 weitere 39.000 Kilowattstunden pro Jahr eingespart werden können. Legt man die aktuellen Strompreise zugrunde, ergibt sich eine Ersparnis von 8.800 Euro. Im Klartext heißt all dies: Die Nachtabschaltung kann bereits jetzt kostenneutral aufgegeben werden.

Auch wenn die Straßenbeleuchtung bereits heute ohne Mehrkosten während der gesamten Nacht leuchten kann, will die Stadt ihr Vorhaben, den Energiebedarf der Laternen weiter zu senken, weiter vorantreiben. Aus der Beschlussvorlage geht hervor, wie weit die Pläne der Verwaltung bereits vorangeschritten sind. Ein auf vier Jahre ausgelegtes Maßnahmenpaket sieht unter anderem den Einsatz von LED-Leuchten mit einer Leistungsreduzierungsschaltung vor. "Wir wollen offensiv die vorhandene Beleuchtung auf LED-Technik umstellen. Dafür haben wir in der Summe rund 900.000 Euro in die Haushalte der nächsten Jahre eingeplant", erklärte Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage (CDU) noch zu Jahresbeginn. Am Ende aller Maßnahmen rechnet die Stadt aktuell mit einer Reduzierung des Energiebedarfs um zusätzlich rund 385.700 Kilowattstunden im Jahr. Die Ersparnis: 84.700 Euro jährlich. Das Maßnahmenpaket ist bereits in der Haushalts- und Finanzplanung ausgewiesen. Eine Kostenaufstellung der Stadt sieht für die Umsetzung bis 2018 einen Mittelbedarf von rund 1,95 Millionen Euro vor. Neben den Straßenleuchten selbst soll auch eine Überarbeitung ihrer Steuerung zur Einsparung von Stromkosten und Emissionen beitragen. Aktuell ist ein Ingenieurbüro damit beauftragt, mögliche Änderungen der Steuerung der Straßenbeleuchtung - zunächst in Lank-Latum - zu überprüfen. Durch dieses Projekt erhofft sich die Verwaltung weitere Energieersparnisse.

Die Abschaffung der Nachtabschaltung soll nach den Wünschen der Verwaltung nicht nur der Stadtkasse und der Umwelt zugute kommen. Durchgehend erleuchtete Straßen sollen der Polizei auch die Täterverfolgung erleichtern. Angelika Mielke-Westerlage hatte erklärt, Vertreter der Polizei hätten ihr im persönlichen Gespräch erläutert, die Täterverfolgung sei während der Abschaltung erschwert.

Die Nachtabschaltung wird neben dem Bauausschuss auch das Rechnungsprüfungsamt beschäftigen. Die Fraktion Die Aktiven hat eine Sondersitzung erwirkt, in der auch geklärt werden soll, ob vermeintliche Versäumnisse seitens der Stadt, frühzeitig die Beleuchtung zu modernisieren, dazu beitrug, dass die Lampen in Meerbusch jahrelang im Stromsparmodus liefen.

Quelle: RP
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