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Meerbusch
Netzkultur, Flüchtlingskrise, Terror

Meerbusch: Netzkultur, Flüchtlingskrise, Terror
"Unbelebtem, harten Stein hauche ich Leben ein", sagt Bildhauer Sven Rünger. FOTO: Dackweiler, Ulli (ud)
Meerbusch. Meerbuschs Künstler werfen einen Blick aufs aktuelle Zeitgeschehen. In der Jahresausstellung des Vereins Meerbuscher Künstler sind Arbeiten von insgesamt 23 Kunstschaffenden zu sehen. Morgen wird die Schau eröffnet Von Monika Götz

Mit der Serie "Flucht und Schutz" hat sich Beate Fröhlich der Flüchtlingskrise angenommen. Eines der Acryl-Bilder der Vorsitzenden des Vereins Meerbuscher Künstler zeigt im Rahmen der Jahresausstellung in der Teloy-Mühle ein aus Papier gefaltetes Boot, das überladen mit hilflosen Menschen im Wasser treibt.

Einige der 23 ausstellenden Künstler beschäftigen sich mit dem aktuellen Zeitgeschehen. Helmut Krüger hat Flüchtlingskinder gemalt, die er in Kunst-Workshops im Mataré-Gymnasium betreut und im kleinen Format sind auch Arbeiten von den Kindern zu sehen, die so ihre Erlebnisse verarbeiten können.

Um den Terror in der syrischen Oasenstadt Palmyra geht es Ilse Petry-Ambrosius. Vor Jahren erstellte Schwarzweiß-Monotopyen zeigen, wie die Kulturgüter vor der Vernichtung ausgesehen haben und eine "Kopflos?" betitelte Arbeit widmet sich der offensichtlichen Ohnmacht der Politiker.

An Zerstörung erinnert auch Johann R. Wiens. Aus der Serie "Das verlorene Gedächtnis" zum Einsturz des Kölner Archivs sind vier Bilder zu sehen, mit denen die Immendorff-Schülerin den Verlust des "kollektiven Gedächtnisses europäischer Kultur" dokumentiert. "Ich verstehe das als Erinnerungsarbeit", sagt Wiens. Mit den Geschehnissen in der Hauptstadt beschäftigt sich Erika Danes. In ihren Arbeiten -teils auf 80 x 2,45 Zentimeter großen Fahnen - setzt sie sich mit 25 Jahren Wiedervereinigung und der Mauer auseinander. Sie hat im Sommer in Berlin aufgenommene Fotografien künstlerisch bearbeitet und den Kanzlerinnen-Spruch "Wir schaffen das" in eine Ansicht integriert.

In gewissem Sinne drehen sich auch die in einer Glasvitrine ausgestellten Objekte von Sven Rünger um die Teilung. Der Bildhauer beschäftigt sich mit der Entstehung, der Urquelle alles Lebens und lässt dieses Interesse in seine Kunst einfließen. Stücke in Kugel- oder Zylinderform aus italienischem Marmor oder auch "Nero di Belgio" sind die Ausgangsformen für Kunstwerke im kleinen Format: "Unbelebtem, harten Stein hauche ich Leben ein."

Kritisch dagegen geht Wanda Koller mit der "Netzkultur" um. Mit breitem Pinselstrich entstandene Aquarelle zeigen abstrahierte "Trolle". Ergänzend dazu ist ein Netz mit Gips und einer Perücke drapiert. "Es geht um die Auseinandersetzung mit Fragen nach Identität und ihre Systematisierung im Umgang mit digitalen Medien", erklärt Wanda Koller, deren künstlerischer Hinweis nicht moralisch verstanden werden sollte. Auch Johannes Trittien beschäftigt sich mit Veränderungen. Er weist mit seinen Edelstahl-Objekten auf Formveränderungen hin, die durch äußere Einflüsse entstanden sind: "Ich möchte herausfinden, ob beschädigte Teile als ästhetisch empfunden werden können."

Auf einer ganz anderen Ebene präsentiert sich Editha Hackspiel. Als Gründungsmitglied des Vereins hat sie mit Kohlestiften auf Ingrespapier fünf ihrer Kollegen - darunter auch Winfried Jansen - porträtiert: "Sie haben mir mehrere Stunden Modell gesessen und es hat allen viel Freude gemacht."


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Quelle: RP