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Wie geht's, Meerbusch?
Neue Reihenhäuser für Flüchtlinge - gute Entscheidung

Meinung | Meerbusch. Wir prophezeien: In einigen Jahren wird sich die Entscheidung der Meerbuscher Verwaltung, auf den Bau von Wohnkasernen für Flüchtlinge zu verzichten und stattdessen Reihenhäuser für Flüchtlinge zu bauen, als goldrichtig erwiesen haben. Von Sebastian Peters

Es gibt eine Menge Fakten, die dafür sprechen. Insofern war es klug und richtig, dass die große Mehrheit des Meerbuscher Rates am Donnerstagabend gegen 21 Uhr nach bereits vier (!) Stunden Informationsflut diesem so wichtigen Bauprojekt zugestimmt hat. Millionen Euro werden fließen - die Zeit aber wird zeigen: Dieses Geld ist gut angelegt. Die Reihenhäuser werden mit Wohnbaufördermitteln errichtet, läuft diese Bindungsfrist nach 15 Jahren ab, können diese in den freien Markt gehen und füllen die Stadtkasse. Bei der Entwicklung der Immobilienpreise darf man gespannt sein, ob am Ende gar eine schwarze Null für Meerbusch dabei heraus kommt.

Natürlich sind viele Bürger in Sorge angesichts der neuen Nachbarn, die nach Lank und Osterath ziehen. Sie haben in der Einwohnerfragestunde der Ratssitzung in weiten Teilen bedächtig, ohne Schaum vor dem Mund, ihre Bedenken geschildert. Es ärgert die Bürger, wenn Lank und Osterath überdurchschnittlich Flüchtlinge aufnehmen, weil es in der Vergangenheit verpasst wurde, flächendeckend in Meerbusch sozialen Wohnraum zu schaffen. Jetzt entsteht ein solcher - und es wäre dem Klima dieser Stadt dienlich, würden von Neubauten auch Menschen profitieren, die hier schon lange bedürftig sind.

Angesichts all dieser Bedenken war ein Satz, der an diesem Abend fast beiläufig fiel, besonders wichtig. CDU-Ratsfrau Gabi Pricken sagte etwas, das hoffentlich noch etwas nachhallt: "Unterkünfte in Wohngegenden haben bisher zu keinerlei Reibereien bei uns geführt." Das ist die bestechend gute Faktenlage und eine Antwort auf einen Redebeitrag von UWG-Fraktionschefin Daniela Glasmacher, die sich dagegen ausgesprochen hatte, über den Bau neuer Flüchtlingsheime abzustimmen, weil aus ihrer Sicht die Betreuung der Flüchtlinge in Meerbusch nicht ausreichend gewährleistet sei. Dieses Argument wirkte an diesem Abend fadenscheinig. Und als Glasmacher am Ende der Debatte gar forderte, die Bürger nun noch einmal zu hören, wirkte das wie ein plumper Versuch der Anbiederung an den Wähler. Es waren doch alle Argumente ausgetauscht.

Sorge machen aber nicht die Meerbuscher Bürger, die im Rat ihr demokratisches Recht der Meinungsäußerung wahrnahmen. Sorge machen eher die Beiträge im Internetportal Facebook. Etwas droht zu kippen, wenn gestern unter unserem RP-Beitrag zum Bau der Flüchtlingsheime von Kommentatoren Formulierungen wie "Invasion der Flüchtlinge" verwendet wurden.

Solche diffusen Ängste nimmt man nur durch Transparenz. In den Reihenhäusern, die gebaut werden, sollen eben nicht wie in einem normalen deutschen Reihenhaus zwei Eltern mit Kind leben, sondern bis zu 16 Personen. Luxus, wie mancher Online-Kommentator voreilig schreibt, ist das mitnichten.

So bleibt eine Hoffnung: Vielleicht ist ja der eine oder andere Facebookkommentator in 15 Jahren im Alter, in dem er sich ein Reihenhäuschen erwerben will.

Wir hätten da schon mal einen Immobilientipp.

Quelle: RP
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