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Meerbusch
Nierst: Die Geheimnisse der Wagenbauer

Meerbusch: Nierst: Die Geheimnisse der Wagenbauer
Rainer Cousin (links) und Ulf Marx von der Wagenbaugruppe Grefen I malen ihren Drachen grün an. Max Mertens bringt einen Drachenzahn an. FOTO: Dackweiler, Ulli (ud)
Meerbusch. Zu Karneval läuft der 1400-Einwohner-Stadtteil zu Höchstleistungen auf. In zahlreichen Scheunen arbeiten einzelne Teams an den Wagen für den Rosenmontagszug — und gewährten der RP einen ersten Blick auf ihre Werke Von Alexander Ruth (Text) und Ulli Dackweiler (Fotos)

In der Luft liegt der Duft frischen Holzes. Unermüdlich treiben Hämmer Nägel in Bretter, es wird gesägt, Späne fliegen. Im Wagenschuppen von Landwirt Peter Grefen baut das Nierster Wagenbauteam Grefen I sein Modell 2013 – bei minus vier Grad Außentemperatur. Im Ort gibt es das Gerücht, andere würden ihretwegen ein Katapult bauen. Gregor Horster und Michael Kany streichen jedoch in Seelenruhe ihren Drachenkopf weiter grün an. Sie wissen, dass ihre Drachentöterburg uneinnehmbar ist. Gut drei Meter hoch, zwei Meter in der Breite sind die dazugehörigen Türme – was sie bauen, hält. "Es ist schließlich unser 24. Wagen", rufen die Männer herunter. "Wir machen das schon seit 20 Jahren hier, da kann uns keine Wetterlage erschüttern", sagen die 13 Männer selbstbewusst.

Rund drei Wochen haben die Nierster Wagenbautrupps noch Zeit, um ihre Karnevalsattraktionen fertigzustellen. "Drachen, Feen, Elfenwelt – et wöd jedanzt em Neeschter Zelt!" heißt das Motto der Karnevalssession 2013 dazu. Das Ziel: Der Rosenmontagszug der Karnevalsgesellschaft Kött on Kleen am 11. Februar. Um 9.15 Uhr startet Meerbuschs größter Karnevalsumzug des Jahres vor dem Nierster Festzelt an der Alten Schule. Und auch in diesem Jahr werden sich die Zuschauer auf spektakuläre Karnevalswagen freuen dürfen.

"Ich gehe die Teams zwar nicht ab und kontrolliere nicht die Arbeiten, aber ich weiß, dass der Rosenmontagszug in Nierst die Zuschauer verzaubern wird", sagt Bernhard Horster, Präsident der KG Kött on Kleen. Während einige der 13 Teams bereits gegen Anfang Dezember mit den Bauarbeiten begonnen haben, sind andere erst seit einigen Wochen bei der Arbeit. Traditionell verraten die Teams allerdings nicht, was da in Scheunen, in umgebauten Carports und Lagerhallen entsteht. "Das bleibt eigentlich immer bis zum Zug ein Geheimnis", sagt Präsident Bernhard Horster. Nur einen kurzen Einblick gewähren die Narren.

Freuen dürfen sich in diesem Jahr auf jeden Fall die Fans von Harry Potter: Das 13-köpfige Werthof-I-Team baut die legendäre Lokomotive des Hogwarts-Express. "Der Unterschied wird sein, dass sie schwarz mit roten Linien wird", sagt Klaus Pricken. Alles andere soll "beinahe originalgetreu" sein – natürliche inklusive Magie. Jedes Detail soll stimmen. "Wir versuchen auch, den Schornstein zum Qualmen zu bringen", kündigt Norbert Paas an. Der Elektriker weiß ganz genau, wovon er spricht. "Ich habe mich 30 Jahre lang für die Stadt Meerbusch um die Straßenlaternen gekümmert", so Paas. Selbstverständlich werde nun auch versucht werden, die Hogwarts-Lokomotive erstrahlen zu lassen.

Allerdings ist dieses 44. Prachtexemplar der letzte Bau des Teams Werthof I. "Wir werden nach diesem Umzug aufhören", sagen die Männer. Sieben Nierster Karnevalsprinzen sind in diesen Jahren aus der Gruppe gekommen. Was sie gerade bauen, könnte ein Meisterwerk werden: Rund 2500 Euro Materialkosten verschlingt die Lokomotive. Acht mal zwei Meter sind die Maße. Platz für rund 150 Kilogramm Kamelle ist an Bord. "Wir werden auch kleine Stofftiere vom Wagen werfen", verspricht das Team. Das dürfte vor allem die jüngsten Zuschauer erfreuen.

Die Jugend wird in Nierst generell groß geschrieben. Das eigene Kinderkarnevalsprinzenpaar ist selber in heller Aufregung. "Wir sind nächste Woche mit unserem Wagen schon fertig", sagt Antonia I. Frangen. Zusammen mit ihren Müttern malen die Kinder noch die letzten Verzierungen an ihren grünen Deutz-Traktor. "Neesch LA 1905" steht auf dem Nummerschild "Prinz Lukas II. mag so gerne Traktoren", erklärt Antonia und verweist darauf, "dass er echte Traktorreifen hat". In der Halle von Landwirt Peter Baakes werden zwar gleich drei Wagen gebaut – aber in diesem Fall ist ausSicht der Kinder natürlich "der Traktor das schönste Modell".

Quelle: RP
 
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