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Carsten Graaf
Oberster Volksbanker geht in den Ruhestand

Meerbusch. Wie gut ein Chef beim Thema Mitarbeiterführung ist, das erkennt man häufig an der Form seiner Verabschiedung. Die rund 70 Mitarbeiter der Volksbank Meerbusch haben ihrem Vorstandsvorsitzenden Carsten Graaf ein liebevolles Erinnerungsbuch gebastelt, viel Arbeit, viel Herzblut investiert und an die 35 gemeinsamen Jahre erinnert.

Nach sieben Jahren an der Spitze des Kreditinstituts wird der gebürtige Kieler am Montag zum letzten Mal in sein Büro in Büderich zur Arbeit gehen. "Ich habe Glück gehabt im Leben und gehe sehr zufrieden", sagt er mit einer Zurückhaltung und Bescheidenheit, die viele Menschen nicht unbedingt mit einem Mann im Kreditgewerbe verbinden würden.

In die Amtszeit von Graaf fällt die spannendste Zeit der jüngeren Bankengeschichte - "die Finanz- und Wirtschaftskrise wirkt noch heute nach", sagt der 65-Jährige. Graaf, der mit 17 Jahren seine Lehre bei der Dresdner Bank begann, bekam sie aus nächster Nähe mit. Nur wenige Monate zuvor war er 2008 zu Deutschlands oberstem Volksbanker gewählt worden - dem Verbandsratsvorsitzenden des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken.

Mehr als 80 Mal flog er in dieser Funktion nach Berlin. "Mich hat sehr bewegt, dass wir bis heute die Finanzmarktkrise seit dem Ausbruch im Herbst 2008 gemeistert haben - und wie groß der Zusammenhalt der Raiffeisengruppe letzten Endes ist", sagt er. Das waren harte Jahre, in denen Graaf schon nachts um 3.30 Uhr aufstand, um beide Funktionen - Chef der Volksbank Meerbusch und Verbandsratsvorsitz - unter einen Hut zu bekommen. Für seinen Einsatz wurde er bei seiner Verabschiedung in Berlin mit der Raiffeisen/Schulze-Delitzsch-Medaille in Gold geehrt - der höchsten genossenschaftlichen Auszeichnung. Graaf hinterlässt in Meerbusch ein gut aufgestelltes Haus; die Bilanzsumme stieg während seiner Vorstandstätigkeit von 108 auf 240 Millionen Euro, das Eigenkapital liegt mit 17 Millionen Euro deutlich über dem gesetzlich vorgeschriebenen Wert. In seine Amtszeit fiel auch die Feier zum 125-jährigen Bestehen der Volksbank Meerbusch. "Das war ein Highlight." Sorgen bereiten ihm die Vorgaben aus Brüssel. "Die Regulatorik schnürt uns den Hals zu", kritisiert Graaf. Es sei fahrlässig, würden die Vorstände benachbarter Volksbanken nicht über eine verstärkte Zusammenarbeit sprechen, "ohne dass man direkt an Fusion denkt".

Er selbst muss sich um diese Aufgaben nicht mehr kümmern, kann Zeit mit seinen Enkelkindern - fünf und acht Jahre alt - verbringen und sich seinen Hobbys widmen: Graaf fotografiert gern und beschäftigt sich mit der Familienforschung. "Ich bin mittlerweile bis ins Jahr 1530 zurückgekommen", sagt er. Seine Tätigkeit als ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht Düsseldorf ("das erdet") führt er fort, engagiert sich auch in der Stiftung der WGZ-Bank. "Da leiden wir zurzeit, wie alle anderen Stiftungen auch, unter den niedrigen Zinsen." In Meerbusch wird Graaf auch in seinem Ruhestand ab und an zu sehen sein: "Mein Konto bleibt hier." mrö

Quelle: RP
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