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Meerbusch
Ossum träumt — auch nach 42 Jahren noch

Meerbusch. Es ist ein kühler Montagmittag und der erste Regen kommt auf. Der Wind bringt die Wäscheleine in einem Garten zum Schwingen und verursacht ein Rascheln. Auf der Straße, die denselben Namen trägt wie der Ort selbst, ist niemand zu sehen. Bei schönem Wetter entdeckt man hier den ein oder anderen Jogger, doch heute traut sich keiner vor die Tür. Allein der örtliche Bauer kommt mit seinem Traktor um die Ecke und fährt auf einen nahegelegenen Lagerplatz. Der ist umgeben von einigen Feldern. Früher liefen dort noch Kühe rum, doch heute pflanzt der Landwirt sein Gemüse an.

Der Hof von Familie Jacobs befindet sich direkt nebenan. Schon seit rund 110 Jahren ist er in Familienbesitz. Dort wohnt Margrit Jacobs. Ihr Mann ist mit 88 Jahren der älteste Bewohner von Ossum. Ihr Sohn betreibt vor Ort ein Garten- und Landschaftsbau-Unternehmen.

Mit nur einer Straße, wenigen Häusern und einer kleinen Kapelle bildet Ossum den kleinsten Ortsteil von Meerbusch. Die örtliche St.-Pankratius-Kapelle ist das Zentrum und somit auch das Herz des kleinen Örtchens. Die Kirchenglocke, die noch per Hand betätigt wird, läutet um 12 Uhr jedoch nicht.

Bereits seit Jahrzehnten betreut Margrit Jacobs gemeinsam mit einem früheren Nachbarn die Kapelle. "Wir wechseln uns ab mit dem Auf- und Zuschließen der Kapelle", sagt die 83-Jährige. Drei Tage in der Woche ist sie geöffnet. Sechs Landfrauen aus Ossum und Bösinghoven kümmern sich noch heute ehrenamtlich um die Pflege der Räumlichkeiten der mehr als 800 Jahre alten Kapelle. Viel hat sich also nicht verändert in den letzten 42 Jahren. Denn bereits am 2. Februar 1973 war unsere Zeitung für eine Reportage vor Ort in Ossum. Margrit Jacobs hat sich diesen besonderen Zeitungsartikel noch heute aufgehoben. Mit einem Lächeln im Gesicht erzählt sie Geschichten über die in der 42 Jahre alten Ausgabe gedruckten Bilder. Der Traum vom idyllischen Ossum lebt also auch heute noch, im Jahr 2015.

(nivo)
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