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Meerbusch
Osterather Bestatterin berichtet über ihr Handwerk

Meerbusch. Keine kahlen Bäume, keinen Sonnenuntergang malen die Kinder auf den Holzsarg. Die typischen Bilder von Traueranzeigen fehlen. Stattdessen zieren Regenbogen, Sonnenstrahlen und Blumen den Sarg in der Werkstatt des Osterather Bestattungsunternehmens Jäger. Inhaberin Hanne Jäger nahm am Samstag am "Türöffner-Tag der Maus" vom WDR teil. Jäger weiß, dass der Beruf, Verstorbene zu bestatten, nicht bei allen Kindern auf Interesse stoßen dürfte. Also lud sie zum Tag der offenen Tür für alle. 14 Erwachsene holte Jäger aus Aldekerk sogar selbst ab - Stammgäste ihrer Gaststätte "Marktschänke". Von Maike Billen

In der Werkstatt werden die schlichten Särge zur Feuerbestattung mit Leinen ausgelegt. Jäger führt in den Raum, in dem sie mit Angehörigen den Ablauf der Bestattung plant. Nebenan sind Särge aus Kiefer und Urnen aus sich selbst zersetzendem Naturstoff ausgestellt. Jäger sagt: "Rund 80 Prozent sind mittlerweile Feuerbestattungen." Zwar sei es in Deutschland verboten, die ganze Asche mit nach Hause zu nehmen. Eine Mini-Gedenkurne sei aber erlaubt. Der Inhalt: ein Teelöffel Asche. Die Verbrennung übernimmt das Krematorium Niederrhein Willich.

"Früher waren weiße Totenhemden gang und gäbe. Heute sind die Verstorbenen individuell gekleidet", erklärt Jäger. Golfschläger, Hammer, Bilder und Kuscheltiere - kam alles schon mal als Abschiedsgabe in den Sarg. Neben der Trauerhalle lagern im Kühlraum bei fünf Grad die Leichen: "Im Sommer ist es dort richtig angenehm", sagt Jäger. Angenehme Temperaturen, aber die Atmosphäre? "Ach, lustig ist es dort nicht." Den Ausgleich zum Beruf mit den Toten findet die 48-Jährige als Wirtin.

Das Bestattungsinstitut an der Strümper Straße leitet sie in der vierten Generation. 1883 gründete es der Schreinermeister Martin Jäger. Der Schreinereibetrieb wurde 1970 eingestellt.

Die "Sendung mit der Maus"-Fans Mia (8) und Freundin Jule (7) erkundigen sich: "Wie viele Menschen sterben denn so?" Jäger: "180 bis 190 bestatten wir in Osterath jährlich." Auf die Frage ihrer Mutter, ob Mia mal als Bestatterin arbeiten möchte, sagt sie: "Kann sein." Es sei jedenfalls spannend.

Fünf Kinder kommen an dem Mittag mit ihren Eltern. In der Werkstatt schaut sich Johannes Cleve aus Aldekerk den bemalten Sarg an: "Ist der schon reserviert?" Mal im Ernst: Cleve interessiert sich für die Dimensionen: "Ich dachte, es gibt Standardgrößen." Er erfährt, dass es auch vorkomme, dass ein Sarg Überbreite aufweise.

Quelle: RP
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