| 10.32 Uhr

Panama Papers
Rätselhafte Spur führt nach Meerbusch

Diese Promis stehen unter Verdacht
Diese Promis stehen unter Verdacht FOTO: afp, jr
  • "Größte geheime Datenbank"
  • Der Fall In 200.000 Briefkastenfirmen sollen Personen und Firmen investiert haben, vermittelt durch die panamaische Kanzlei Mossack Fonseca. Die Panama Papers sind die wohl größte geheime Datenbank über Offshore-Firmen.
  • Die Resonanz Die Veröffentlichung führte zu weltweiten Ermittlungen und einer internationalen Debatte über Steueroasen und Geldwäsche. Die Kanzlei Mossack Fonseca sieht sich als Opfer eines Datendiebstahls und betont, sich stets an die Gesetze zu halten.
  • Der Check Unter der Adresse https://offshoreleaks.icij.org können Interessierte nach Orten und Namen suchen.

Von Sebastian Peters

Eine Siedlung in der Nähe der Autobahn, vor dem Haus steht ein wertiger Pkw, dahinter ein großes Grundstück, das Haus ist sichtlich in die Jahre gekommen - alles andere als Luxus. Und hier soll eine Person wohnen, die über eine Kanzlei in Panama in Briefkastenfirmen investiert hat?

Das Internationale Konsortium Investigativer Journalisten (ICIJ) hat am Montag Adressen und Firmennamen von Protagonisten der Panama Papers ins Netz gestellt, seitdem kann weltweit jeder nach ihnen in einer Datenbank suchen. Sie soll nach Angaben der Betreiber Adressen jener Firmen, Personen oder Treuhänder auswerfen, die über die Anwaltskanzlei Mossack Fonseca in Panama Geld in Briefkastenfirmen investiert haben. Die Daten sind öffentlich, jeder kann zugreifen, entsprechend wird in den Städten der Region spekuliert - für Moers und Neuss weist die Datenbank zwei Treffer aus, für Krefeld einen, für Düsseldorf zwölf, für Duisburg vier. Und in Meerbusch, der Stadt mit der höchsten Millionärsdichte Deutschlands?

Der Datensatz zeigt beim Suchbegriff "Meerbusch" exakt eine Adresse an. Und die führt nicht etwa in eines der Reichenviertel, sondern an den nördlichen Stadtrand, in eine ältere Einfamilienhaussiedlung im Stadtteil Strümp.

Als unsere Redaktion am Haus der angegebenen Adresse klingelt, öffnet ein Rentner. Der Mann wirkt überrascht. "Was soll ich gemacht haben?" Er will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen, aber er spricht offen: "Ich habe kein Geld über Panama angelegt, ich versteuere alles bis auf Heller und Pfennig in Deutschland", beteuert er, nachdem er ins Wohnzimmer eingeladen hat. Er sei rechtschaffener Bürger und könne sich die Tatsache, dass ausgerechnet seine Adresse in der Datenbank auftaucht, nicht erklären.

Irritiert zeigt er sich auch darüber, dass in der Datenbank angegeben ist, dass seine Hausadresse Verbindungen zu einer Firma oder Person in China namens "Chen Zhi" haben soll. Er habe immer mal wieder Post einer Firma in seiner Straße angenommen, die irrtümlich bei ihm ankam, sagt der Rentner. Vielleicht sei das des Rätsels Lösung. Anteilseigner von "Chen Zhi" wiederum ist laut Datenbank die "Hugo Winner Group Ltd." mit Sitz in Hongkong. Der Rentner sagt: "Ich kenne keinen Hugo Winner."

Vor fünf Wochen, am 3. April 2016, wurden die Panama Papers in Deutschland veröffentlicht. Über ein 2,6 Terabyte großes Datenleck gelangte zunächst die "Süddeutsche Zeitung" an die Daten von Personen und Firmen. Die Journalisten banden weltweit Kollegen in die Recherche ein. Teilweise sollen die Briefkasten-Investitionen legale Strategien der Steuervermeidung gewesen sein, teilweise aber auch strafrechtlich relevante Steuer- und Geldwäschedelikte.

Zunächst wurden die Namen einiger Prominenter öffentlich gemacht, die mit der Geldanlage in Verbindung gebracht werden - das Umfeld das russischen Präsidenten Wladimir Putin, der britische Regierungschef David Cameron und der isländische Ministerpräsident Sigmundur David Gunnlaugsson, der infolge der Veröffentlichung sogar zurücktrat. 143 ranghöhere Politiker werden in den Papieren insgesamt genannt.

Im zweiten Schritt ist jetzt die Datenbank öffentlich. Auf die Angabe von Bankkonten, Telefonnummern und Email-Adressen wird dort verzichtet, aufgeführt wird nur die jeweilige Adresse und der Firmennamen. Laut Journalistenverbund sollen die Dokumente aufdecken, wie kreativ Scheinfirmen erfunden werden, um Geld vor dem Fiskus im Heimatland zu verstecken.

Der Meerbuscher Rentner reagiert skeptisch. Wie er sich dagegen wehren könne, dort aufgeführt zu werden, fragt er sich. Er halte das Internet für eine gefährliche Informationsquelle, sagt er und liefert ein Beispiel: Eine Suchmaschine weise ihn immer noch als Mitglied eines Sportvereins aus, bei dem er aber tatsächlich schon seit 20 Jahren keine Funktion mehr ausführe.

Auch sein Sohn könne mit den Panama Papers nichts zu tun haben. Links neben der Haustür der Strümper Adresse stehen am Briefkasten zwei Namen, einmal der des Rentners, einmal der des Sohnes. "Der ist hier aber gar nicht mehr gemeldet, der hat hier keinen Wohnsitz mehr", beteuert der Mann. Er telefoniert im Beisein unserer Zeitung sogar mit seinem Sohn. Der zeigt sich ebenso ratlos. Die Panama Papers - werden hier ahnungslose Rentner von Tarnfirmen missbraucht? Die Frage, wie brauchbar und rechtssicher die Datensätze sind, dürfte jetzt eine Aufgabe für die Behörden werden.

Dass der Fall der Panama Papers auch in Meerbusch für Aufsehen sorgt, zeigt sich auch im Internetportal Facebook: Dort schrieb gestern schon ein Ratsherr über die Strümper Adresse, machte Andeutungen, ohne aber konkret zu werden. Die Lage ist kompliziert: Wie auch die Journalisten betonen, muss nicht in jedem Fall eine Straftat vorliegen. Das betont auch Helmut Fiebig, Meerbuschs Kämmerer. Er sieht zunächst keinen Ansatz, aktiv zu werden. Es sei Sache der Steuerbehörden, und es sei längst nicht klar, dass ein Delikt vorliegt.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Panama-Papers: Rätselhafte Spur nach Meerbusch


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.