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Pfarrer weist Luxus-Vorwurf zurück

Pfarrer weist Luxus-Vorwurf zurück
Pfarrer Norbert Viertel stellt sich in der aktuellen Debatte um den Vikarie-Neubau. FOTO: Falk Janning
Meerbusch. Norbert Viertel steht wegen einer geplanten 160-Quadratmeter-Wohnung in der Neuen Vikarie am Kirchplatz Osterath in der Kritik. Im Interview äußert er sich zum Bauvorhaben und den Zwängen durch das Immobilienmanagement.

Herr Viertel, die Kirche muss sparen, aber gleichzeitig wird kräftig in den Ausbau eines Hauses für Sie als Pfarrer investiert. Können Sie uns dies erklären?

Norbert Viertel Die Baumaßnahme ist in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Im Zuge des KIM-Prozesses (KIM steht hier für Kirchliches Immobilienmanagement, Anm. d. Red.) war der Kirchenvorstand Hildegundis von Meer vom Bistum aufgefordert, 33 Prozent der Instandhaltungskosten bei den Immobilien einzusparen. Am Anfang der Analyse stand die Erkenntnis, dass nicht mehr alle Gebäude wirtschaftlich genutzt werden können. Der Kirchenvorstand hat sich dem gestellt, erfolgreich, wie ich finde. Am Ende des Prozesses konnte er mit einem guten Gebäudekonzept erreichen, dass die sieben Kirchengebäude in unserer Pfarrei erhalten bleiben. Kirchenschließungen konnten so verhindert werden. Wir wollen aber auch die Gebäude, die wir erhalten, in einen guten und zukunftsfähigen Zustand versetzen. Im Falle des Kirchplatzes 27, der ehemaligen Kaplanei, hat sich aufgrund einer Begutachtung herausgestellt, dass sich hier eine Investition eher als an der Hochstraße 13 lohnt.

Wie viel muss hier nach erster Prognose investiert werden?

Viertel Dazu kann ich keine Angaben machen.

Nach dem Umbau der Kaplanei soll das Gebäude mit einem Kubus als Anbau 160 Quadratmeter Fläche haben. Das ist sehr viel für eine Person. Werden Sie dort einziehen?

Viertel Zunächst einmal ist die Wohnung des Pfarrers durch den Bischof als Dienstwohnung gesetzt. Ich habe aber gegenüber dem Kirchenvorstand meine Bereitschaft angeboten, aus dem Pfarrhaus auf der Hochstraße auszuziehen, wenn der Kirchenvorstand eine Veräußerung des Gebäudes im Rahmen eines Gesamtkonzeptes als sinnvoll erachtet und habe so durch eine sehr persönliche Entscheidung mit Blick auf die Zukunft und zum Wohl der Kirchengemeinde neue Spielräume eröffnet. Mir war es von Anfang an wichtig, dass das Baukonzept für den Kirchplatz 27 eben nicht auf mich hin zugeschnitten wird, sondern gerade unabhängig von meiner Person dort ein Pfarrhaus für die Pfarrei Hildegundis von Meer entsteht. Das Baukonzept sieht eine flexible Nutzung für den Fall vor, dass aufgrund des anhaltenden Priestermangels die Pfarrerstelle in Hildegundis von Meer nicht mehr besetzt wird. Um mit geringem Aufwand das Haus einer freien Vermietung zuführen zu können, entwickelte der Kirchenvorstand zusammen mit dem Architekten den im Gremium beschlossenen Bauentwurf. Dass jetzt anscheinend von manchen der Eindruck erweckt wird, hier entstehe ein luxuriöser Bau nach meinen Wünschen, ist völlig absurd und entspricht weder den Tatsachen noch ist das aus dem Gebäudekonzept des Kirchenvorstandes abzuleiten.

Wenn die Pflicht besteht, dem Pfarrer eine Wohnung zu stellen: Ist dabei auch festgelegt, wie groß die Wohnung sein muss?

Viertel Nein.

Noch einmal die Frage: 160 Quadratmeter, zu viel für einen Pfarrer?

Viertel Es ist Konsens im Kirchenvorstand, dass eine Trennung des Privatbereichs des Pfarrers vom Amtsbereich notwendig ist. Die Arbeit des Seelsorgers ist nicht an normale Bürozeiten gebunden; der Pfarrer ist in dieser Funktion ständig im Einsatz. Die Möglichkeit für den Empfang von Besuchern im Haus außerhalb seiner Privaträume soll gegeben sein. Auch ein Arbeitszimmer gehört dazu. Der Gebäudeschnitt lässt es zu, dass ein abgetrennter Gästebereich eingerichtet wird. Dieser Bereich kann zum Beispiel für Gastpriester aus anderen Ländern und Erdteilen, bei Bischofsvisitation, für die Unterbringung von Theologiestudenten oder für eine Haushälterin separat genutzt werden. Auch gibt es heute Pfarrer, die nicht mehr allein, sondern in einer Wohngemeinschaft leben möchten. Wir erfahren im Augenblick in der Kirche einen fundamentalen Umbruch, der, soweit überhaupt noch vorhanden, besonders die Rolle des Pfarrers in der Gemeinde betrifft. Der Kirchenvorstand möchte sich für die Nutzung viele Optionen offen halten. Die Nutzfläche, von der ein Drittel für dienstliche Aufgaben genutzt wird, ist aus Sicht des Kirchenvorstandes nicht zu viel. Wer hier Parallelen zum Amtssitz des ehemaligen Limburger Bischofs Tebartz-van Elst herstellt, sollte sich schämen.

Obwohl Kirchengebäude erhalten bleiben - bei den Pfarrheimen stehen dennoch Umstrukturierungen an. Sie wollen das Pfarrhaus an der Hochstraße verkaufen. In Strümp ist das Pfarrheim für die Flüchtlinge freigezogen worden, auch in Bösinghoven ist von Umstrukturierungen die Rede.

Viertel Im Fall von Strümp kann man dem Kirchenvorstand aber doch nicht zum Vorwurf machen, dass er auf dringende Bitte der Stadt Wohnraum für Flüchtlinge bereithält. Der Kirchenvorstand hat hier richtig entschieden. Als Kirche haben wir den Auftrag, in der Not der zu uns kommenden Menschen zu helfen. Im Falle von Bösinghoven hat der Kirchenvorstand ganz klar entschieden, dass das Gebäude, das zugleich als Kirche und Pfarrheim genutzt wird, erhalten bleibt. Im Falle der Hochstraße wird das Pfarramt noch vor den Sommerferien in die Nussschale verlegt. Damit konnte auch hier eine Konzentrierung mit Einspareffekten vorgenommen werden. Und in Lank konnten Kirche und Pfarrzentrum mit integriertem Pfarrbüro erhalten bleiben. Das Pfarrhaus wurde abgerissen und eine Kindertagesstätte auf dem Grundstück errichtet. Das Strümper Pfarrhaus wurde vermietet und das Langst-Kierster Pfarrhaus verkauft. Alles in allem ist die Umstrukturierung in meinen Augen gut gelungen. Der Kirchenvorstand hat hier unter schwierigen Bedingungen eine ganz große Aufgabe geleistet. Da bin ich den ehrenamtlichen Mitgliedern sehr dankbar, dass sie die Entwicklung der Pfarrei gefördert haben und mich für meine eigentlichen Aufgaben als Priester und Seelsorger entlasten.

Welche Entscheidungen wird der Kirchenvorstand jetzt weiter fällen müssen aus Ihrer Sicht?

Viertel Der Kirchenvorstand handelt rechtlich immer für die gesamte Kirchengemeinde Hildegundis von Meer. Mit dem vorliegenden Konzept für die pastoral genutzten Gebäude hat er gute Arbeit geleistet und ist richtig gut zusammengewachsen. Solche Mammutaufgaben können nicht permanent bewältigt werden. Ich hoffe, dass jetzt erst einmal eine Phase des Durchatmens erfolgen kann.

Es gibt auch Kritik an der baulichen Variante, einem Kubus neben dem historischen Bau. Wie positionieren Sie sich dazu?

Viertel Der Kirchenvorstand errichtet kein neues Gebäude, sondern hat unter den Gegebenheiten der vorhandenen Bausubstanz und den strengen Vorgaben des Denkmalschutzes einen Altbau zu sanieren. Beispielsweise müssen geschädigte Gebäudeteile abgerissen werden, in denen sich unter anderem die Küche befindet. Auch wurde die Möglichkeit des Verzichts auf einen Anbau und alternativ der Ausbau des Dachgeschosses geprüft. Im Ergebnis hat der Kirchenvorstand diese Überlegungen aber aus Kostengründen verworfen und hat nach intensiver Beratung dem ursprünglichen Vorschlag des Bauausschusses zugestimmt. Bei jedem architektonischen Entwurf gehen natürlich die Meinungen auseinander. Das ist völlig normal. Aber auch hier geht es nicht nur um persönliche Geschmacksfragen, sondern eben auch um die Einhaltung eines Kostenrahmens und auch um Funktionalität. Ein moderner Anbau an einem historischen Pfarrhaus direkt gegenüber der Kirche, symbolisiert auch die Vielfalt unter dem Dach der Pfarrei Hildegundis von Meer.

Welche weiteren Schritte sind jetzt nötig, damit es zum Bau kommt.

Viertel Zur grundsätzlichen Arbeitsweise des Kirchenvorstandes ist festzuhalten, dass er nicht öffentlich tagt und seine Mitglieder zur Verschwiegenheit verpflichtet sind. Wenn etwas beschlossen ist, entscheidet das Gremium über die Veröffentlichung. Der notwendige Informationsaustausch in die pastoralen Gremien ist durch die Vertretung des GdG-Rates gegeben. Im Fall des Kirchplatzes wurden die Pfarreiangehörigen über den Beschluss der Sanierung im Pfarrbrief informiert. Sobald die notwendigen Genehmigungen der Stadt und des Bischöflichen Generalvikariates vorliegen, wird der Kirchenvorstand die weiteren nötigen Beschlüsse fassen, den Bau umsetzen und die Gemeindemitglieder auf dem Laufenden halten.

SEBASTIAN PETERS FÜHRTE DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
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