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Meerbusch
Saison der Mähdrescher

Meerbusch: Saison der Mähdrescher
Die Zeit ist reif: Landwirt Stefan Deussen fährt mit seinem Mähdrescher die Ernte ein. Als erstes steht die Gerste auf dem Programm. Weizen und Zuckerrüben folgen in den kommenden Monaten. FOTO: Dackweiler
Meerbusch. Seit einigen Tagen sind von morgens bis abends wieder die Mähdrescher auf den Feldern unterwegs. Aktuell wird die Gerste eingefahren. Das trockene Wetter der letzten Monate hat Schäden hinterlassen Von Carolin Skiba und Ulli Dackweiler (Fotos)

Mit vier Kilometern pro Stunde tuckert Stefan Deussen auf seinem Mähdrescher über das Feld. Bahn um Bahn drischt er die Gerste des vier Hektar großen Ackers, das sich gleich hinter der Autobahnausfahrt Strümp befindet. Es ist eins von rund 20 Feldern, die der Getreide-Bauer in den kommenden Monaten aberntet. Je nach Wetter und Temperatur sitzt er oft zwölf Stunden auf seinem Zwölf-Tonnen-Ungetüm. Und das bei momentan 37 Grad Außentemperatur.

Eine Reihe von Messern, die sich schnell hin und her bewegen, schneiden die Halme ab. Über eine Trommel werden sie in den Mähdrescher hinein befördert. Fingerartige Pinne schieben das Stroh auf eine Art Förderband. FOTO: Dackweiler, Ulli (ud)

Doch das stört Deussen wenig, in seinem Führerhäuschen ist es angenehm kühl. Die Mähdrescher sind mittlerweile so modern, dass es neben einem Monitor, mit dem er überwachen kann, was auf der Rückseite der Maschine passiert, auch eine Klimaanlage gibt. Für seine Ernte hingegen sind die hohen Temperaturen weniger gut, sagt Deussen. "Vor allem die Trockenheit der letzten Monate hat dafür gesorgt, dass die Körner nicht so dick und groß werden konnten", sagt er. "Mit einer guten Ernte ist dieses Jahr auf jeden Fall nicht zu rechnen, wir haben massive Einbußen von bis zu 30 bis 40 Prozent", sagt der 40-Jährige. Zu wenig Feuchtigkeit hindere das Korn daran, sich voll auszubilden.

Das Stroh gelangt auf sogenannte Schüttler. Die Körner fallen auf Siebe. Die Schüttler heben das Stroh immer wieder hoch und filtern die Körner heraus. Das Stroh gelangt über die Hinterseite des Dreschers wieder aufs Feld. FOTO: Dackweiler, Ulli (ud)

Während das Wetter den meisten Menschen als Gesprächsthema für einen netten Plausch auf der Straße dient, bedeutet es für Bauern wie den zweifachen Familienvater aus Meerbusch weit mehr. "Landwirt ist ein Beruf, der vollkommen vom Wetter abhängig ist", sagt Deussen. Eine gute Ernte kann nur dann eingefahren werden, wenn das Wetter ganzjährig mitspielt. "Ideal ist es, wenn zwischen September und November genug Feuchtigkeit herrscht, damit die Samen keimen und wachsen können." Im Winter käme ein bisschen Frost gelegen, so dass der Boden sich verdichten kann. Deussen: "Bis zum Frühjahr braucht es eine gewisse Regenmenge, damit das Korn sich voll ausbilden kann." Für das Einbringen der Ernte sind moderate Temperaturen optimal. "Sobald es regnet, ist erst mal Pause." Die Körner dürfen maximal 15 Prozent Feuchtigkeit haben und müssen nach einem ausgiebigen Regenguss trocknen. Ist das Wetter nicht so sommerlich wie aktuell, könnte das die ganze Ernte verderben. "Wenn es nass bleibt, fangen die Körner in der Ähre wieder an zu wachsen, das ist natürlich ungünstig."

Ist der Tank voll, werden die Körner über ein langes Rohr, das am Mähdrescher angebracht ist, in einen Transport-Wagen umgefüllt. FOTO: Dackweiler, Ulli (ud)

Neben der Gerste, die als erstes im Jahr geerntet wird, baut Deussen auch noch Weizen, Raps, Mais und Zuckerrüben an. In den Beruf des Landwirts ist er hineingeboren - den Hof hat er von seinem Vater übernommen. Einen anderen Beruf kann Deussen sich auch nicht vorstellen. Der studierte Agrarwirt liebt seine Arbeit. "Das muss man auch, denn dieser Job bestimmt den Tagesablauf. Das ist natürlich total stressig, aber auch total schön. Man hegt und pflegt das ganze Jahr seine Felder und darf bis Ende Dezember das ernten, was man zuvor gesät und aufgezogen hat", sagt er.

Neben seinen eigenen Feldern drischt er auch noch für zwei andere Betriebe mit. Nicht jeder Bauer besitzt einen Mähdrescher. Mit Kosten um die 150 000 Euro sind diese Geräte nicht gerade erschwinglich. Hinzu kommt, dass während der monatelangen Arbeit immer wieder Reparaturen anfallen. "Wir machen fast alle Reparaturen selber, das spart viel Geld", erzählt Deussen. Schon sein Vater hatte Mähdrescher, die er selbst in Stand gehalten hat. Dazu gehört auch, die Maschine jeden Morgen vor Abfahrt aufs Feld zu überprüfen. "Die Schneidemesser müssen kontrolliert, einige Teile müssen mit Fett eingeschmiert und der Tank muss mit Benzin gefüllt werden." Das nimmt je nach Aufwand schon mal eine Stunde der Arbeitszeit in Beschlag.

Dann geht es raus aufs Feld. 2,5 Hektar, also 25 000 Quadratmeter, schafft Deussen in einer Stunde. Je mehr Ertrag es gibt, desto langsamer kommt er voran. Denn mit mehr Geschwindigkeit würde es der Mähdrescher nicht schaffen, alle Körner aufzunehmen. Fünf Tonnen Getreide fasst der Tank des Dreschers, der nach wenigen Minuten gefüllt ist. Über einen langen Arm werden die Körner in einen Transportwagen abgeladen. Dann geht es von vorne los, so lange, bis nur noch kurze Stoppeln auf dem Feld stehen. Langweilig wird es Deussen dabei nicht. Denn in seinem Mähdrescher gibt es nicht nur eine Klimaanlage und einen Monitor, sondern auch ein gutes, altes Radio.

Quelle: RP
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