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Meerbusch
Sammeln für Weckmann und Martinstüte

Sankt Martin 2016 in Strümp: Sammeln für Weckmann und Martinstüte
Karl-Wilhelm Steinfort (l.) und Robert Drews beim Spendensammeln am Mittwochabend in Strümp. FOTO: Dackweiler
Meerbusch. In Strümp gehen jedes Jahr Freiwillige von Haus zu Haus, um Spenden für den traditionellen St. Martinstag einzuwerben. Von Marlen Kess

Ulrike Birgels freut sich. "Der König höchstpersönlich", sagt sie. Schnell ist die Tür weit offen und der Geldbeutel bei der Hand. Es ist Anfang Oktober und das bedeutet: Die Sammler des Martinskomitees sind in Strümp unterwegs. In diesem Jahr hat an Birgels Tür Karl-Wilhelm Steinfort, der amtierende Schützenkönig, geklingelt und um eine Gabe für den Martinstag gebeten. Ein ganz besonderes Vergnügen, gespendet hätte sie aber ohnehin: "Ich mag die Martinstradition in Strümp sehr", sagt sie, "und finde es toll, wie viele Menschen sich in unserer kleinen Gemeinde dafür engagieren."

70 Sammler hat das Martinskomitee in Strümp, dessen Ziel es ist, im Ort jedes Kind mit einer Martinstüte und jeden Senior über 70 mit einem Weckmann zu beglücken. "Wir organisieren den gesamten Martinstag, mit Zug, Feuer, Mantelteilung und natürlich Weckmännern und Tüten", berichtet Dieter Bayerlein, der seit 2001 Schatzmeister des Komitees ist.

7,50 Euro kostet eine solche Martinstüte, die neben dem großen Weckmann zwei Äpfel, Schokolade, Plätzchen und andere Süßigkeiten enthält. Alle Kosten müssen durch die Sammelaktion gedeckt werden, die aber noch einen weiteren Zweck hat: "So wissen wir, bevor wir einkaufen gehen, ganz genau, wie viele Kinder und Senioren es überhaupt in Strümp gibt", sagt Bayerlein. Pro Jahr verteilen sie über 1.000 Tüten.

Für die Sammler selbst bedeuten die drei bis vier Abende, die sie damit jedes Jahr im Oktober zubringen, vor allem Spaß. Steinforts Partner ist seit fünf Jahren Robert Drews, 23 Jahre alt, der im Nachbarhaus Steinforts aufgewachsen ist. "Wir sind ein eingespieltes Team", erzählt er, "aber in Strümp kennt man sich sowieso und vertraut einander." Viele Leute öffnen deshalb gern ihre Türen und spenden.

Sogar mitten auf der Straße nehmen die beiden Sammler Geld entgegen. Als ein junges Paar sie aus dem Auto heraus sieht, halten sie kurzerhand an und überreichen ihre Spende aus dem Fenster. Im Gegenzug bekommen sie dafür einen Flyer mit allen Informationen zum diesjährigen Martinszug und das blaue Gutscheinkärtchen für die Martinstüte. "Alle Kinder, die noch im Kindergarten sind, bekommen ihre Tüte nach dem Martinsfeuer", erzählt Steinfort, "bei den Schülern liegt sie am nächsten Tag in der Schule auf dem Stuhl."

Als Nächstes öffnet eine ältere Dame die Tür, die wie ihr Mann schon seit einigen Jahren einen Weckmann bekommt. "Man gewöhnt sich sehr schnell daran", lacht sie. Seit über 30 Jahren wohnen die gebürtigen Griechen in Strümp. "Wir fühlen uns hier zu Hause", sagt sie, "und wir mögen St. Martin und das Brauchtum. Einen der Weckmänner geben wir aber immer an unsere Enkelkinder weiter, die sind für uns einfach viel zu groß."

Die Weckmänner - für die Senioren mit Rosinen, für die Kinder ohne - kommen aus der Bäckerei Wieler in Lank. "Unsere Weckmänner sind deutlich größer als in anderen Gemeinden," erzählt Robert Drews stolz, "von mir aus könnte man die Rosinen aber weglassen."

An einigen Häusern sind die Fenster dunkel, Steinfort und Drews bleiben deshalb nur kurz stehen und notieren sich das Haus für die nächste Tour. Sie sind routiniert und kennen ihren Bezirk: "Eigentlich erhalten wir immer gleich viel Geld", berichtet Steinfort, "jeder Haushalt spendet zwischen fünf und zehn Euro." Nichtspender gibt es zwar auch, sie sind aber selten.

Zum Abschluss ihrer heutigen Runde geht es zu guten Bekannten: Jürgen Gaumer, der selbst für das Martinskomitee sammelt, und seine Frau Uschi halten Bier und Schnittchen bereit. Solche Einladungen gehören zum Sammelalltag dazu, "auch wenn man dann manchmal nur ein Haus am Abend schafft", wie Drews lachend erzählt.

"Wir sind hier stolz auf unsere Traditionen", berichtet Gaumer, "darin zeigt sich unsere Verbundenheit mit Strümp." Ebenso wichtig ist den Helfern aber, dass der Gedanke des Teilens und der Gemeinschaft erhalten und weitergetragen wird. So gibt jedes Schulkind eine Süßigkeit aus seiner Martinstüte am nächsten Tag, damit die gesammelten Leckereien an ein Kinderheim weitergegeben werden können. Und als im letzten Jahr Flüchtlinge in der Turnhalle einquartiert waren, bekam auch hier jedes Kind eine eigene Martinstüte überreicht.

Quelle: RP
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