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Meerbusch
Schiffer Schäfer - Leben auf dem Rhein

Meerbusch: Schiffer Schäfer - Leben auf dem Rhein
Hajo Schäfer steuert die Fähre von Langst-Kierst nach Kaiserswerth. Er liebt seine Arbeit. Auch den Urlaub verbringt der Fährmann auf großen Schiffen. Kreuzfahrten über das Mittelmeer gehören fest zum Programm der Familie. FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Hajo Schäfer und seine Familie sind Schiffer aus Leidenschaft. Seit mehr als 50 Jahren bringen die Fährleute täglich Menschen über Deutschlands zweitlängsten Fluss. Der Bau der A44-Brücke traf die Familie hart. Von Eugenia Kindel

Die Sonnenstrahlen tanzen auf dem Wasser, die Blätter der Bäume wiegen sich sanft im Wind, geheimnisvoller Dunst steigt an den Ufern auf - Hajo Schäfer hat den schönsten Arbeitsplatz der Welt. Zumindest erscheint es so auf den ersten, naiven, ungetrübten Blick. Er ist Fährmann auf dem Rhein. Täglich pendelt er zwischen Langst-Kierst und Kaiserswerth, zwischen Meerbusch und Düsseldorf, und immer hat er das wunderschöne Flussuferpanorama vor Augen.

Es ist Wochenende, die Menschen genießen den sonnigen Tag, fahren Fahrrad, gehen spazieren - und fahren Fähre, lassen sich die Herbstluft um die Nase wehen. Was für die Ausflügler ein Erlebnis, ist für den Fährmann Alltag und vor allem Arbeit. "Im Grunde ist es wie Busfahren, nur schöner", sagt Schäfer. Seit er denken kann, verbringt der 50-Jährige seine Zeit am und auf dem Wasser.

Schon sein Vater Hans war Kapitän auf dem Rhein, dann seit 1964 Fährmann in Langst-Kierst. Die kleine Fähre "Peter" fasste acht Autos, der Fährverkehr boomte, viele Pendler und Ausflügler fuhren Schiff. Die neue Fähre "Michaela" konnte 16 Autos transportieren, aber auch sie wurde schnell zu klein. Dann kam die noch größere "Michaela II", in Holland gebaut. Die Familie Schäfer erlebte einen rasanten Aufschwung durch immer mehr Berufsverkehr. 800 Autos am Tag, an Messetagen bis zu 1200 Pkw schaffte die "Michaela II".

"Ich war immer auf dem Schiff, zuerst hab ich hier nur meine Hausaufgaben gemacht, mit zehn Jahren hab' ich auch mitgeholfen, da wurde gar nicht diskutiert", erinnert sich Hajo Schäfer. Mit 17 übernimmt Schäfer Junior zum ersten Mal das Steuerrad, mit 21 macht er seinen Fährführerschein. "Obwohl ich heute das Ruder in der Hand halte, mischt mein Vater im Betrieb mit, ich bin immer noch ,nur' Juniorchef", sagt der Fährmann lächelnd.

"Heimat, das ist für mich der Fluss, der Rhein, wir haben als Kinder hier am Ufer gespielt, Steine gesammelt, Feuer gemacht, ich habe ein enges Verhältnis zum Wasser, hier bin ich zu Hause." Die Schiffe, die Fähren - immer stand die Arbeit im Mittelpunkt des Familienbetriebs Schäfer. Mit Rheinromantik hat das wenig zu tun. Die Arbeit ist hart, der Ton rau. Vor allem seit 2003, als die A44-Brücke eröffnet wurde und die Berufspendler nicht mehr per Fähre übersetzen. "Seit dem Tag X dümpeln wir vor uns hin", erklärt Hajo Schäfer. 200 Pkw am Tag sind gut, das Wetter spielt heute eine große Rolle. "Früher hatten wir 500 Stammkunden, heute 15." Daher setzt Schäfer heute mehr auf Partybetrieb, er übernimmt den Kirmes-Fährverkehr. Natürlich kratze das an der Schiffer-Ehre, heute müsse er eben nehmen, was kommt. "Aber", so betont er, "ich bin immer noch auf meinem eigenen Schiff!" Der freundliche Umgang mit den Fahrgästen und ein sauberes Boot, das sei für ihn immer oberstes Gebot.

Festen Boden unter den Füßen braucht Hajo Schäfer nicht. Den Urlaub verbringt die Familie oft auf großen Schiffen, dann darf es auch ruhig mal Salzwasser sein. Kreuzfahrten übers Mittelmeer oder nach St. Petersburg gehören zum festen Programm der Fährfamilie. Steht ein freier Tag zur Verfügung, verbringt ihn Schäfer auf Flohmärkten, immer auf der Suche nach antiken Comicfiguren. "Tim und Struppi haben es mir angetan, in dieser Beziehung bin ich Jäger und Sammler", gesteht er.

"Freie Zeit habe ich nicht wirklich viel und irgendwie bin ich ja schon ans Schiff gekettet, aber ich bin mit meiner Arbeit, dem Fluss, mit meiner Heimat sehr verbunden." Besonders Frühling und Herbst liebt Schäfer, das Farbenspiel, den Wandel der Natur. "Dann bin ich manchmal lieber hier auf dem Fährschiff als bei uns zu Hause." Einen Wunsch allerdings hat der Fährmann, und der hat so gar nichts mit Wasser zu tun. "USA, das ist mein großer Traum, einmal den Grand Canyon aus der Nähe sehen, das wäre ein großes Ding."

Quelle: RP
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