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Meerbusch
Schneiderin aus Büderich engagiert sich für Kinder

Meerbusch: Schneiderin aus Büderich engagiert sich für Kinder
Schutzbedürftige Kinder stehen im Mittelpunkt: Gülsüm Yalcinöz hat den Verein Hoffnungsstern mitgegründet. FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Gülsüm Yalcinöz ist Mitbegründerin des Neusser Vereins "Hoffnungsstern e.V." und hilft bei der Integration. Von Monika Götz

Wenn Gülsüm Yalcinöz über ihr Leben, den ehrenamtlichen Einsatz und ihr Engagement als Einzelvormund oder von ihren Söhnen spricht, sprühen ihre Augen. Sie sitzt in der Änderungsschneiderei "Atelier Savas" an der Witzfeldstraße in Büderich neben Nähmaschine und Garnrollen, umgeben von Kleidungsstücken, die Kunden - "sie kennen mich alle als Frau Savas" - zum Ändern gebracht haben: "1988 habe ich angefangen zu nähen, habe es mir selbst beigebracht und 1990 meinen ersten Laden eröffnet."

Zu diesem Zeitpunkt lebte sie bereits 17 Jahre in Deutschland. 1969 in der Türkei geboren, verbrachte sie die ersten vier Jahre bei den Großeltern. Die Eltern lebten in Neuss, wo Gülsüm Yalcinöz dann aufwuchs. Heute sagt sie: "Die lebensverändernden Ereignisse während der letzten Hauptschul-Jahre im häuslichen Umfeld sind die Wurzeln meiner heutigen ehrenamtlichen Tätigkeit."

Nachdem sie mit 15 Jahren den Kontakt zu den Eltern abbrach, folgten Heimaufenthalte und später der Umzug zu ihrem Lebensgefährten. 1988 und 1991 wurden die Söhne geboren. "Sie studieren in Amsterdam und Venlo. Der Ältere spricht sechs Sprachen", erzählt die Mutter zufrieden.

In der Zwischenzeit aber ist viel passiert. 2008 gründete sie mit Kamil Altay in Neuss den Verein "Hoffnungsstern e.V. - für schutzbedürftige Weltkinder". Heute ist die stellvertretende Vorsitzende auch darum bemüht, in Heimen oder Pflegefamilien lebende Kinder mit Migrationshintergrund zusammenzuführen: "Das ist schwierig, manche Eltern sind vermisst oder verstorben. Viele Menschen wissen um diese hilfsbedürftigen Kinder, tun jedoch zu wenig." Die 46-Jährige möchte Pflegefamilien gewinnen, um diese jungen Menschen zu unterstützen.

Ihre eigenen Erfahrungen in der Jugend bilden die Grundlage für die sogenannten Hilfeplangespräche, die sie mit Familien in ganz NRW führt. Selbst die Fahrten dorthin trägt Gülsüm Yalcinöz selbst. Und selbstverständlich spendiert sie ihren 16-jährigen Mündeln auch ein Eis und mehr: "Ich habe gemerkt, wie wichtig eine Vormundschaft ist. Deshalb habe ich an einem Seminar teilgenommen und bin dann Einzelvormund geworden. Die drei Jungs haben in letzter Zeit tolle Fortschritte gemacht." Sie leben in Düsseldorf, kommen oft nach Meerbusch, und am Wochenende wird bei Mama Gül - so nennen sie die Jungens - gemeinsam Deutsch gelernt oder etwas unternommen: "Es ist ein bereicherndes Gefühl, bei dem Weg in eine gute Zukunft zu helfen."

Diese Gedanken möchte Gülsüm Yalcinöz weitergeben - obwohl sie weiß, dass zum Helfen eine Menge Engagement nötig ist. Wenn sie in Sachen Hilfe unterwegs ist, schließt sie auch schon mal das Änderungsatelier: "Meine Kunden verstehen das." Die Arbeit holt sie abends nach: "Ich stoße manchmal an meine Grenzen. Meistens mache ich erst weit nach Mitternacht Schluss - das Atelier ist fast mein Zuhause."

Quelle: RP
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