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"Automatenhelden" von Gill Gartenstadt
Schriftsteller-Debüt über die Online-Liebe

Meerbusch. In "Automatenhelden" schildert die 39-jährige Osteratherin Gill Gartenstadt ihre Erfahrungen über die Partnersuche im Internet Von Maike Billen

Im Internet ist das Datenaufkommen gigantisch – aber lässt sich dort auch die große Liebe finden? Die Frage stellte sich auch eine 39-jährige Osteratherin. Ein Jahr lang suchte sie auf Online-Börsen nach dem richtigen Mann an ihrer Seite. Ihre Erfahrungen hat sie nun unter dem Pseudonym Gill Gartenstadt als Roman veröffentlicht. Der Titel: "Automatenhelden – Ein Jahr Online-Dating". In dieser Woche ist die Meerbuscherin mit ihrem Erstlingswerk auf der Frankfurter Buchmesse vertreten.

"Auf einigen dieser Portale wird über Psychologietests und Computeralgorithmen der passenden Partner errechnet", erzählt Gartenstadt. "Der PC ist sozusagen der Automat, der den richtigen Partner fürs Leben ausspuckt." Den Titel des Buches hat sie einem Bild entnommen, das in ihrem Haus hängt: "Jukeboxheroes" (deutsch: Musikautomaten-Helden) vom amerikanischen Künstler Steve Keen. "Keen produziert seine Bilder wie vom Fließband und vertreibt sie übers Internet – handgemachte Automatenware sozusagen." Gartenstadt testete zwei Portale – ein kostenpflichtiges Eliteportal und ein Gratis-Angebot: "Stelldichein" und "Schnappie" nennt sie sie im Buch.

Außer Design hat Gartenstadt Neue Medien studiert – ihr Schwerpunkt: Mensch-Computer-Interaktion. "Mich interessiert: Welchen Einfluss nimmt der PC auf das Paarungsverhalten?" Wobei sie sich dieser Frage nicht auf wissenschaftler Weise, sondern aus persönlicher Perspektive näherte: Der Roman ist die literarische Aufarbeitung dessen, was die Autorin ein Jahr lang auf der Suche nach einem neuen Partner im Internet erlebt hat. "Nach einer Woche – da hatte ich das erste Date – war mir klar, das muss ich festhalten: die Gespräche, die Kommunikation im Chat, meine Gefühle, einfach alles."

Während sie in den Online-Portalen aktiv war, las sie den ersten Band des Romans "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" des französischen Schriftstellers Marcel Proust. In dem beschreibt der Ich-Erzähler minutiös seine Gefühle zu Gilberte, der Tochter des Kunstliebhabers Swann. Doch seine Liebe wird nicht erwidert. "Im Buch ist es Gill, die sich total in Marc verliebt, aber enttäuscht wird", so Gartenstadt. Und dabei spricht sie von sich selbst: "Eigentlich hätte ich den Typen schon viel früher abschreiben sollen." Sie erinnert sich noch immer gut daran, dass er beim ersten Date dauernd mit seinem Handy beschäftigt war – statt mir ihr. Dennoch schwärmte sie am Anfang von diesem Mann aus dem Internet, der sich offline nach und nach als die falsche Wahl herausstellte. Diese Verblendung bringt die Haushälterin im Buch von Proust auf den Punkt: "Wer sich in einen Hundearsch verknallt, dem scheint er eine Rose." Gartenstadt wählte den Ausspruch als Eingangszitat für ihr Buch.

"Alles wird auch etwas karikiert dargestellt", sagt Gartenstadt. Der Aufbau des Romans ist an ein Tagebuch angelehnt, in dem die Ich-Erzählerin die Netzkommunikation, ihre Gefühlswelt und die Erlebnisse außerhalb des Internets auf humorvolle Weise dokumentiert. Ab und an fallen der Protagonistin dabei Songtitel und Werbeslogans ein – von der Autorin als Stilmittel gewählt. "Das Buch ist unterhaltend und authentisch" sagt Gartenstadt. Enthalte aber auch Kritik: "Jeder, der solche Online-Börsen nutzt, sollte vorsichtig an die Sache herangehen – mit einem besonderen Bewusstsein für das Medium", erklärt die Autorin. "Denn das Internet ist der perfekte Ort für Projektion, Illusion und falsche Nähe."

Die Debüt-Autorin präsentiert ihr Buch morgen auf der Frankfurter Buchmesse im Bereich der Klein-und Selbstverlage. Für die Veröffentlichung hatte sie einen eigenen Verlag gegründet: "Wiesenwald" – so heißt auch der Ort, in dem die Ich-Erzählerin im Buch wohnt. "Für mich ist ,Automatenhelden' der Türöffner für weitere Projekte und dient als Referenz, umVerlage auf mich aufmerksam zu machen."

Quelle: RP
 
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