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Meerbusch
Schützenbrüder streiten über Frauen

Meerbusch: Schützenbrüder streiten über Frauen
Im Jahr 2010 hat das Blaue Husaren-Schwadron Fahnenschwenkerinnen aufgenommen. Seither herrscht in der Bruderschaft Uneinigkeit über deren Mitgliedschaft. Nun ist die gesamte Kompanie ausgetreten.
Meerbusch. Aus der Lank-Latumer Bruderschaft werden Vorwürfe laut, weibliche Mitglieder würden schikaniert. Der Vorstand wehrt sich gegen die Behauptungen. Streitpunkt seien nicht die Frauen, sondern das Aufnahmeverfahren Von Tim Specks

Unter den Schützen der St. Sebastianus-Bruderschaft Lank-Latum herrscht Uneinigkeit über die Mitgliedschaft von Frauen. Laut Satzung ist ihnen die aktive Mitgliedschaft erlaubt - dennoch ist die Aufnahme von weiblichen Schützen weiter Streitthema. Aus Schützenkreisen wurden Vorwürfe laut, es gäbe gegen Frauen begrüßende Kompaniemitglieder sowie beigetretene Frauen selbst Drohungen. Der Vorstand der Bruderschaft wehrt sich gegen diese Vorwürfe. Streitthema sei nicht die Mitgliedschaft der Frauen, sondern die Art und Weise, wie diese in eine Kompanie aufgenommen wurden.

Rückblick: Vor gut fünf Jahren nahm das Blaue Husaren-Schwadron Lank-Latum Frauen als Fahnenschwenkerinnen in seine Kompanie auf. Die Statuten der Bruderschaft erlauben dies. Dort heißt es wörtlich: "Aktives Mitglied kann jeder werden, der sich auf die Satzung der Bruderschaft verpflichtet und das 16. Lebensjahr vollendet hat." Seither wurde den weiblichen Mitgliedern das Leben in der Bruderschaft erschwert, heißt es aus Schützenkreisen. Ein Vorwurf: Durch wissentlich satzungswidrige Beschlüsse habe der Gesamtvorstand die Teilnahme der Frauen an den Aktivitäten der Bruderschaft eingeschränkt. Eine der betroffenen Frauen gab an, man habe das Gefühl gehabt, nur für den Aufbau bestimmter Dinge gut genug gewesen zu sein. "Wir haben niemandem etwas getan und wollen nur unsere Fahnen schwenken", so eine Schützin. Vor einigen Wochen erteilte Brudermeister Jürgen Santen allen Kompanien generell die Erlaubnis, Frauen aufzunehmen. Dennoch habe sich der Umgang mit den Frauen nicht gebessert, so ein Vorwurf von Schützenseite. Als Konsequenz unter anderem aus Anfeindungen und Ausgrenzung hat sich das Blaue Husaren-Schwadron mittlerweile komplett von der Bruderschaft abgemeldet.

Aus dem Vorstand der Bruderschaft St. Sebastianus heißt es, entscheidender Punkt im Streit um die Mitgliedschaft von Frauen sei nicht deren Aufnahme, sondern die Art und Weise ihres Beitretens gewesen. "Der Fehler war, dass man einfach Fakten geschaffen hat", so Jürgen Santen. Es wäre besser gewesen, den gesamten Vorstand über das Vorhaben, Frauen aufzunehmen, zu informieren. Viele Schützen fühlten sich zum damaligen Zeitpunkt vor vollendete Tatsachen gestellt, so Santen. Um sich ein klares Bild von der Situation zu verschaffen, wurde zum damaligen Zeitpunkt ein Meinungsbild unter den Schützen eingeholt. Auf einer Mitgliedervesammlung stimmten 121 von 150 Anwesenden gegen die Aufnahme von Frauen in die Bruderschaft. "Da wollte man wohl eher jemandem einen Denkzettel verpassen, als sich gegen die Frauen auszusprechen. Das widerspräche auch dem Bild unserer Bruderschaft", so Santen. Brudermeister und Vorstand sahen sich nach der Abstimmung zwischen den Stühlen: Die Satzung erlaubte ausdrücklich die Frauenmitgliedschaft, der Großteil der Schützen war dagegen. In der Folge wurden zwei neue Satzungen angefertigt, man habe sich aber darauf verständigt, erst eine geplante, neue Satzung des Bundesschützenverbandes abzuwarten, um Elemente daraus in die eigene Satzung aufzunehmen, so Santen.

Mit dem Austritt der Husaren aus der Bruderschaft ist der Konflikt vorerst zum Stillstand gekommen. Jürgen Santen bedauert die Entwicklung: "Das tut mir sehr leid, das war sicher nicht der Sinn. Die Frauen wollen nichts anderes als Spaß haben. Das war ein Kampf, der auf ihrem Rücken ausgetragen wurde. Beide Seiten haben Fehler gemacht." Er ist sich sicher, dass ein anderes Vorgehen in dem Konflikt ein anderes Ergebnis gebracht hätte. Der General der Bruderschaft, Frank Neukirchen, schließt sich dieser Sicht an. "Die kompromisslose Vorgehensweise hat die Emotionen sicherlich hochkochen lassen. Wir sind mit Sicherheit nicht frauenfeindlich. Das haben wir schon alleine durch die aktive Einbindung von Frauen im Bundesspielmannszug und die Teilnahme weiblicher Gastkompanien beim Festumzug unter Beweis gestellt." Man könne jedoch nicht gegen die Grundeinstellung der Bruderschaft handeln, wenn diese tendenziell gegen die Aufnahme von Frauen stimme. Am Ende zähle, dass die richtigen Entscheidungen getroffen werden. "Ich will nur, dass unsere so gut funktionierende Bruderschaft auch weiterhin funktioniert."

Quelle: RP
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