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Meerbusch
Schwester Dorota und ihre Hildegunde

Meerbusch: Schwester Dorota und ihre Hildegunde
Hildegundis von Meer steht im Mittelpunkt des Festjahres zu 850 Jahre Kloster Meer, das in den nächsten Monaten in Meerbusch gefeiert wird. FOTO: Alice Wiegand
Meerbusch. Das Prämonstratenser-Kloster Meer und das Norbertiner-Kloster Krakau verbindet die Verehrung für Hildegunde von Meer. Von Monika Götz

Eine echte Hildegundis-Expertin war in Meerbusch zu Gast: Schwester Dorota, 80 Jahre alt, kam aus dem polnischen Krakau. Sie ist sozusagen entfernte Ordensschwester der Meerbuscher Klostergründerin. Im Büdericher Pfarrsaal sprach sie nun vor 60 Zuhörern über das Leben der Hildegundis und über ihr eigenes Leben im Kloster. Ihr Kloster in Krakau und Kloster Meer gehören demselben Orden an und wurden im ähnlichen Zeitraum gegründet. Da Norbert von Xanten der Stifter des Prämonstratenser-Ordens ist, tragen die Klöster in mehreren Ländern - so auch in Polen - die Bezeichnung Norbertiner-Kloster.

Die Prämonstratenserin Hildegunde spielte die Hauptrolle. "Sie ist eine Symbolfigur der Stadt Meerbusch und in unserem Kloster präsent", sagt Schwester Dorota und stimmt dem Meerbuscher Mike Kunze zu, der in seiner Festschrift "850 Jahre Haus Meer" geschrieben hatte: "Im Rückblick ist Hildegunde von Meer sicher die bedeutendste Frau, die im heutigen Meerbuscher Stadtgebiet jemals gewirkt hat." Kunze berichtet in seinem Aufsatz unter dem Titel "Hildegunde - Schein und Wirklichkeit einer deutschen Persönlichkeit" von der Herkunft der Herkunft der Gräfin Hildegunde und ihren Vater Edelherr Gottfried von Meer.

Die beachtlichen Besitztümer des Hauses Liedberg-Meer im Dreieck Mönchengladbach-Neuss-Krefeld machten Hildegunde und ihre Schwester Elisabeth zu begehrten Heiratspartnerinnen. Hildegunde - nach Schätzungen zwischen 1110 und 1115 geboren - heiratete den Grafen von Lothar von Are und brachte drei Kinder auf die Welt. Als der Ehemann etwa 1140 verstarb, verblieb das elterliche Erbe in ihrem Besitz. 1166 schließlich gründete Hildegunde das Frauenkloster und "damit begann die mehrhundertjährige Erfolgsgeschichte des Klosters Meer".

In ihrem Kloster verbrachte Hildegunde weitere 20 Lebensjahre. Diese historischen Ereignisse sind im Krakauer Norbertiner-Kloster und damit Schwester Dorota bekannt. Sie stellte in deutscher Sprache das Ansehen der Klostergründerin dar: "Als gute Mutter hat sie das Böse in Gutes umgewandelt." Hildegunde habe an die Barmherzigkeit Gottes geglaubt und wird im Kloster Krakau mit allen anderen Heiligen im Bild unter anderem in der Kapelle verehrt. Es sei hinterlegt, dass sie "gut für ihr Kloster sorgte und es an nichts fehlte." Ihre Schwester lebe jetzt im Haus Gottes und sei nun Fürsprecherin. Als Beweis dafür, wie nahe ihr und ihren Schwestern Hildegunde stehe, sagte Schwester Dorota: "Würden wir einen Stammbaum erstellen, wäre das Kloster Meer unsere Tante."

Sie betonte mehrfach, wie glücklich sie darüber sei, in Meerbusch zu sein: "Es ist eine große Freude, ich fühle mich hier wie zuhause." Erste Kontakte um ihr Kommen anlässlich des 850-jährigen Jubiläums Kloster Meer wurden bereits vor zwei Jahren mit Herbert Jacobs, Ende 2015 verstorbener ehemaliger Vorsitzender des Fördervereins Haus Meer, geknüpft. Kennengelernt hatten sie sich bei einem Vortrag 2004 in Neuss. Mit der Witwe Sabine Jacobs und Tochter Annedore besuchte Schwester Dorota unter anderem das Grab. Sie lebt während ihres Aufenthalts am Rhein bei Wolfgang Schmüdderich, Geschäftsführer des Fördervereins Haus Meer, und seiner Familie. Wie lebendig das Gedenken an Hildegunde ist, macht im Rahmen des Vortrags auch Heimatkreis-Vorsitzender Franz-Josef Radmacher deutlich. Er war vor einigen Jahren mit dem ehemaligen Landrat Dieter Patt in Krakau. Patt hatte den Besuch im Kloster initiiert und machte von einem Hildegunde-Ölbild ein Foto, das er gerahmt Ex-Bürgermeister Dieter Spindler schenkte.

Derartige Begebenheiten machen deutlich, dass Hildegunde von Meer als bemerkenswerte Frauengestalt die Geschichte geprägt hat und auch heute noch präsent ist. Ihr Erbe wird in Meerbusch verwaltet. Aber Schwester Dorota betont: "Ich sehe es als meine Aufgabe, als Dank das Andenken weiter zu pflegen. Hildegunde war eine wunderbare Frau und ist stark mit unserem Orden verbunden."

Dorota lernte die deutsche Sprache bereits als Kind in der Schule und spricht zudem Englisch und Französisch. Das bringt ihr - wie sie lachend mit dem ihr eigenen Humor betont - Vorteile: "Von Zeit zu Zeit bekomme ich Gelegenheit, das Kloster zu verlassen."

Das Publikum hörte neben den Details über Hildegunde einige Interna aus dem Klosterleben in Krakau. Sehr lebendig wird der Tagesablauf geschildert. Die Schwester ist seit 54 Jahren im Kloster und bedauert, dass es heute an Nachwuchs fehlt: "Obwohl der Kontakt zu anderen Klöstern per E-Mail geführt wird." Einige der Klosterfrauen - wie Schwester Dorota - verfügen über ein Handy: "So kann ich Fotos und SMS aus Meerbusch nach Hause schicken." Roger Gerhold, der sich stark in die Jubiläums-Festivitäten einbringt, fasst den Eindruck des Vortrags-Abends so zusammen: "Ich habe mich oft gefragt, wie Hildegunde wohl heute wäre. Jetzt habe ich es erlebt - es wäre eine sehr humor- und liebevolle Frau."

Quelle: RP
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