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Meerbusch
Senioren und Schüler - eingespieltes Team

Meerbusch: Senioren und Schüler - eingespieltes Team
20 Jahre Partnerschaft Hildegundisheim und Realschule Osterath: Marvin (l.) und Jonathan spielen mit Liselotte Saft (vorne) und Waltraud Brandt "Mensch ärgere dich nicht". FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Meerbusch. Seit 20 Jahren besuchen Realschüler aus Osterath die Bewohner des Seniorenheims Hildegundis von Meer. Es wird gespielt, gequatscht, gelacht. Beide Seiten profitieren von dieser ungewöhnlicher Freundschaft. Von Angelika Kirchholtes

Der Donnerstag um 15 Uhr ist ein fester Termin im Wochenkalender von Lieselotte Saft und Waltraud Brandt. Die Bewohnerinnen des Seniorenheims Hildegundis von Meer freuen sich auf den Besuch der Schüler der Osterather Realschule, die mit ihnen und weiteren Senioren einen vergnüglichen Spiele-Nachmittag verbringen.

Schon von Weitem hört man Gelächter und das Klacken der Spielfiguren. "Seit zwanzig Jahren gibt es eine Kooperation unserer Schule mit dem Seniorenheim", erzählt Rainer Prinz, der gerade in den Ruhestand gegangen ist und den Staffelstab an seine Kollegin Eva Jütte weitergegeben hat. Neben diesen beiden ist Bianca Boender als Ehrenamtliche und ehemalige Mitarbeiterin des Hauses im Team. Sie verteilt Saft und Kekse, denn Spielen macht hungrig. "Man muss schon die Gedanken zusammennehmen, wenn man gegen die jungen Leute gewinnen will", sagt eine Seniorin. Gerade ist ihre rote Spielfigur bei "Mensch ärgere dich nicht" rausgeschmissen worden, und sie muss wieder von vorne anfangen. Marvin und Jonathan aus der Klasse 9 b zwinkern sich vergnügt zu.

Nun sind sie wieder im Vorteil. Die Zwei haben die "AG Hildegundis" als Ergänzungsfach gewählt und sind sehr zufrieden mit ihrer Wahl. "Es macht Spaß hier", sagen sie. Insgesamt sind an neun Tischen rund 30 Personen versammelt, die das Projekt "Soziales Lernen" mit Leben erfüllen. Neben "Mensch ärgere dich nicht" wird Rummycub gespielt, sowie die motorischen Fähigkeiten am "Jenga"-Wackelturm trainiert.

"Die Zusammenarbeit begann 1997 ohne Pauken, aber mit einer Trompete, als Schüler der Realschule zum ersten Mal in einem Wohnbereich des Caritashauses Hildegundis von Meer eine Stunde lang musizierten und Senioren zum Mitsingen bekannter Volkslieder animierten", erzählt Prinz. Ein anderes Mal brachten die Schüler ihre Haustiere, ein Meerschweinchen, einen kuscheligen Hasen und einen Hund, mit, die die Senioren streicheln und dabei von früher erzählen konnten. Außerdem begleiteten die Schüler die Senioren auf Spaziergängen oder luden sie zu Gesellschaftsspielen ein. Auf der anderen Seite gelang es, die Heimbewohner in den Unterricht der Realschule einzubinden, denn die Kooperation sollte keine Einbahnstraße sein. Immer wieder nahmen Senioren als Zeitzeugen am Geschichtsunterricht der Oberstufe teil. Heimbewohner wie Mrs. Brown, Frau Liese, Frau Koss, Herr Savelsberg oder Herr Sarwas senior schilderten eindrucksvoll ihre Weltkriegserfahrungen, die sie in der Heimat, an Bord eines U-Boots, an der Front von Stalingrad oder während der Flucht und Vertreibung gemacht hatten. Senioren wurden auch zur Entlassfeier der zehnten Klassen eingeladen, wobei eine Seniorin das Kästner-Gedicht "Wenn wir den Krieg gewonnen hätten" vortrug.

Ebenso beeindruckend sei die Begegnung von Senioren und Schülern einer 10. Klasse gewesen, die im Unterricht die Lektüre "Er hieß Jan" gelesen hätten, berichtet Prinz. Das Buch handelt von dem Schicksal eines Mädchens, das sich während des letzten Weltkriegs in einen polnischen Jungen verliebt hatte. Nun begegneten die Zehntklässler im Clubraum des Caritashauses Personen, die zum damaligen Zeitpunkt so alt waren wie Jan, das verliebte Mädchen und sie selbst heute. "Die Erinnerungen und Erfahrungen hinterließen bei allen nachhaltigen Eindruck", so der Pädagoge.

Zum 20-jährigen Jubiläum der Partnerschaft am 8. Juni hat er ein Musikduo aus ehemaligen Schülern engagiert: Zu Alt-Saxophon und Klavier können alle singen, was das Herz begehrt.

Quelle: RP
 
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