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Wie Geht's, Meerbusch?
Shijonawas? - Vom Sinn der Städtepartnerschaft

Meerbusch. Städtepartnerschaften bergen immer das Risiko, dass sie nach erster Euphorie so schnell vergehen wie die Kirschblüte.

Stolze 9.247 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Meerbusch und der Partnerstadt Shijonawate. Beide Städte leben sozusagen in einer Fernbeziehung. Welchen Sinn ergibt da eine Städtepartnerschaft? Kann es gar Freundschaft werden? Meerbuschs Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage bereist gerade mit einer kleinen Delegation Shijonawate und nach allem, was man von der Truppe vernimmt, ist es eine äußerst gewinnbringende Reise. Getreu dem japanischen Aphorismus: "Hebt man den Blick, so sieht man keine Grenzen."

Die Gefahr bei Städtepartnerschaften ist, dass es bei ersten offiziellen Besuchen bleibt, dass diese Partnerschaft so schnell vergeht wie die Kirschblüte. Köln leistet sich beispielsweise 24 Partnerstädte. Typisch! Meerbusch ist bescheidener. Viele Jahre gab es als Partner nur den bretonischen Fischerort Fouesnant. Als Meerbusch 2010 eine neue Städtepartnerschaft eingehen wollte, lagen Bewerbungen aus mehreren Ländern vor. Der Rat entschied sich für die am entferntesten liegende Kommune: Shijonawate. "Shijonawas?", dachte vielleicht zunächst mancher.

Meerbusch und Shijonawate - diese Verbindung macht Sinn, und es gibt Anlass zur Hoffnung, dass trotz großer Distanz mehr daraus erwächst als ein paar Standardbesuche von Offiziellen. Einige Zahlen zum Beleg: Zehn Prozent der rund 56.000 Einwohner Meerbuschs sind Ausländer aus über 100 verschiedenen Nationen. Die größte ausländische Bevölkerungsgruppe stammt in Meerbusch traditionsgemäß aus Japan. Rund 800 Japanerinnen und Japaner leben derzeit hier. Es waren sogar mal 1200. Shijonawate und Meerbusch verbinden überraschende Gemeinsamkeiten: Beide Städte feierten im Jahr 2010 ihr 40-jähriges Bestehen. Beide Kommunen sind noch jung, haben jedoch geschichtsträchtige Stadtteile. Beide haben eine fast gleiche Einwohnergröße: Meerbusch hat rund 56.000, Shijonawate 57.000 Einwohner. Beide Städte sind zudem von grüner Landschaft geprägt; und beide liegen in direkter Nachbarschaft zu namhaften Großstädten - Meerbusch zu Düsseldorf und Köln, Shijonawate zu Osaka und Kyoto. Wenn sich also die Stadtvorderen oder Schülergruppen treffen, dann tauschen sie sich mit ähnlichen Erfahrungen, ähnlichen Hintergründen aus.

Eine Freundschaft auf 9247 Kilometer Luftlinie halten, das geht. Wir zitieren - weil es so schön ist - noch einen japanischen Aphorismus: "Von weitem grüßen ist besser als in der Nähe zanken."

Sebastian Peters

Quelle: RP
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