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Meerbusch
Sonja Mataré wird morgen 90 Jahre alt

Meerbusch. Seit 84 Jahren ist Büderich die Heimat der Tochter von Ewald Mataré. Dort im Atelierhaus lebte und arbeitete die Künstler-Familie. Ihr zu Ehren findet am nächsten Freitag ein Empfang im Kurhaus Kleve statt. Von Monika Götz

1932 kam Sonja Mataré als Sechsjährige aus Berlin nach Büderich. Geboren aber ist die Tochter von Hanna und Ewald Mataré 1926 in Aachen, wo alle Vorfahren väterlicherseits das Licht der Welt erblickten: "Mein Vater wollte nicht, dass ich eine Berlinerin werde."

Diese und andere Erinnerungen werden jetzt aufgefrischt. Denn Sonja Mataré wird morgen 90 Jahre alt. Gefeiert wird in Büderich: "Das ist längst meine Heimat geworden." Hier hat sie die Kindheit verlebt und war eng eingebunden in den Künstlerhaushalt: "Erst im Laufe der Zeit habe ich gespürt, dass es bei meinen Schulfreunden anders zuging."

Ihr Vater prägte das Leben. Sie hat ihn "liebevoll und zärtlich" in Erinnerung: "Aber er war auch streng, hat mich ständig kontrolliert und darauf geachtet, dass ich mich tadellos benehme." Auch sonntags habe er immer gearbeitet und sei alleine verreist, um sich besser konzentrieren zu können. Die komplette Familie fuhr ein- bis zweimal im Jahr mit dem Zug nach Bingen und mit dem Schiff zurück: "Das war jedes Mal ein Höhepunkt."

Während des Krieges ließ sie sich zur Goldschmiedin ausbilden, arbeitete in ihrer eigenen Werkstatt und wurde 1953 auf der X. Triennale Mailand ausgezeichnet: "Es war schwierig, mit sehr einfachem Handwerk Schmuck und Objekte herzustellen. Aber ich bekam schöne Aufträge." Der Vater, der ein geselliger Mensch war und gern Gäste um sich scharte, hatte immer ein kritisches Auge auf ihre Goldschmiede-Arbeiten. Das ein oder andere sakrale Stück entstand auch in Zusammenarbeit. Umgekehrt durfte auch die Tochter an den Werken des Bildhauers, Grafikers und Malers mitarbeiten. Das geschah alles in dem Büdericher Atelierhaus, das Sonja Mataré seit 65 Jahren bewohnt.

Dort gingen wegen der Zerstörung der Kunstakademie in Düsseldorf die Studenten ihres Vaters ein und aus. Sie arbeiteten in einem der zwei Ateliers, dort, wo heute das Wohnzimmer ist. Unter ihnen auch Joseph Beuys. Er war ein begeisterter Naturliebhaber, brachte der jungen Sonja häufig in einem Briefumschlag Sämereien mit und erklärte sich bereit, den Samen für eine große Wiese auf dem dazu erworbenen Stück Land einzubringen: "Ich säe und du kannst treten, hat er gesagt." Diese Wiese und viele der wildwuchernden Pflanzen umgeben noch heute das Zuhause von Sonja Mataré: "Ich liebe dieses Haus und den Garten. Alles in meinem Leben hat sich wunderbar gefügt." Sie versucht, nur an das Schöne zu denken, erzählt aber auch von den schlimmen Erlebnissen während des Krieges: "Ein guter Freund wurde eingezogen und kam nicht zurück."

Dass ihr 90. Geburtstag mit den Veranstaltungen zu "850 Jahre Kloster Meer" zusammenfällt, freut Sonja Mataré. "Es ist wichtig, die Historie aufrechtzuerhalten." Jetzt aber bereitet Sonja Mataré sich auf den Geburtstag vor. Sie rechnet mit Überraschungsgästen und wird außerdem am 12. August mit einem Empfang im Museum Kurhaus Kleve geehrt.

Quelle: RP
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