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Meerbusch
Spiel, Satz und Sieg für Flüchtlinge

Meerbusch. Wenn heute ab 10 Uhr die ersten Spiele des ATP-Turnier im Sportpark Am Eisenbrand ausgetragen werden, sind unter den knapp 90 Ballkindern und Linienrichtern auch 13 Flüchtlinge. Sie wurden für ihren Job extra trainiert und geschult. Von Anke Kronemeyer

Dalil Bakka (38) hat früher in Marokko fast professionell Tennis gespielt. Darum kennt er sich nach wie vor noch gut aus mit dem weißen Sport und seinen Regeln. Und kann den Flüchtlingen, die ab morgen mit auf den Tennisplätzen stehen, genau erklären, was sie zu tun haben. Er selbst steht aber auch auf dem Platz: als Linienrichter und weiß genau, welche Worte er rufen muss: "Out", wenn der Ball im Aus ist, oder "Fehler", außerdem muss er Handzeichen geben. Das ist auch schon alles in seinem Job für die nächsten neun Tage. Aufgeregt ist er trotzdem - auch, weil er, der schon seit 18 Jahren in Deutschland lebt und arbeitet, einige Schützlinge hat. Denn die sind noch ganz neu in Meerbusch, haben zum Teil in der Unterkunft der Mataré-Turnhalle gelebt und sind jetzt seit ihrem Auszug in verschiedenen Kommunen untergebracht.

Für ihr neues Hobby aber kommen sie nach wie vor nach Büderich: um im Sportpark Am Eisenbrand zu boxen, zu tanzen oder zu singen. Denn diese Sportaktionen waren Bestandteil des Betreuungsprogramms des Vereins Freiraum mit Thomas Brauer und seinem Team. Für das Sportprojekt hatte er Unterstützung von Maria von Mandelsloh, die sich auf mehreren Ebenen ehrenamtlich engagiert und den Verein Freiraum in diesem Projekt gezielt unterstützt hat. Alle zusammen trafen sich immer wieder zum Sport, so wurde Marc Raffel als Veranstalter des ATP-Turniers auf die Gruppe aufmerksam. Er fragte, ob die Flüchtlinge nicht auch beim Turnier mitmachen könnten - egal, ob als Ballkinder oder Linienrichter. "Kein Problem", antworteten Brauer und Bakka und begannen, ein Dutzend Jugendliche und Erwachsene auf ihren Tennis-Job vorzubereiten. Unterstützung gibt es dazu auch von Martin Yousafzai, der beim Turnier alle Ballkinder und Linienrichter einteilt und betreut. Ab morgen bis zum nächsten Sonntag sind 63 Ballkinder und 25 Linienrichter im Einsatz. "Jetzt haben unsere Flüchtlinge einen richtigen Dienstplan und wissen immer genau, wann sie in den nächsten Tagen wo sein müssen", so Brauer. Er glaubt, dass dieser ungewöhnliche Einsatz ihnen ein gutes Selbstwertgefühl geben kann.

Für Marc Raffel schließt sich damit noch ein Kreis. Er wollte sich sowieso für Flüchtlinge engagieren - und jetzt sei doch der "soziale Nutzen" für alle Seiten groß. Maria von Mandelsloh ist sich sicher, dass für die beteiligten Flüchtlinge nicht nur der Sport, sondern auch das Turnier eine tolle Sache ist. "So kommen alle miteinander ins Gespräch."

Für Dalil Bakka und seine Frau Samira ist es sowieso Ehrensache, sich für die Flüchtlinge in Meerbusch zu engagieren. Samira stammt aus einer marokkanischen Familie, wurde vor 34 Jahren in Deutschland geboren, lebt jetzt mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Sohn in Strümp. Als vor einem Jahr die Mataré-Turnhalle Flüchtlingsunterkunft wurde, war sie regelmäßig dort und hat ehrenamtlich geholfen - sie hat übersetzt, Sprachunterricht gegeben oder kulturelle Unterschiede erklärt. Sie und ihr Mann haben sich mit einem 20-jährigen Flüchtling so gut verstanden, dass sie ihn als Paten weiter betreuen. Und sich gerade freuen, dass der junge Mann jetzt seinen Asylantrag und gleich eine Wohnung gefunden hat.

Quelle: RP
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