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Meerbusch
Al-Bonie hält den Aufstieg für machbar

Meerbusch: Al-Bonie hält den Aufstieg für machbar
Mohammad Al-Bonie gehört nach einem schwierigen Start bei den Lanker Verbandsliga-Handballern heute längst zu den Leistungsträgern und ist aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken. FOTO: Falk Janning
Meerbusch. Der aus Syrien gekommene Flüchtling gehört beim Verbandsliga-Ersten Treudeutsch Lank zu den Leistungsträgern und hat ehrgeizige Ziel. Die 2. Liga hat er sich abgeschminkt, aber nächstes Jahr möchte er in die Oberliga. Von Falk Janning

Rasant ist die Entwicklung, die Mohammad Al-Bonie beim TuS Treudeutsch 07 genommen hat. Vor anderthalb Jahren war der Syrer vor dem Krieg in seiner Heimat geflohen und hatte nach einer wochenlangen Odyssee im Flüchtlingsaufnahmelager in der Alten Schule in Bösinghoven eine notdürftige Bleibe gefunden. Für die Lanker Handballer war das ein Glücksfall: Denn natürlich schloss sich der 26-Jährige, der im mittelsyrischen Hama für ein Team aus der ersten Liga des Landes gespielt hatte, dem örtlichen Verbandsliga-Team von Trainer Hubert Krouß an. Schwierigkeiten hatte Al-Bonie zunächst mit der Spielweise und den einstudierten Spielzügen, die er aus seiner Heimat nicht kannte. "Er ist aber sehr lernbegierig und ehrgeizig und hat die Dinge schnell angenommen", sagt der Coach, der das große handballerische Potenzial seines Zuganges sofort erkannt hatte. Heute gehört Al-Bonie bei den Lankern längst zu den Leistungsträgern und ist aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken.

Sicher stünde Treudeutsch ohne ihn aktuell nicht an der Tabellenspitze. In den jüngsten Partien hatte Krouß den Syrer zunehmend auf der Spielmacherposition aufgeboten, wo er immer wieder bärenstarke Momente hat. "Er spielt nicht mehr so wild wie in den ersten Wochen und ist für seine Mannschaftskameraden mittlerweile besser ausrechenbar", sagt Krouß über seinen Schützling, dessen große Stärke die Eins-gegen-eins-Situation ist. "Er ist flink, unberechenbar und mit seinen schnellen Beinen und Haken nur schwer zu verteidigen", sagt der Coach.

Al-Bonie selbst sagt: "Ich bin noch nicht so sehr daran gewöhnt nach diesen vielen Plänen zu spielen, aber Trainer und Spieler helfen mir dabei." Gegnerische Teams versuchen ihn phasenweise durch Manndeckung aus dem Spiel zu nehmen. "Mohammad erinnert mich an unseren früheren Spielmacher Tim van Bösekom, der einen ebenso unkonventionellen Stil hatte", meint der Trainer.

Menschlich hatte "Mo", wie ihn seine Mitspieler rufen, durch seine zurückhaltende und freundliche Art von Beginn an keinerlei Probleme im Team und war von der ersten Sekunde an voll akzeptiert. Vor anderthalb Jahren sprach er nur arabisch, mittlerweile hat er den Integrationskursus abgeschlossen und kann sich gut verständigen. "Alle Spieler gehen sehr freundlich mit mir um. Sie sind rücksichtsvoll und sprechen langsam mit mir, damit ich alles verstehe", sagt Al-Bonie. Derzeit ist er auf der Suche nach einem Beruf, der ihm liegt. "Gerne würde ich im Sportbereich arbeiten, aber dafür müsste ich deutlich besser deutsch sprechen", sagt er. Trainer und Verein wollen ihm in den nächsten Wochen bei der Suche nach einer Ausbildungs- oder Jobmöglichkeit helfen.

Der Syrer ist ein Sportenthusiast. Er habe in seiner Heimat vor dem Krieg täglich sieben Stunden Sport betrieben, berichtet er. Vor allem Handball und Badminton. In beiden Sportarten spielte er in Teams aus der höchsten Liga.

In Krefeld spielt er aktuell auch für den KTSV Preussen Badminton, entscheidet sich bei Terminüberschneidungen aber immer für Treudeutsch. "Mein Traumberuf ist Profi-Handballer. Als ich nach Deutschland kam, da dachte ich, ich könnte hier mindestens in der zweiten Liga spielen", sagt er. Aber das sei schwerer als er erwartet habe. "Bei Treudeutsch bin ich derzeit sehr zufrieden. Ich hoffe, dass es uns gelingt, in die Oberliga aufzusteigen. Das können wir schaffen, wenn wir regelmäßiger und ernster trainieren, und jeder Verantwortung übernimmt."

Quelle: RP
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