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Johannes Peters Und Renate Baumann
"Diese Fusion ist ein Lebenswerk"

Johannes Peters Und Renate Baumann: "Diese Fusion ist ein Lebenswerk"
Der neue Vorstand des neuen TSV Meerbusch: Renate Baumann und Johannes Peters im Gespräch mit den RP-Redakteuren Martin Röse und Anke Kronemeyer FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Der ASV Lank mit 1000 Mitgliedern und der TuS 64 Bösinghoven mit 1500 Mitgliedern haben sich zum TSV Meerbusch zusammengeschlossen. Ab 1. Juli tritt der neue Verein auch offiziell auf. Die beiden Vorsitzenden erklären ihre Ziele

Wie viele Mitglieder haben nach dem Fusionsbeschluss Ihre Vereine verlassen?

Johannes peters Bei uns im TuS waren es nur zwei von rund 1500 Mitgliedern ... Renate Baumann ... und bei uns im ASV nur einer. Das hielt sich wirklich in Grenzen. Im Gegenteil: Es haben sich direkt Mitglieder gemeldet und signalisiert, dass sie verstärkt mitarbeiten wollen. Mitglieder, die ich vorher gar nicht so auf dem Schirm hatte. Außerdem haben einige Mitglieder unaufgefordert schon Entwürfe für das neue Vereinslogo geschickt. Unser E-Mail-Postfach ist regelrecht gesprengt worden mit netten Rückmeldungen. Das alles hat uns positiv überrascht.

Apropos Logo: Wie soll das Logo für den TSV Meerbusch aussehen?

Peters Das wird gerade entwickelt. Es wird auf jeden Fall ein "M" für Meerbusch eine wichtige Rolle spielen, das steht dann aber auch für "Mein Verein" oder "Mein Team". Der Vorstand mit uns beiden sowie Stefan Pätzold und Helmut Tovornik wird das dann abstimmen.

Welche Vorbereitungen für die Fusion zum Stichtag 1. Juli laufen gerade konkret?

Baumann Wir bringen die Mitgliederkarteien zusammen. Da beide Vereine eine unterschiedliche Software einsetzen, ist das ziemlich aufwändig.

Darf der TSV Meerbusch gleich in der Fußball-Oberliga antreten?

Peters Der Fußballverband Niederrhein hat der Fusion zum 1. Juli zugestimmt, so dass wir jetzt alles auf den Weg bringen können.

Kommt es bei Sportvereinen tatsächlich auf die Größe an?

Peters Vor zehn Jahren hielt ich eine Fusion für Teufelszeug. Ich bin mittlerweile der festen Meinung, dass, wenn man als Verein etwas erreichen will, dann kommt es auf die Größe dieses Vereins an. Mit 2500 Mitgliedern können wir viel mehr bewegen, haben es leichter, Sponsoren zu finden. Von Kommunen können wir wegen ihrer Finanznot ja nicht viel erwarten. Baumann Sportvereine haben eben hohe Kosten, Plätze müssen unterhalten werden, einige Mannschaften sollen oben mitspielen, da kosten Trainer Geld. Wenn man dann noch junge Talente fördern will, ist man schnell am finanziellen Ende angelangt. Ich denke, dass wir als großer Verein auf allen Ebenen so besser arbeiten können - Zumal wir unser Angebot ausweiten und zum Beispiel in Lank zwei neue Sportplätze anlegen wollen.

Bisher trugen Ihre beiden Vereine den Stadtteil im Namen. Sorgt der Name TSV Meerbusch nicht für geringere Identifikationsmöglichkeiten?

Peters Im Gegenteil. Jegliches Kirchturmdenken sollte der Vergangenheit angehören. Natürlich sind vor allem die Stadtteile in Meerbusch stark ausgeprägt, aber wir müssen ganz dringend über diese Grenzen hinwegdenken. Es geht darum, Sport für alle anzubieten. Baumann Ich glaube, dass die heutige Jugend auch nicht mehr so in den Stadtteilgrenzen klebt wie noch meine Generation.

Wann schließt denn eine der beiden Geschäftsstellen?

Baumann Beide Geschäftsstellen bleiben erstmal erhalten. Möglich sind vielleicht unterschiedliche Öffnungszeiten. Ob es in einigen Jahren wirklich noch zwei Büros geben muss, ist aber fraglich.

Wird es noch jemals ein Heimspiel der Oberliga-Mannschaft am Windmühlenweg geben?

Peters Bestimmt. Und natürlich wird die Anlage in Bösinghoven weiter genutzt; von der zweiten Mannschaft und zahlreichen weiteren Fußballteams. Insgesamt kommen wir jetzt auf 26 Teams. Die erste Mannschaft wird allerdings im Regelfall künftig auf der Anlage in Lank spielen.

Was wird sich beim Angebot des neuen Vereins mittel- oder langfristig ändern?

Peters Wir würden gerne in Firmen Betriebssport anbieten und intensiver mit Ärzten oder Krankenkassen zusammenarbeiten. Unser Sportangebot in Schulen und Kindergärten läuft durch die beiden Absolventen des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) ja schon gut, ist aber noch ausbaufähig auf andere Einrichtungen.

Ein Beispiel?

Peters Es gibt doch einige Seniorenheime in Meerbusch - mit den Bewohnern könnten wir doch auch Sport machen.

Wem nützt das was?

Baumann An erster Stelle denen, die sich bewegen. Es kann aber auch bei uns für mehr Einnahmen sorgen. Peters Je mehr Partner wir haben, desto besser können wir arbeiten. Vielleicht gibt es sogar Firmen, die uns in Form eines Sponsorings bei den Sportstätten oder Rasenplätzen helfen.

Wird der TSV auch neue Sportarten anbieten?

Peters In der Überlegung ist, dass wir vielleicht auch Basketball anbieten, dass wir mit Badminton oder Tischtennis gerne höherklassig spielen würden. Und dass wir gerne ein eigenes Fitnessstudio aufbauen möchten, das dann auch am Wochenende geöffnet hat. Baumann Auf der Anlage in Lank wäre für solch ein neues Studio noch Platz.

Sie werden es schwer haben, zusätzliche Angebote zu machen, wenn Sie keine entsprechenden Sporthallenzeiten haben...

Peters Wir suchen deshalb dringend weitere Sportstätten neben den bisherigen und appellieren an alle - zum Beispiel Firmen im Gewerbegebiet - die eine leere Halle haben, sie uns zur Verfügung zu stellen.

Eine Mitgliederversammlung wird es beim TSV nicht mehr geben. Das ist undemokratisch, finden Sie nicht?

Peters Statt Mitgliederversammlungen gibt es Delegiertenversammlungen. Die Delegierten werden demokratisch von den Mitgliedern gewählt. Das führt dazu, dass alle Abteilungen vertreten sind. Das war bisher nicht immer gegeben. Baumann Von unseren 1000 Mitgliedern kamen manchmal gerade mal 30, 40 zur Versammlung. Das ist nicht repräsentativ.

Wie viele Mitglieder hat der TSV in zehn Jahren?

Baumann Wir rechnen mit mehr als 3000. Peters Der Verein wird eine Sogwirkung entwickeln.

Verraten Sie uns: Mit welchem Verein fusioniert der TSV Meerbusch als nächstes?

Peters Auf keinen Fall mehr noch eine Fusion! So etwas ist absolut aufwändig. Baumann Organisatorisch leichter ist, wenn sich ein Verein uns anschließen würde. Wir sind da völlig offen. Peters Diese Fusion war ein Lebenswerk!

Ihr Lebenswerk?

Peters Ich habe vier Enkel. Das ist mein Lebenswerk.

ANKE KRONEMEYER UND MARTIN RÖSE FÜHRTEN DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
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