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Meerbusch
Stadt muss Beuys-Wand verfallen lassen

Meerbusch: Stadt muss Beuys-Wand verfallen lassen
Der mit Taubenkot befleckte Corpus als Auferstehungssymbol vor der Schlämmwand, die in Teilen bröckelt und schmutzig ist. FOTO: Stadt Meerbusch
Meerbusch. Auf eine diffizile Lage hat im Kulturausschuss jetzt der Meerbuscher Thomas Cieslik hingewiesen: Auf den Wänden des Alten Kirchturms in Büderich, den der Künstler Joseph Beuys 1959 als Mahnmal gestaltet hatte, hat sich der Dreck aus fünf Jahrzehnten abgesetzt, teilweise bröckelt die Wand. Von Sebastian Peters

Der mit der Sanierung beauftragte Architekt wollte aus diesem Grund die Schlämme erneuern. Dagegen sprechen aber aus Sicht des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege ästhetische Gründe. Es sei Beuys' Intention gewesen, mit dem Mahnmal und der nur einmalig aufgetragenen Schlämme die Vergänglichkeit zu dokumentieren.

Vor der Sanierung des Turms wurde sogar die Beuys-Witwe Eva kontaktiert und befragt - selbst sie sagte, dass eine Sanierung im Sinne ihres Mannes wäre. So weit aber, auch die verdreckten Schlämme zu erneuern, kann die Stadt nun nicht gehen. Schäden sollen stattdessen nur vorsichtig - "konservativ" - behandelt werden, so die Denkmalpfleger. "Im Prinzip soll die Kirche so hergerichtet werden, dass ihr keine weitere Zerstörung droht", sagt Cieslik, der um die Kompliziertheit des Unterfangens weiß. "Das ist das Schwere bei Beuys, man weiß nie, wo es ihm um Erhalt geht und wo er etwas verfallen lassen wollte."

Es gibt eine Vorgeschichte des Mahnmals Alter Kirchturm: 1891 brannte der romanische Kirchturm der alten Pfarrkirche St. Mauritius ab, ausgelöst durch die Glut eines Weihrauchfasses. Die Kirche wurde an anderer Stelle an der Dorfstraße neu aufgebaut, der abgebrannte Bau blieb Ruine. Die Meerbuscher Politik entschied 1953, dass aus dem Turm eine Kriegergedächtniskapelle werden soll. Der damals noch unbekannte Künstler Joseph Beuys (1921 bis 1986) erhielt den Zuschlag. 1959 wurde das Kunstwerk fertig - ein Corpus als Auferstehungssymbol, ein zweiflügeliges Tor mit Eisen-Beschlägen und den Namen der Gefallenen. Der Turm wurde als offene "Zelle" gestaltet, mit einer Schlämme speziell nach Beuys-Rezeptur. Das Kunstwerk ist heute die einzige Großarbeit von Beuys, die außerhalb von Galerie- und Museum frei zugänglich ist.

Der offene Turm hat den Verfallsprozess verstärkt: So berichtete Thomas Cieslik im Ausschuss, dass das große Holzkreuz von Taubenkot völlig verätzt ist. "Die Beschädigungen sind stärker als erwartet." Derzeit wird das Auferstehungssymbol mit den beiden jeweils 450 Kilogramm schweren Torflügeln von einer Spezialfirma restauriert. Die Firma gehe sorgsam vor, berichtete Cieslik. Zunächst sei geprüft worden, ob das Kreuz chemisch gereinigt werden kann. Dies hätte aber zu Schäden am Holz geführt. Die Restauratoren entschieden sich also für eine konservative Reinigung, mit dem Effekt, dass der Taubenkot nicht restlos entfernt werden kann. Die Stadt hat sich vor wenigen Tagen selbst in Brauweiler in den Werkstätten des LVR vom Zustand der Beuys-Werke überzeugt.

Quelle: RP
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