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Meerbusch
Stadt sammelt Ideen für den Radverkehr

Meerbusch: Stadt sammelt Ideen für den Radverkehr
Sicher mit dem Fahrrad von A nach B kommen, zum Beispiel in Osterath - das ist das Ziel der Radwegplanung. FOTO: U. Dackweiler
Meerbusch. Ein Hannoveraner Planungsbüro arbeitet mit der Verwaltung an einem modernen Radverkehrsnetz für Meerbusch. Die Bürger sind aufgerufen, ihre Anregungen dazu per E-Mail ans Technische Dezernat zu schicken. Von Julia Hagenacker

Meerbusch denkt an den Schulterblick in Richtung Zukunft und Nahmobilität: Seit Ende September ist die Stadt Mitglied der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte (AGFS) in NRW. 18 Schilder an den Ortseingängen weisen künftig auf die Mitgliedschaft hin. Aus Sicht der Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage gibt es dafür schon jetzt gute Gründe: die roten Fahrradschutzstreifen an der Bösinghovener Straße zum Beispiel, Radsymbole mit Pfeilen an den Zufahrten Rheinstraße und Gonellastraße, rot gestrichene Fahrradstreifen auf der Osterather Straße oder das sanierte Klapperpflaster auf dem Deichradweg.

Wohlgemerkt: Die mit dem Beitritt zur Arbeitsgemeinschaft einhergehende Auszeichnung heißt zwar "fahrradfreundliche Stadt", bedeutet aber nicht, dass in Meerbusch für Radfahrer schon alles rund läuft. Die Verwaltung, heißt es, sehe die AGFS-Zugehörigkeit deshalb auch als Arbeitsauftrag. Diesbezüglich holt sie jetzt sogar die Bürger mit ins Boot: Per E-Mail an die Stadt sollen die Meerbuscher Anregungen zur Verbesserung des Radverkehrs benennen.

"Das Radfahren im Stadtgebiet muss komfortabler und attraktiver werden, um das Fahrrad langfristig als erst zu nehmende Alternative zum Auto zu etablieren - zum Beispiel für den Weg zur Arbeit oder zur nächsten Bus- oder Bahnhaltestelle", sagt Stadtsprecher Michael Gorgs. Denn: Das Auto ist in Meerbusch mit Abstand das bevorzugte Verkehrsmittel. Zum 1. Januar 2016 waren in der Stadt 39.800 motorisierte Fahrzeuge angemeldet - davon 35.130 Pkw. Die Pkw-Dichte liegt damit bei 0,63 Pkw pro Einwohner, landesweit sind es nur 0,54. "Die täglichen Staus, gerade jetzt im Herbst, zeigen die Auswirkungen eindrucksvoll", sagt Gorgs.

In der Meerbuscher Energiebilanz, die im Rahmen des Klimaschutzkonzeptes erstellt wurde, macht sich das entsprechend bemerkbar: 41 Prozent der im Stadtgebiet verbrauchten Endenergie frisst der Kfz-Verkehr, auf die privaten Haushalte entfallen 39 Prozent, auf die Wirtschaft lediglich 18 Prozent. Dringend verbesserungswürdig ist eine weitere statistische Zahl: Rund 50 Prozent der Autofahrten in Meerbusch dienen dazu, Kurzstrecken von 100 Meter bis einem Kilometer zurückzulegen.

Die Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte soll helfen, das in Zukunft zu ändern. Die AGFS wurde 1993 gegründet - Meerbusch ist die 79. Kommune, die beigetreten ist. Im Mai 2016 bereiste eine Kommission der AGFS Meerbusch, nachdem die Politik 2014 die Bewerbung beschlossen hatte. Das Zertifikat als fahrradfreundliche Stadt wird für sieben Jahre verliehen, danach prüft eine Kommission wieder, ob der Titel noch Berechtigung hat. "Die Aufnahme bedeutet nicht, dass Meerbusch bereits jetzt fahrradfreundlich ist", betont Gorgs. "Die Mitgliedschaft ist eher eine freiwillige Selbstverpflichtung." Zwar seien bereits eine ganze Reihe von Aufgaben erledigt, die eigentliche Arbeit beginne aber erst jetzt richtig. Im Vordergrund des Vorhabens stehe die sichere Führung des Radverkehrs auf wichtigen Wegeverbindungen von A nach B im gesamten Stadtgebiet, sagt die Verwaltung. Das Planungsbüro PGV-Alrutz aus Hannover erarbeite derzeit in engem Zusammenwirken mit der Stadt ein modernes Meerbuscher Radverkehrsnetz, das alle wichtigen Ziele des Radverkehrs berücksichtigt. "Dabei prüfen wir intensiv die Qualität beziehungsweise die Befahrbarkeit der bestehenden Wegeverbindungen und zeigen dann auf, wo Handlungsbedarf besteht", erklärt Heike Prahlow, Ingenieurin bei PGV.

Die Planung soll aber nicht allein in Händen der Profis bleiben. Die Meerbuscher sind aufgerufen, ihre Ideen zur Verbesserung des Radverkehrs zu benennen. Unter der Adresse radverkehr@meerbusch.de können Radfahrer diese direkt an den Fachbereich Straßen und Kanäle im Technischen Dezernat schicken. Die E-Mails werden dort gesammelt und an die zuständigen Stellen weitergeleitet. Das Planungsbüro wertet alle Stellungnahmen aus und veröffentlicht sie zum Abschluss der Aktion mit einer gutachterlichen Stellungnahme. Im kommenden Frühjahr sollen die Ergebnisse vorliegen.

Quelle: RP
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