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Meerbusch
Stadt sucht neue Schiedsleute

Meerbusch: Stadt sucht neue Schiedsleute
Nur Kreuzworträtsel und Fernsehen sind nichts für Birte Wienands. Sie ist ehrenamtliche Schiedsfrau und Kreistagsabgeordnete. FOTO: RP-Archiv
Meerbusch. Oft geht es ums Zuhören und Moderieren - Schiedsleute helfen dabei, Streit unter Nachbarn beizulegen, oder vermitteln zwischen den Beteiligten einer Schlägerei. Birte Wienands ist schon seit mehr als 25 Jahren Schiedsfrau in Büderich Von Franziska Hein

Ob eine Kneipenschlägerei oder Nachbarschaftsstreit - Claudia Wienands ist in solchen Fällen oft die richtige Adresse. Die 61-Jährige arbeitet schon seit 25 Jahren als Schiedsfrau für die Stadt Meerbusch. Sie ist zuständig für den Ortsteil Büderich. Gleichzeitig engagiert sich Wienands auch für den Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen, die Dachorganisation aller Schiedsleute in Deutschland.

"Wir sind zur Verschwiegenheit verpflichtet", sagt Wienands, die pensionierte Berufsschullehrerin ist. Sie hat Wirtschaftswissenschaften und Pädagogik studiert. Über ihre Fälle darf sie sich öffentlich nicht äußern. Nur allgemeine Dinge darf sie erzählen. Sie hat zum Beispiel beobachtet, dass in den vergangenen Jahren die Nachbarschaftsstreitigkeiten zugenommen haben. "Oft geht es um Grenzstreitigkeiten", sagt sie - also etwa um Bäume, die zu nah an der Grundstücksgrenze gepflanzt wurden.

"Meistens kommt heraus, dass ein ganz anderes Problem die Ursache für den Konflikt ist: falsches Grüßen, Lärmbelästigung oder mangelnder Respekt", erzählt die Schiedsfrau, die auch Kreistagsabgeordnete ist. Überhaupt entwickeln sich häufig Konflikte zwischen unterschiedlichen Generationen. "Da hilft nur zuhören", sagt sie.

Die Stadt Meerbusch hat in diesem Jahr drei Schiedspersonenstellen neu zu besetzen. Zum 1. Mai wird eine neue stellvertretende Schiedsperson für den Bezirk 3 (Lank-Latum, Rheingemeinden, Strümp und Ossum-Bösinghoven) gesucht. Im Bezirk 2 (Osterath) werden zum 1. November sowohl ein neue Schiedsperson als auch ein neuer Stellvertreter benötigt.

Das Ehrenamt der Schiedsperson kann im Allgemeinen von Bürgern übernommen werden, die zwischen 30 und 70 Jahren alt sind und öffentliche Ämter bekleiden dürfen. Die künftige Schiedsperson muss ihren Hauptwohnsitz im Schiedsamtsbezirk haben.

Nach dem Motto "Schlichten statt Richten" werden Schiedsleute sowohl bei Nachbarschaftsstreitigkeiten als auch bei bestimmten Strafsachen tätig. Eine überstehende Hecke oder eine Beleidigung sollen nicht dazu führen, dass die Gerichte mit Bagatellverfahren blockiert werden und dass der Nachbarschaftsfrieden gewahrt bleibt. Fünf Jahre dauert eine Amtszeit.

Wienands hat etwa zehn Fälle im Jahr, hinzukommen die sogenannten Tür-und-Angel-Fälle, wenn die Bürger bei ihr anrufen und sich Rat holen. Kommt ein Antragssteller zu ihr, prüft sie, ob sie zuständig ist. Entscheidend ist der Wohnort des Antraggegners. Der Antragssteller muss einen Vorschuss von 50 Euro zahlen, die Kosten teilen die Parteien aber hinterher, wenn es zu einer Lösung gekommen ist.

Schiedsfrau zu sein, ist ein Ehrenamt. Wienands setzt Verhandlungstermine an, zu denen beide Parteien erscheinen müssen. Schließen die Streitparteien einen Vertrag, um den Streit beizulegen, kann dieser auch vom Amtsgericht vollstreckt werden. Wienands bleibt auch weiterhin im Amt: "Nur Kreuzworträtsel und Fernsehen sind nichts für mich."

Quelle: RP
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