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Serie "Franzosen in Meerbusch"
Die neue Heimat in Meerbusch gefunden

Serie "Franzosen in Meerbusch": Die neue Heimat in Meerbusch gefunden
Als Reminiszenz an seine französische Heimat trägt Florent Raimond am Schlüsselbund eine alte 5-Franc-Münze. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Meerbusch. Ausgerechnet Bayern. Als Florent Raimond im Jahr 2000 als junger Ingenieur erwartungsvoll nach München kam, verstand er nur wenig.

"Ich dachte, ich hätte vorher Deutsch gelernt", erzählt er, "und dann dieser Dialekt. Er bereitete mir Kopfschmerzen, abends fühlte ich mich ganz erschöpft." Damals war es hart, heute kann er darüber lachen. Entspannt sitzt er in seinem Garten in Meerbusch und lässt die vergangenen 17 Jahre Revue passieren, die er überwiegend in Deutschland verbrachte: "Je länger ich hier lebe, desto wohler fühle ich mich", sagt er.

Im Rheinland fand er sein Glück. Florent Raimond heiratete, gründete eine Familie mit drei Töchtern und eine eigene Firma. Sein Online-Shop "AromaGarden" vertreibt Naturkosmetik, die der junge Unternehmer nach langen Studien auf der Basis von ätherischen Ölen entwickelt hat. Den Firmensitz will er im Herbst von Köln nach Lank verlegen.

Daneben arbeitet der 40-Jährige erfolgreich als Model. "Meine Frau hat mich dazu ermutigt", sagt er. "Sie versuchte, mich etwas umzustylen, mir fehlte früher der Sinn für Kleidung. Inzwischen habe ich von ihr gelernt, wie man Sachen gut kombiniert." Seine Frau Maite steht seit Kindertagen auf der Bühne. Sie stammt aus der berühmten Kelly Family und verfolgte danach ihre eigene Künstler-Karriere. Die beiden schützen ihre Privatsphäre, so gut es geht.

In ihrer ruhigen Meerbuscher Wohngegend bleiben sie unbehelligt: "Wir mögen diesen Rhythmus, nah an der Großstadt zu sein und trotzdem wie auf dem Dorf zu leben. Das viele Grün, der nahe Rhein, die netten Nachbarn." Anfangs habe er nie versucht, sich mit Landsleuten zu treffen, berichtet Florent Raimond: "Ich wollte mich komplett integrieren. Inzwischen schätze ich die Kontakte, die ich über die französische Community in Düsseldorf geknüpft habe. Es gibt viele Aktivitäten, auch sportliche, an denen ich teilnehmen kann."

Geboren ist er in Lyon, der Vater arbeitete bei der Bahngesellschaft. Die Familie zog innerhalb Frankreichs häufig um, Bezüge zu Deutschland gab es nicht. "Ich war anders", sagt Florent Raimond, "ich wollte schon immer in die Welt hinaus." Als Austauschstudent ging er ein Jahr nach England, danach kamen München und fast drei Jahre Afrika. In Togo half er dabei, ein Zentrum für Studenten und eine Kirche aufzubauen. Er ist tiefgläubig und findet nahezu alle seine Werte in der katholischen Kirche vereint. "Ich hatte das Bedürfnis, etwas von mir zu geben, um Gutes zu tun", beschreibt er seine Motivation. "Doch dann spürte ich, dass ich viel mehr zurückbekam." Durch das Projekt lernte er bei einem Konzert in Belgien seine Lebensliebe kennen, auch die Kellys engagierten sich sozial.

Geheiratet wurde in Paris, man blieb eine Weile dort wohnen. Aber bald zog es das Paar wieder nach Deutschland. "Für Maite und mich ist es die Heimat", sagt Florent Raimond. Mit den Töchtern (12, 9 und 3 Jahre) spricht er aber Französisch, "damit sie meine Deutschfehler nicht übernehmen."

Regina Goldlücke

Quelle: RP
 
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