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Anthony Sarpong
Ein Stern für Meerbusch

Anthony Sarpong: Ein Stern für Meerbusch
Matthias Gaube ist Saucier in der Küche von Anthony Sarpong. Auch er freut sich über den Stern für das Restaurant. FOTO: Anke Kronemeyer
Meerbusch. Das Handy piept und piept und piept. Es klingelt, es brummt, eine Nachricht nach der anderen trudelt ein.

Anthony Sarpong springt auf. "Muss erst mal das Handy laden." Stecker rein, es lädt. Anthony kann weiter sprechen. Das Handy macht trotzdem Geräusche. Egal. "Diesen Stern", holt der 35-Jährige tief Luft, "schenke ich Meerbusch. Der ist für meine Gäste." Sonntag um 10 Uhr bekam er den alles entscheidenden Anruf. "Sie haben einen Stern", sagt eine Stimme am anderen Ende der Leitung. Es war der Chef des Guide Michelin, Ralf Flinkenflügel, der Anthony Sarpong damit ein wenig aus der Fassung brachte. "Ich habe dann nicht mehr zugehört. Wann ich anreisen soll, wo ich übernachte..." Aber am Montag saß Sarpong dann doch im Auto Richtung Berlin und war den ganzen Dienstagnachmittag im Trubel der Sterne-Bekanntgabe. Jedes Jahr verteilt das Team des Guide Michelin seine Sterne und sorgt für Spannung in der Gastro-Szene.

Anthony Sarpong hat in seinen Berufsjahren schon in vielen Sterne-Restaurants gearbeitet: im Hummerstübchen bei Peter Nöthel, in Bad Neuenahr bei Hans Stefan Steinheuer, im Fischers Fritz in Berlin, in Erno's Bistro in Frankfurt oder La Becasse in Aachen. Im April 2015 eröffnete der Vater von drei Kindern zwischen anderthalb und elf Jahren dann sein erstes eigenes Restaurant. Schon im vergangenen Jahr war er für einen Stern gehandelt worden. Seine Küche wurde immer wieder begeistert von vielen Kritikern gefeiert. Vor allem das Konzept mit integrierter Kochschule ist neu und kommt auf beiden Seiten des Restaurants gut an. "Und genau das wurde jetzt auch gelobt", erzählt Sarpong, der in Neuss-Rosellen zudem das "Reiterstübchen" betreibt und für die Bark-Küche im Me-and-all-Hotel in Düsseldorf zuständig ist. Bewertet wurden aber auch die Weinkarte, der Service und das Ambiente. "Und da wäre ich ohne mein Team ja nichts, vor allem nicht ohne Benedikt Wittek, den Küchenchef", weiß Sarpong, der alle Mitarbeiter angerufen und sich bei ihnen bedankt hat. "Wir haben alle den Stern bekommen." Ändern will der gebürtige Ghanaer nichts im Restaurant. Die Karte wechselt sowieso regelmäßig, die Preise bleiben gleich, und abheben soll jetzt auch keiner. "Es ist doch einfach toll, dass Meerbusch seinen ersten Stern hat", sagt Sarpong. "Den schenke ich der ganzen Stadt, vor allem meinen Stammgästen." Von denen hat er eine Menge. Einige saßen sogar bei der Verleihung im Publikum. Und applaudierten besonders laut, als er sagte, dass er aus Meerbusch komme. Die Moderatoren wollten ihn nach Düsseldorf verorten, und er blieb standfest und sagte immer wieder: "Nein, ich komme aus Meerbusch." Und hier klingelt auch die ganze Zeit das Telefon, das mittlerweile wieder aufgeladen ist. Onkel George aus Australien hat angerufen ebenso wie die Familie aus Ghana, Freunde aus England und Amerika, aber auch die Bank, die ihm den Kredit gegeben hat. Mehr als 2000 Anrufe und E-Mails muss Sarpong jetzt beantworten. Und nebenbei noch ein bisschen kochen. Anke Kronemeyer

Quelle: RP
 
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