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Hildegundis Von Meer
Feingemacht für das Tanzcafé mit vertrauten Melodien

Meerbusch. Alle Stühle im Veranstaltungsraum des Caritashauses Hildegundis von Meer sind besetzt, der Kuchen steht auf den Tischen, die Rollatoren sind in einer Ecke geparkt und auch die Senioren in den Rollstühlen warten darauf, dass endlich die Musik einsetzt.

Als es dann so weit ist, zögern Helga Rademacher (79) und Katarina Pütz (80) nicht lange und wagen sich aufs Parkett: "Das liegt uns im Blut", erklären sie ihre Freude am Tanzen.

Die beiden Damen haben sich fein

gemacht: "Dieser Termin ist der einzige Anlass, etwas Schickes anzuziehen." Wie sie warten viele Bewohner auf diese Tanzveranstaltung, die zweimal jährlich - der nächste Termin ist im Herbst - stattfindet. "Am Tag zuvor ist bei unserem Friseur ganz viel los. Die Damen lassen sich die Haare ondulieren", erzählt Sabine Eckstein, Leitung Wohnen mit Service.

Die Senioren sind also bestens gerüstet. Anfangs reagieren sie zögerlich und stehen der Aufforderung zum Tanz von anderen Bewohnern und der Caritashaus-Mitarbeiter skeptisch gegenüber. Aber bald ist der Bann gebrochen. Dann genießen auch die im Rollstuhl sitzenden Bewohner auf der Tanzfläche die Bewegungen zur Musik, die sie an "schöne Zeiten" erinnern. Sabine Eckstein weiß, wie wichtig die alten Melodien sind: "Positive Erinnerungen werden wach. Außerdem fördern rhythmische Gesten die Gedächtnisleistung. Das ist gelebte Biographie-Arbeit und bewegt unsere Bewohner emotional." Herbert Hoppe (86), der sich in flotter Jeans und kariertem Hemd zu einem Tänzchen überreden lässt, bestätigt das: "Ich habe früher gern getanzt, aber jetzt macht das Herz nicht mehr mit und ich muss zurückschalten. Trotzdem möchte ich immer dabei sein, wenn hier etwas los ist."

An diesem Nachmittag - wie in den vergangenen acht Jahren - sorgt der Meerbuscher-Tanzsport-Club (MTC) dafür, dass im Caritashaus beschwingte Stimmung herrscht. Der Vorsitzende Dieter Lass greift nicht nur in die musikalische Oldie-Kiste und spielt Songs wie "Take Me Home Country Roads" oder "I Need More Of You" aus den 1970/80er Jahren ab, er fordert auch weibliche und männliche Caritashaus-Bewohner zum Tanzen auf. Seine Frau Christel und Ursula Kress, seit der Gründung 1978 im MTC dabei, unterstützen ihn: "Einige wollen Tanzschritte lernen und sind erst zufrieden, wenn es klappt." Beim Reihentanz schließlich, einer gemeinsamen schwungvollen Darbietung, strahlen auch die Gesichter derjenigen, die nicht auf der Tanzfläche sein wollen oder können. "Wir freuen uns alle auf diese Termine. Früher war ich im Tanzkurs, da ist einiges hängen geblieben", berichtet Katarina Pütz. Und Helga Rademacher ist stolz darauf, trotz ihrer sporadischen Dialyse-Abhängigkeit mit viel Lebenslust tanzen zu können.

Monika Götz

Quelle: RP
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