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Meerbusch
Straßensanierung: In der Gutachtenfalle

Meerbusch: Straßensanierung: In der Gutachtenfalle
Professor Hartmut Beckedahl von der Universität Wuppertal im Februar bei der Probenentnahme für sein Gutachten. Die 29 Anwohner gaben seine Expertise in Auftrag. FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Jetzt liegen beide Gutachten zum Ausbau der Straße Am Oberbach vor. Den ehrenamtlichen Politikern dürften die Fachexpertisen bei ihrer Entscheidung nicht viel weiterhelfen: Sie kommen zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen Von Martin Röse

Braucht die Straße Am Oberbach in Langst-Kierst bei der Sanierung einen frostsicheren Aufbau oder nicht? Die Frage interessiert nicht nur die 29 Anwohner, die den Löwenanteil der Sanierungskosten zu zahlen haben, sondern auch viele Meerbuscher, die mit Interesse die Debatte verfolgen, ob die Stadtverwaltung einen besonders hohen "Meerbusch-Standard" für Straßensanierungen ansetzt.

"Selbstverständlich sind wir als Stadtverwaltung verpflichtet, den Geldbeutel der Bürger zu schonen, wo immer es möglich und nachhaltig sinnvoll ist", hatte Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage (CDU) im Februar erklärt. Während die Anwohner der Meinung sind, dass es reichen würde, 30 bis 40 Zentimeter des alten Straßenbelags abzutragen, wollte die Verwaltung, doppelt so tief auskoffern, um den Frostschutz sicherzustellen. Das von der Stadt eingeholte Bodengutachten für die Straße Am Oberbach empfehle einen kompletten Austausch, so die Verwaltung.

Um Klarheit zu schaffen, beauftragten die Anwohner den Straßenbauexperten Professor Hartmut Beckedahl von der Universität Wuppertal mit einem Bodengutachten. Und auch die Stadt gab ein neues Gutachten zur Frostsicherheit der Straße in Auftrag, um die exakte Mindestdicke des frostsicheren Oberbaus festlegen zu können.

Unserer Zeitung liegen nun beide Gutachten vor. Ergebnis: Das von der Stadt in Auftrag gegebene Gutachten kommt zu dem Schluss, dass die Straße durchgängig in der höchsten Frostsicherheitsstufe errichtet werden muss. "Neben den ... Untergrundverhältnissen ist auch die exponierte Lage der Straßen Am Oberbach und Rheindamm hinsichtlich der Entfernungen zum Deich und zum Rhein mit in die Festlegung der Frostklasse einzubeziehen", heißt es in dem Gutachten im Auftrag der Stadt. Das von den Anwohnern in Auftrag gegebene Gutachten kommt hingegen zum gegenteiligen Ergebnis: Zwar erfordere der vorgefundene Boden theoretisch eine frostsichere Dicke von 40 bzw. 50 Zentimetern, heißt es darin. "Infolge der bislang nicht aufgetretenen Frostschäden, wird ... keine Veränderung der vorhandenen frostsicheren Dicke erforderlich", schreibt Gutachter Beckedahl. "Infolge der geringeren Ausbaudicke liegen die geschätzten Kosteneinsparungen für die Abschnitte eins bis drei zwischen etwa 17 Prozent und rund 30 Prozent. Das entspreche Beträgen zwischen 99 800 Euro und 148 500 Euro. Der Gutachter betont: "Ein Verzicht auf den Aushub bis zur frostsicheren Tiefe ist ohne weitere Nachteile möglich." Voraussichtlich am 6. Mai werden sich die Politiker im Bauausschuss erneut mit dem Straßenausbau beschäftigen. Rein rechtlich beschlossen ist der Ausbau bereits. Trotz eines Vertagungsantrags der Grünen stimmte eine Mehrheit aus CDU und SPD für den Ausbau der Straße, in der von der Verwaltung vorgeschlagenen Qualität.

Quelle: RP
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