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Meerbusch
Studie: Junge sind Verlierer in Bezug auf Wohneigentum

Meerbusch: Studie: Junge sind Verlierer in Bezug auf Wohneigentum
Ein Kran als Symbol für Wohnungsbau und -eigentum. In Meerbusch kosten die eigenen vier Wände besonders viel. FOTO: A. Endermann
Meerbusch. 25- bis 40-Jährige können sich immer seltener ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung leisten, sagt das Pestel-Institut in Hannover. Von Julia Hagenacker

Wohnen in den eigenen vier Wänden: Vom Einfamilienhaus bis zur Eigentumswohnung - im Rhein-Kreis Neuss gibt es rund 102.800 Wohnungen, für die keine Miete bezahlt werden muss, weil ihre Eigentümer sie selbst nutzen. Die Wohneigentumsquote im Kreis liegt damit bei rund 50 (49,4) Prozent - wie auch in Meerbusch (48,8 Prozent). Das geht aus einer aktuellen Regional-Untersuchung zum Wohneigentum hervor, die das Pestel-Institut in Hannover gemacht hat. Zum Vergleich: Im bundesweiten Durchschnitt liegt die Eigentumsquote bei knapp 45 Prozent. Damit sei Deutschland weit weg von einem "Wohneigentümer-Land" und lande im Europa-Vergleich lediglich auf dem drittletzten Platz.

Auch vor diesem Hintergrund sieht das Pestel-Institut beim Wohneigentum im Rhein-Kreis Neuss "noch Luft nach oben". Denn es gebe eine neue Verlierer-Generation: "Insbesondere die 25- bis 40-Jährigen können sich immer seltener ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung leisten. Immer mehr von ihnen sind gezwungen, zur Miete zu wohnen. Dabei gehören gerade die Jobstarter und Familiengründer eigentlich zur typischen Klientel für Wohnungskauf und Hausbau", sagt der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther.

Immerhin handele es sich bei den Mittzwanzigern bis Enddreißigern um eine starke Bevölkerungsgruppe: Rund 76.300 Menschen dieser Altersgruppe leben im Rhein-Kreis Neuss. Ihre Chance auf Wohneigentum ist stark gesunken: "Bei den 25- bis 40-Jährigen ist die Eigentumsquote innerhalb von zwölf Jahren um 8,7 Prozent zurückgegangen", sagt Matthias Günther. Er beruft sich dabei auf Zahlen aus dem neuesten Mikrozensus.

"Die eigenen vier Wände rangieren bei vielen zwar ganz oben auf der Wunschliste, aber es hapert oft an guten Bedingungen für eine solide Finanzierung", sagt der Institutsleiter. Daran sei unter anderem eine unsichere berufliche Perspektive schuld.

In Meerbusch kommt der Aspekt "Bezahlbarkeit" hinzu. Beispiel Büderich: Dort sind die Bodenpreise zwischen dem 1. Januar 2016 und dem 1. Januar 2017 je nach Wohnlage zwischen 9,1 Prozent und 22,2 Prozent gestiegen. Die Kosten für den Erst- beziehungsweise Weiterverkauf von Häusern lagen 2016 im Durchschnitt bei 525.000 Euro für ein Reihenhaus und 760.000 Euro für ein freistehendes Haus. Dass Meerbusch bezahlbaren Miet- und Eigentumswohnraum braucht, haben Politik und Verwaltung mittlerweile erkannt. Man arbeitet dran.

Aus der Sicht von Matthias Günther fehlt vor allem eine staatliche Unterstützung für Wohneigentum, das die Menschen anschließend für sich selbst nutzen. Mit der Abschaffung der Eigenheimzulage vor elf Jahren sei die letzte Förderung von Wohneigentum in Deutschland faktisch eingestellt worden, sagt er. Das räche sich nun: Wohneigentum sei nämlich ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge. Und die komme bei vielen jetzt zu kurz. Der Stellenwert, den die eigenen vier Wände im Alter hätten, ließe sich auch daran erkennen, dass es derzeit bei den Senioren, die auf staatliche Grundsicherung im Alter angewiesen seien, kaum Wohnungseigentümer gebe, heißt es.

Die Initiative "Wohn-Perspektive Eigentum", zu der sich unter anderen der beim Hausbau und Wohnungskauf beratende Verband privater Bauherren (VPB), der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) und die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) zusammengeschlossen haben und die das Pestel-Institut mit der Regional-Untersuchung beauftragt hat, fordert Bund und Länder deshalb zu einer "politischen Kehrtwende pro Wohneigentum" auf und appelliert an die heimischen Bundestagsabgeordneten, den Wunsch der Bevölkerung nach Wohneigentum ernstzunehmen. Wer sich im Rhein-Kreis Neuss mit welchem Einkommen welche Immobilie leisten kann - dazu kündigte die Initiative einen Vor-Ort-Kauf-Check für Juni an.

Mehr zur Untersuchung des Pestel-Instituts gibt es auf der Internetseite der Initiative: www.wohn-perspektive-eigentum.de

Quelle: RP
 
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